Gewerkschaft der Sozialverwaltung – Bundesverband

 

 

 



23.05.2024

75 Jahre Grundgesetz - Damals wie heute: Wir brauchen mutige Kämpferinnen für die Gleichberechtigung

Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verabschiedet. Es ist an der Zeit, Bilanz zu ziehen und die nächsten Schritte für die Gleichberechtigung von Frauen zu diskutieren.

„75 Jahre Grundgesetz: Das ist ein Meilenstein für Frauenrechte und die Demokratie im Allgemeinen“, betonte Milanie Kreutz, stellvertretende dbb bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung am 23. Mai 2024. „In Artikel 3 Absatz 2 ist die Gleichberechtigung von Frauen und Männern festgeschrieben. Dazu brauchte es mutige Kämpferinnen, die sich in dem von Männern dominierten parlamentarischen Rat durchsetzten: Elisabeth Selbert, Helene Weber, Friederike Nadig und Helene Wessel – Die ‚Mütter des Grundgesetzes‘ spielten eine zentrale Rolle bei der Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz.“

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ -  Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes in seiner Fassung von 1949

In den 75 Jahren seit Einführung des Grundgesetzes gab es viele Errungenschaften und Fortschritte auf dem Feld der Gleichstellung. Denn obwohl die Gleichberechtigung von Frauen und Männern von Beginn an im Grundgesetz festgeschrieben war, wurde sie erst Jahrzehnte danach Stück für Stück umgesetzt: „Frauen dürfen erst seit 1958 ohne die Zustimmung ihres Ehemanns ein Konto eröffnen, eigenes Geld besitzen und arbeiten gehen“, erklärte Kreutz „Den gesetzlichen Mutterschutz für berufstätige Frauen gibt es erst seit 1968. Heute sehen wir diese Errungenschaften als selbstverständlich an, aber wir müssen stets wachsam bleiben: Das Rad der Zeit lässt sich nämlich leichter zurückdrehen als uns lieb ist.“ Rechte Bewegungen haben kein Interesse an Frauenrechten, Gleichstellung, Gleichberechtigung und Demokratie im Allgemeinen, machte Kreutz deutlich. „Im Gegenteil, in ihren Wahlprogrammen und ihrer Rhetorik finden sich Punkte, diese mühsam erkämpften Rechte wieder zunichtezumachen. Die Verteidigung der Demokratie ist unmittelbar mit der Verteidigung von Frauenrechten verbunden.“

„Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ -  Erweiterung von Artikel 3 Absatz 2 von 1994

In diesem Jahr feiert auch die Ergänzung des Gleichberechtigungsartikels einen runden Geburtstag. Kreutz weiter: „Unser Grundgesetz garantiert Gleichberechtigung, doch echte Gleichstellung ist darin nur als Fördermaßnahme skizziert. Unser Ziel muss es sein, diese Förderung zur Selbstverständlichkeit zu machen. Denn Gender Pay Gap, Gender Care Gap, Gender Pension Gap und Gewalt gegen Frauen sind immer noch weitläufig verbreitete Probleme, die Frauen das Leben erschweren und große Hürden auf dem Weg zur tatsächlichen Gleichberechtigung darstellen.” Auch Frauen in Führungspositionen seien deutlich unterrepräsentiert, das gelte für den öffentlichen Dienst wie für die Privatwirtschaft, im Ehrenamt und in der Politik. Die dbb frauen und das BMFSFJ fördern daher die Entwicklung und Manifestierung von Frauen in Führungspositionen im öffentlichen Dienst mit dem Modellprojekt ‚Führen in Teilzeit‘. „Wir müssen Frauen gezielt in allen Lebensbereichen fördern. Geschlechterstereotype müssen aktiv bekämpft werden. Die Gesellschaft muss Rollenklischees in Schulen und am Arbeitsplatz abbauen. Die Politik muss die Angebote zur Kinderbetreuung ausbauen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern, damit sich Frauen nicht mehr zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen. Vor allem aber müssen wir Frauen besser vor Gewalt schützen“, forderte Kreutz.

„So wie Elisabeth Selbert und ihre Mitstreiterinnen damals brauchen wir auch heute couragierte und engagierte Frauen, die sich für Demokratie und Gleichstellung einsetzen“, hob die dbb frauen Chefin hervor. Frauenrechte und Gleichstellung seien keine Selbstläufer. „Die Mütter des Grundgesetzes mussten sich durchsetzen und auch heute stehen der Erhalt und Ausbau der Gleichstellung unter zunehmendem Beschuss von autokratischen und rückwärtsgewandten Kräften.” Kreutz appelliert: „Werden Sie in Gewerkschaften, Politik oder in anderen Organisationen aktiv, um die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben. Der Kampf ist noch lange nicht vorbei. Gemeinsam können wir eine Gesellschaft schaffen, in der Frauen und Männer nicht nur auf dem Papier, sondern wirklich gleichberechtigt sind!“


Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/damals-wie-heute-wir-brauchen-mutige-kaempferinnen-fuer-die-gleichberechtigung.html


16.04.2024

18. Frauenpolitische Fachtagung - dbb frauen: „Sorgearbeit ist eine unschätzbare Leistung für unsere Gesellschaft“

Die dbb bundesfrauenvertretung forderte auf ihrer Fachtagung, dass Sorgearbeit nicht länger für finanzielle Unsicherheit steht. Der Handlungsbedarf ist enorm und die Zeit drängt.

„Wir sind hier, um Sorgearbeit sichtbar zu machen, angemessen zu würdigen und gerecht zu verteilen“, betonte Milanie Kreutz, stellv. dbb Bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung zum Auftakt der Tagung am 16. April 2024 in Berlin. „Sorgearbeit betrifft uns alle und ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit, die in allen Bereichen unserer Gesellschaft Anerkennung finden muss.“ Die Gewerkschaften müssen weiterhin auf politische Reformen drängen, die Frauen in allen Lebensphasen unterstützen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Kreutz appellierte an die Politik: „Um echte Fortschritte zu erzielen, müssen wir die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Sorgearbeit nicht länger für finanzielle Unsicherheit und Altersarmut steht, sondern als das anerkannt wird, was sie wirklich ist: eine unschätzbare Leistung für unsere Gesellschaft.“ Beispielsweise sei es an der Zeit, Fürsorgeverantwortung als ein Merkmal im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz aufzunehmen.

Kreutz: Wir stehen an einem Wendepunkt

Denn: Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung eines Landes hängt maßgeblich von der gleichberechtigten Teilhabe aller Geschlechter ab. Laut Gender Gap Report 2023 hinkt Deutschland im internationalen Vergleich bei der Gleichstellung von Frauen in der Wirtschaft ziemlich hinterher, insbesondere was die Teilzeitquote und den Anteil von Frauen in Führungspositionen betrifft. „Diese Situation erfordert nicht nur eine Neubewertung der Arbeitsmarktstrategien und eine stärkere Förderung von Gleichstellung am Arbeitsplatz, sondern auch ein kulturelles Umdenken in Bezug auf Geschlechterrollen und die Verteilung von Sorgearbeit“, erklärte Kreutz. „Wir stehen heute an einem Wendepunkt. Ohne sofortiges Handeln verwandelt sich die Sorgearbeitskrise in eine gesamtgesellschaftliche Krise. Die finanzielle Benachteiligung ‚typischer‘ Frauenberufe muss ein Ende haben. Gleichzeitig muss die Gesellschaft Geschlechterstereotype aufbrechen und eine Geschlechtergleichheit in der Sorgearbeit herstellen. Nur so können wir den Gender Pay Gap und den Gender Care Gap schließen.“ Es sei Zeit, zu handeln, machte Kreutz deutlich. „Wir müssen Altersarmut wirksam bekämpfen und die Grundlagen für eine gerechtere Zukunft legen. Wir haben die Fakten, wir kennen die Herausforderungen, und jetzt ist es an uns, Lösungen zu finden und umzusetzen.“

Silberbach: Armutsrisiko für pflegende Angehörige eindämmen

„Die Pflege von Angehörigen darf nicht zu Altersarmut führen. Wir brauchen dringend die steuerfinanzierte Entgeltersatzleistung“, forderte dbb Bundesvorsitzender Ulrich Silberbach auf der Veranstaltung. Der dbb habe dem Familienministerium bereits ein Konzept für Familienpflegezeit und -geld vorgelegt. Ein solcher Ausgleich stehe auch im Koalitionsvertrag. „Leider hat sich die Bundesregierung in dieser Sache noch nicht bewegt“, kritisierte Silberbach. Für viele pflegende Angehörige sei es sehr schwierig, die Pflege mit Beruf und Familie zu vereinbaren. Silberbach weiter: „Insbesondere Frauen laufen in Gefahr, ihr Einkommen und ihren Job zu verlieren. Hier muss die Politik mit ausgleichenden Maßnahmen ansetzen.“ Die Pflege von Angehörigen erfordere viel Zeit und Energie und sei im deutschen Gesundheitssystem unerlässlich. „Wir haben in der stationären Versorgung schon lange das Versorgungslimit erreicht“, erklärte Silberbach. „Ohne pflegende Angehörige würde das System kollabieren.“

Lauterbach: Regierungsentwurf noch vor der Sommerpause

Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach: „Von den rund 5,2 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden ca. 4,4 Millionen zu Hause versorgt, meistens von Angehörigen – und das sind in der überwiegenden Zahl Frauen. Sie betreuen ihre Nächsten oft rund um die Uhr, häufig neben dem Beruf. Das verdient deutlich mehr Respekt und gesellschaftliche Anerkennung als heute üblich und braucht aber auch mehr Unterstützung. Daher sorgen wir zunächst dafür, dass pflegende Angehörige die Leistungen zur Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege als einen gemeinsamen Jahresbetrag künftig flexibel einsetzen können. Wir haben das Pflegegeld deutlich angehoben und die Leistungen für die Inanspruchnahme von ambulanten Pflegediensten wurden zum 1. Januar 2024 um 5 Prozent erhöht. Und tritt in der Familie ein plötzlicher Pflegefall auf oder benötigt akut Unterstützung, können sich Angehörige bis zu zehn Arbeitstage pro Jahr freistellen lassen. Das sorgt für Sicherheit und mehr Zeit für die Pflege der Nächsten. Trotzdem werden wir die Bedingungen für die Pflege weiter verbessern müssen. Dazu werden wir noch vor der Sommerpause einen Regierungsentwurf haben.“

Deligöz: Einsatz für eine faire Verteilung lohnt sich für alle

Ekin Deligöz, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium: „Ohne Care-Arbeit könnte unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Doch die ungleiche Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit ist ein großes gleichstellungspolitisches Problem. Häufig kümmern sich Frauen um Kinder, Angehörige und den Haushalt, dafür treten sie beruflich kürzer - mit weitreichenden Folgen, wie geringeres Gehalt, weniger berufliche Chancen, eine prekäre Alterssicherung und hohen Armutsrisiken. Wir wollen es Frauen ermöglichen, ein Erwerbseinkommen zu erzielen, das heute und für das Alter ausreicht. Daran arbeiten wir bereits, z.B. mit Investitionen in Kita-Qualität und Ganztagsbetreuung oder mit Maßnahmen, die die Partnerschaftlichkeit von Anfang an stärken, wie die geplante Familienstartzeit. Wir prüfen weiterhin Verbesserungen bei der Familienpflegezeit, die es pflegenden Angehörigen - vor allem Frauen - erleichtern soll, Beruf und Pflege zu vereinbaren. Es lohnt sich für alle, sich für eine faire Verteilung von Care-Arbeit zwischen Frauen und Männern einzusetzen."

Schoß: Finanzielle Fehlanreize beseitigen

Annemarie Schoß, Referentin für Familienpolitik beim Sozialverband VdK, umriss in ihrem Impulsvortrag die sichtbaren Folgen unsichtbarer Arbeit. Ein Großteil der unsichtbaren Arbeit, einer „gesellschaftlich grundwichtigen Arbeit“, leisteten Familien zu Hause. Dabei nehme die Sorgearbeit mit rund 20 Stunden pro Woche den Umfang eines zusätzlichen Teilzeitjobs an. Der damit verbundene Gender Care Gap sei eklatant, denn Frauen leisteten rund 44 Prozent mehr „unsichtbare“ Sorgearbeit als Männer. Das sei auf kaum veränderte Geschlechterrollen in der grundsätzlichen Aufgabenverteilung zurückzuführen, und gesetzliche Regelungen wie Ehegattensplitting, die Behandlung von Minijobs und Details des Krankenversicherungssystems verstärkten die gesetzten Fehlanreize zusätzlich. Anreize für eine gerechtere Verteilung von Sorgearbeit könnten zum Beispiel in Form von Arbeitszeitflexibilisierung, einem verbesserten Pflegeangebot und einer Reform des Ehegattensplittings gesetzt werden. Zudem müsse der Mindestlohn angehoben und Lohnersatzleistungen im Zusammenhang mit Care-Arbeit verbessert werden, um späteren Versorgungslücken entgegenzuwirken.

Hoff: Sorgearbeit in Tarifverträge einbeziehen

Die Auswirkungen demografischer Faktoren auf die Pflegesituation verdeutlichte Dr. Andreas Hoff, Professor für Soziale Gerontologie an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Hochschule Zittau/Görlitz. „Pflege ist zu einem großen Teil Pflege durch Angehörige, denn 84 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut. Demografiegetrieben wird die Pflegebedürftigkeit insgesamt bis ins Jahr 2025 sehr dynamisch steigen“, so der Wissenschaftler. Im Zuge dieser Entwicklung werde auch die Bedeutung der ambulanten Pflege steigen, während die stationäre Pflege stagniere oder sogar zurückgehe. Außerdem werde sich der Anteil pflegender Angehöriger, die erwerbstätig sind, erhöhen. Um gesundheitlichen Folgen und finanziellen Nachteilen entgegenzuwirken schlug Hoff ein Maßnahmenpaket vor, das sich an den Ergebnissen des zweiten Berichts des unabhängigen Beirates für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf orientiert: Die Einführung einer Entgeltersatzleistung (analog zum Elterngeld) für bis zu 36 Monate sowie eine nach praktischen Kriterien gestaffelte Erhöhung der Freistellung auf maximal 36 Monate. Darüber hinaus sollten die Regelungen der zehntägigen Arbeitsverhinderung für Pflegende inklusive Pflegeunterstützungsgeld auf zehn Arbeitstage pro Jahr erweitert und das Pflegezeitgesetz sowie das Familienpflegezeitgesetz zusammengeführt werden. Der Gerontologe plädierte dafür, Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber stärker in die Pflicht zu nehmen. Dazu müsse die bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf auch Gegenstand von Tarifverhandlungen werden.
„Ich hasse Hausarbeit“, bekannte Ella Carina Werner, Autorin, Satirikerin und TITANIC-Mitherausgeberin, freimütig und beschrieb den ständigen Konkurrenzkampf von Kindern, Arbeit und Haushalt. Ihr Lösungsvorschlag besteht in der Vision eines „idealen Putzmannes“, etwa eines Controllers oder Top-Rechtsanwaltes, den seine Haupttätigkeit einfach nicht auslaste.

Meier-Gräwe: Zeitenwende, die sich nicht auf Rüstungsaufgaben beschränkt

In ihrem Impulsvortrag über „Die ökonomischen Folgen von ungleich verteilter Care-Arbeit“ skizzierte Uta Meier-Gräwe, Autorin und ehemalige Lehrstuhlinhaberin für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaften an der Universität Gießen, wie sich im Rahmen der Herausbildung der Industriegesellschaft außerhäusliche Erwerbsarbeit und unbezahlte, häusliche Erziehungs- und Hausarbeit voneinander getrennt hätten. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass Care-Arbeit ein Fundament der Gesamtgesellschaft sei. Die damalige Sachverständige für den 1. und 2. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung forderte eine „Um-Care“: „Wir müssen ein Modell für die faire Verteilung von Care-Arbeit finden!“ So müsse professionelle Care-Arbeit besser bezahlt werden und das in einigen Regionen noch immer zu zahlenden Schulgeld müsse zugunsten einer Ausbildungsvergütung abgeschafft werden. „Diese Berufe müssen so tarifiert und vergütet werden, dass sie auch für den interessant werden, der sonst bei VW arbeiten würde.“ Um 2030 werde bis zu ein Drittel aller Beschäftigten im Bereich Care-Arbeit arbeiten. „Sorgearbeit ist eine zentrale wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufgabe. Wir brauchen eine Zeitenwende, die sich nicht auf Rüstungsaufgaben beschränkt“, mahnte Meier-Gräwe.
In drei parallel stattfindenden Diskussionsrunden hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich mit den Referentinnen und Referenten zu den entsprechenden Themen auszutauschen.

Eine positive Veränderung ist möglich

In der Diskussionsrunde zum „Thema Sorgearbeit und Pflege im Fokus: Gendergerechte Lösungsansätze in der Politik und Arbeitswelt“ diskutierten dbb frauen Chefin Milanie Kreutz, Katrin Lange (Bereichsleitung Europa & Nachhaltigkeit, Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.), und Stephanie Peterson (Vorständin Ressort Customer Management AXA AG) mit dem Publikum. Die Beteiligten fragten sich, warum die tradierten Rollenbilder weiterbestehen. Es brauche zur Lösung eine Neuorganisation von Erwerbs- und Sorgearbeit, wofür auch im Kapitalismus noch Spielraum bestehe (siehe Ostdeutschland oder Skandinavien). Eine positive Veränderung sei also möglich. Die neuen Werte müssen nicht gelehrt, sondern vorgelebt werden, möglichst bereits in den Kitas. Besonders wichtig sei es jetzt, Verbündete gerade in der Wirtschaft und Industrie zu finden. Die bezahlte Carearbeit monetär aufzuwerten, setze auch ein Zeichen für die unbezahlte Carearbeit. Auch Steuerfragen wie beispielsweise das Ehegattensplitting oder Freibeträge für Kinder müssen geklärt werden. Bei alldem sei ein Differenzierter Blick auf die komplexe Sachlage wichtig. Auch marginalisierte Frauen müssen im Blick bleiben. Viel zu oft seien sie die „Lückenbüßer" für Privilegierte - das darf nicht sein. Wichtig sei zudem der Solidargedanke. Milanie Kreutz betonte: „Ich möchte nicht Karriere machen auf dem Rücken von Erzieher*innen, die dann schlecht bezahlt werden und nicht gleichberechtigt leben dürfen.“

Mehr und bessere Kommunikation nötig

Zum Thema „Pflege und Sorgearbeit in Zeiten des Demografischen Wandels“ erarbeiteten Prof. Dr. Hoff und Daniela Romeis vom LBB gemeinsam mit den Teilnehmenden Lösungen. In den Diskussionen wurde schnell deutlich, dass sich viele Probleme durch bessere Kommunikation lösen lassen: Man müsse der Gesellschaft klarmachen, dass ausnahmslos alle von Sorgearbeit betroffen sind. Dafür müssen die Botschaften aber auch die gesamte Breite der Gesellschaft erreichen. Da bei der Pflege die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern aber auch zwischen den Generationen extrem unausgeglichen seien, brauche es mehr Verständnis füreinander und mehr Austausch zwischeneinader. Romeis, die selbst seit vielen Jahren in der stationären Pflege arbeitet, kritisierte die mangelhafte Nachsorgearbeit. Pflegebedürftige wollen lieber zuhause versorgt werden, die Angehörigen seien mit plötzlichem Pflegebedarf aber häufig überfordert. Hier sei ein besseres Informationsangebot für Angehörige nötig. Das Gesundheitssystem verlasse sich zu sehr auf Angehörige. Dies sei besonders dann problematisch, wenn keine Angehörigen vorhanden sind. Auf der Arbeit müssen pflegende Angehörige deutlich mit dem Arbeitgeber über Pflegezeit kommunizieren, der Arbeitgeber selbst muss aber auch kommunikativ und transparent sein. Für die Zukunft muss die Vereinbarkeit von Pflege und Arbeit Teil der Tarifverhandlungen werden.

Gewerkschaften müssen Druck machen

Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe und Dr. Bettina Rainer (Bündnis Sorgearbeit fair teilen) sprachen mit den Teilnehmenden über die ökonomischen Folgen von ungleich verteilter Care-Arbeit. Am wichtigsten sei, Sorgeberufe ernsthaft anzugehen und Geld zu investieren. Hier Druck zu machen sei die vorrangige Aufgabe von Gewerkschaften. Auch die Reform der Wirtschaftslehre an Universitäten sei notwendig. Bestes Beispiel hierfür: Der Begriff „unterbrechungsbedingter Humankapitalverlust" steht für den Ausstieg aus dem Beruf nach der Geburt eines Kindes. In der Realität steht er aber auch für eine niedrigere Einstufung und berufliche Stagnation nach der Rückkehr. Eine der zentralen Fragen war, wie man mehr Männer als Mitstreiter gewinnen kann. Die Antworten waren, dass man Männer von Anfang an adressieren müsse, Medien müssten Geschlechterstereotype aufbrechen und strukturelle Reformen seien notwendig. Denn Männer können durch Sorgearbeit persönlich viel gewinnen und wollen das auch, befürchten aber negative Auswirkungen auf die Karriere. Die Aufteilung von Sorgearbeit werde in Partnerschaften oft nicht besprochen, das müsse sich ändern. Es gelte, Care-Arbeit zur gesellschaftlichen Arbeit zu machen, denn nicht die Frau habe das individuelle Problem bei der Familienplanung, es ist ein gesellschaftliches Problem. Die Vorhaben im Koalitionsvertrag wie z.B. Zuschüsse für haushaltsnahe Dienstleistungen müssen noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden. Dies sei längst überfällig und wäre ein gutes Signal.

Hintergrund:
Die Fachtagung stand unter dem Motto „Familie, Sorgearbeit, Altersarmut - die CAREseite der Medaille“. Die Expertinnen, Experten und Entscheidungsträgerinnen und –träger beleuchteten die Auswirkungen von Sorgearbeit auf die Erwerbstätigkeit von Frauen und die Bedeutung von Care-Arbeit in unserer Volkswirtschaft und Gesellschaft heraus.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/dbb-frauen-sorgearbeit-ist-eine-unschaetzbare-leistung-fuer-unsere-gesellschaft.html


08.03.2024

Internationaler Frauentag - Jeden Tag für die Rechte und Würde aller Frauen kämpfen

Vielerorts ist Gleichstellung noch nicht erreicht – wie im Fall der Altersarmut, teils mit gravierenden Folgen. Gleichzeitig sägen rechte Kräfte an der Gleichstellungspolitik.

„Der Weltfrauentag dient uns nicht nur als Moment der Besinnung, sondern stellt ein kraftvolles Symbol für unseren gemeinsamen Einsatz für Gleichheit und Gerechtigkeit weltweit dar. Heute feiern wir nicht nur Errungenschaften, sondern erneuern auch unsere Verpflichtung, jeden Tag für die Rechte und die Würde jeder Frau und jedes Mädchens zu kämpfen. Frauenrechte sind ein zentraler Bestandteil der Demokratie und somit ist die Stärkung von Frauenrechten immer auch eine Stärkung der Demokratie. Es ist daher unsere Pflicht, als Bollwerk der Demokratie und Gleichheit klare Kante gegen Rechtsextremismus, Sexismus und Diskriminierung zu zeigen“, unterstreicht Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende, am 8. März 2024 auf der Sitzung der UN-Frauenrechtskommission in New York. Die Kommission befasst sich in diesem Jahr mit der Beschleunigung der Gleichstellung der Geschlechter und Teilhabe aller Frauen und Mädchen durch Armutsbekämpfung sowie durch die geschlechtergerechte Stärkung von Institutionen und Finanzpolitik.

Kreutz weiter: „Unsere Strategie für die Zukunft muss sowohl die Symptome als auch die Ursachen von Diskriminierung angehen. Wir müssen daher den Fortschritt der Geschlechtergleichstellung beschleunigen und gleichzeitig sozioökonomische Chancengleichheit fördern. Denn Rechtsextremismus nährt sich oft aus sozialen Ungleichheiten und verfestigten Vorurteilen.  Mehr wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Teilhabe von Frauen bedeuten nicht nur ein nachhaltiges Wachstum unserer Volkswirtschaft, sondern sind auch ein strategischer Schritt, um extremistischen Ideologien den Nährboden zu entziehen. Durch die Stärkung unserer Institutionen und die Ausrichtung unserer Finanzpolitik auf Geschlechtergerechtigkeit schaffen wir eine Gesellschaft, die weniger anfällig für die Spaltung durch extremistische Kräfte ist und in der jede Frau und jedes Mädchen die Chance hat, frei von Armut und Diskriminierung zu leben.“

Barrieren niederreißen
In Deutschland sind Frauen in allen Altersgruppen stärker armutsgefährdet als Männer. „Armut ist mehr als nur das Fehlen finanzieller Mittel. Sie ist eine Barriere, die Frauen von der vollen Entfaltung ihres Potenzials abhält. Diese Barriere muss niedergerissen werden – auch in Deutschland. Hierzulande stellt vor allem Altersarmut ein großes Problem für Frauen dar“, erklärt Kreutz. So waren 2021 ein Fünftel der Frauen über 65 armutsgefährdet, soweit sie ausschließlich von ihrer Rente leben. „Altersarmut ist das stille Echo einer Gesellschaft, die vergessen hat, die Brücken zu stärken, die ihren Ältesten ein würdevolles Leben im Alter ermöglichen. Und es sind überwiegend Frauen, die im Alter nicht über die Runden kommen.“ Die Wurzeln dieser geschlechtsspezifischen Rentenungleichheit verankern sich tief in den Arbeitsbiografien von Frauen, die oft ab dem 30. Lebensjahr, wenn nicht gar früher, aufgrund familiärer Pflichten in schlechter bezahlte Jobs oder Teilzeitarbeit gedrängt werden. Diese systembedingte Diskrepanz manifestiert sich dann in niedrigeren Rentenansprüchen. „Es ist höchste Zeit, dass politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger diese Missstände an der Wurzel packen“, macht Kreutz deutlich. „Die Förderung der beruflichen Teilhabe von Frauen, ihre Präsenz in Leitungspositionen und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf – für alle Geschlechter – ist essenziell. Nur durch eine gerechte Aufteilung von Care-Arbeit können wir dieses strukturelle Problem grundlegend angehen.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/jeden-tag-fuer-die-rechte-und-wuerde-aller-frauen-kaempfen.html


07.03.2024

Gleichstellungsindex 2023 - Tempo für Gleichstellung erhöhen

Die dbb frauen begrüßen die jüngsten Fortschritte bei der Besetzung von Führungspositionen in den obersten Bundesbehörden, sehen aber noch Nachholbedarf.

Zum Stichtag 30. Juni 2023 waren 43 Prozent der Führungspositionen in den obersten Bundesbehörden mit Frauen besetzt. Das bedeutet einen Anstieg um zwei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. "Diese Entwicklung ist ein Schritt in die richtige Richtung, zeigt aber auch, dass wir das Tempo erhöhen müssen, um unser Ziel der gleichberechtigten Teilhabe bis Ende 2025 zu erreichen", kommentiert Michaela Neersen, stellvertretende Vorsitzende der dbb frauen, die Veröffentlichung des Gleichstellungsindex 2023 am 7. März 2024. „Die Ampelkoalition will in diesem Jahrzehnt die Gleichstellung erreichen. Langsam nähern wir uns dem Mittelpunkt dieser Dekade, die Gleichstellung in den Bundesbehörden hinkt aber noch weit hinterher.“

Obwohl der Frauenanteil an Führungspositionen in den obersten Bundesbehörden und im nachgeordneten Bereich positive Entwicklungen zeige, mahnt die stellvertretende Vorsitzende, dass die Gesamtzahl der in Teilzeit arbeitenden Führungskräfte weiterhin ausbaufähig sei. „Es ist essentiell, dass wir Strukturen schaffen, die es allen ermöglichen, Führungsverantwortung zu übernehmen, unabhängig vom Umfang der Arbeitszeit. Teilzeit darf kein Karrierekiller sein." Die dbb frauen haben hierzu gemeinsam mit dem BMFSFJ das Modellprojekt „Führen in Teilzeit“ ins Leben gerufen. Das Projekt adressiert die zentrale Herausforderung bei der Förderung von Frauen in Führungspositionen, nämlich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Führen in Teilzeit ermöglicht sowohl Frauen als auch Männern in besonderen Lebensphasen, wie zum Beispiel in der ‚Rush Hour‘ des Lebens rund um die Zeit der Familienplanung, flexibel zu bleiben, und sowohl die beruflichen als auch die familiären Verpflichtungen erfüllen zu können. Das ist ein wesentlicher Baustein zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt.“

Darüber hinaus setzen sich die dbb frauen weiterhin für eine zügige Umsetzung der Maßnahmen ein, um die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Führungspositionen in der gesamten Bundesverwaltung zu gewährleisten. „Gemischte Teams sind die besten Teams. Ein hoher Frauenanteil in der Führung motiviert andere Frauen, sich mehr zuzutrauen und selbst Führung zu übernehmen. Ein geringer Frauenanteil wirkt dagegen als Hemmnis.“ Es gelte, die verschiedenen Barrieren für Frauen in Führungspositionen abzubauen. Dazu gehören die ungleiche Verteilung der Care-Arbeit, veraltete Rollen- und Aufgabenvorstellungen am Arbeitsplatz und eine unflexible Aufteilung der Arbeitszeit. „Unser Ziel ist klar“, betont Neersen, „Eine Bundesverwaltung, die dem gesamten öffentlichen Dienst mit gutem Beispiel vorangeht und zeigt, dass Fürsorgeverantwortung keine Rolle beim beruflichen Fortkommen spielt."

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/tempo-fuer-gleichstellung-erhoehen.html

06.03.2024

Equal Pay Day - dbb frauen: Mehr Frauensolidarität

Im Schnitt verdienen Frauen immer noch weniger als Männer. Ein Unding – mehr Initiative von Politik und Gesellschaft, diese Ungleichheit zu beseitigen, ist zwingend notwendig.

„Es ist höchste Zeit für Equal Pay – und zwar auch im öffentlichen Dienst!“, betonte Milanie Kreutz, stellvertretende dbb Bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung anlässlich des Equal Pay Day am 6. März. „Der Fokus muss auf der Schaffung von Rahmenbedingungen liegen, die Führung, Aufstieg und Beurteilungen neu definieren, während Care-Arbeit gerecht verteilt wird.“ Am Tag davor hatten die dbb frauen bereits in einem digitalen Live-Gespräch mit Astrid Siemes-Knoblich, der ehemaligen Bürgermeisterin der Stadt Müllheim und erfolgreicher Equal Pay Klägerin, wichtige Impulse zu Equal Pay und Frauensolidarität im öffentlichen Dienst gesetzt. Dabei wurde deutlich, wie entscheidend die Förderung von Frauen und die Schließung des Gender Pay Gaps sind.

Die Corona-Pandemie habe allen die gravierenden Unterschiede zwischen den ‚typischen‘ Frauenberufen, beispielsweise in der Pflege oder Erziehung, und den Männerberufen bewusstgemacht: „Gerade im Care-Bereich werden die Beschäftigten per se schlechter bezahlt als in den ‚Männerberufen‘“, erklärte Kreutz. Als Schlüsselfähigkeiten für die Männerberufe werden oft „Selbständigkeit“ und „Verantwortung“ angegeben. „Dabei tragen doch diejenigen, die in der Care-Branche arbeiten und für die frühesten, entscheidenden und verletzlichsten Phasen eines Menschen zuständig sind, eine riesige Verantwortung. Auf diese Diskrepanz wollen wir am heutigen Equal Pay Day aufmerksam machen und fordern mehr Maßnahmen seitens der Politik und mehr Courage von der Gesellschaft, den Gender Pay Gap zu schließen.“

Weiterhin große Hürden für Frauen in Führungspositionen

Für Frauen sei es immer noch schwierig, in Führungsetagen vorzudringen, die überwiegend von Männern besetzt werden. Dadurch ergebe sich ein Teufelskreis: „Ein geringer Frauenanteil ist für viele Frauen ein großes Hemmnis, sich zu bewerben, wodurch auch der Frauenanteil nicht wächst. Wir müssen diesen Teufelskreis in eine selbsterfüllende Prophezeiung umkehren: Ein hoher Frauenanteil motiviert mehr Frauen, sich in die Führungsebene zu begeben. Wir glauben auch, dass Führen in Teilzeit oder Führen im Tandem dazu führt, dass mehr Frauen sich in Führungspositionen begeben.“ Die dbb frauen haben gemeinsam mit dem BMFSFJ das Projekt „Führen in Teilzeit“ gestartet. „Leider sind insbesondere bei den älteren Generationen Geschlechterstereotype immer noch stark verankert“, beklagte Kreutz. Dies schlage sich bei den Frauen dann in den für sie vorgesehenen Tätigkeiten und insbesondere in der Bezahlung nieder. „Wir erleben häufig, dass Frauen von ihren männlichen Kollegen nicht für voll genommen werden, oder, dass Frauen zwar in Führungspositionen kommen, aber sich dort nicht lange halten – oder gehalten werden.“ Hier brauche es ein dringendes Umdenken in der Gesellschaft, um mit den antiquierten und schädlichen Rollenklischees zu brechen.

Die dbb frauen haben in ihrer Arbeit zu Equal Pay festgestellt, dass Bezeichnungen wie „zielstrebig“ oder „durchsetzungsstark“ eher männlichen Teamkolleginnen zugesprochen wurden, während „kommunikativ“ und teambewusst“ eher weiblich konnotiert wurde. „Schon in der Bewertung von Stellen oder Personen liegt eine Ungleichheit vor“, erklärte Kreutz, „‚zielstrebig‘ oder ‚durchsetzungsstark‘ bedeuten übersetzt mehr Belastbarkeit und Flexibilität. Wenn ich aber in Teilzeit arbeite und an die Öffnungszeiten des Kindergartens gebunden bin, dann bin ich nicht flexibel.“ Die dbb frauen versuchen, diejenigen, die für Stellenvergaben zuständig sind, für solche Fallstricke zu sensibilisieren. „Das ist einer der Gründe, warum wir uns für gemischte Führungsteams stark machen. So hat man unterschiedliche Perspektiven bei der Beurteilung. Wir würden uns auch wünschen, dass bei der Beurteilung gleichstellungsrelevante Aspekte im Team berücksichtigt werden. Das sind für uns wichtige strukturelle Rahmenbedingungen.“

„Wir dürfen die Kompetenzen der Frauen nicht verlieren“, machte Kreutz klar. Frauen sollen nicht in die Situation kommen, dass sie sich die Verantwortung und Selbstständigkeit für eine Stelle nicht zutrauen. „Der öffentliche Dienst steht natürlich mit beiden Beinen auf der Verfassung und dem Grundgesetz. Doch in der Ausübung geht es nicht immer so gerecht zu, was es Frauen oft schwermacht. Gleichzeitig haben wir es derzeit mit einer extremen Gefahr von rechts zu tun. Daher ist es an der Zeit, dieses Paket festzuzurren und mehr Frauensolidarität zu zeigen.“

Hintergrund:
Das statistische Bundesamt hat am 18. Januar 2024 die aktuellen Zahlen zum Gender Pay Gap in Deutschland vorgelegt. Der unbereinigte Gender Pay Gap ist seit Beginn der Messung im Jahr 2006 von 23 Prozent auf 18 Prozent gesunken, wo er seit 2020 unverändert verharrt. Der bereinigte Gender Pay Gap, welcher Unterschiede in Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien berücksichtigt, beträgt 6 Prozent.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/dbb-frauen-mehr-frauensolidaritaet-1.html

01.03.2024

Gemeinsam gegen Rechtsextremismus - Resolution der dbb frauen: Demokratie stärken und Frauenrechte verteidigen

Die dbb frauen haben auf ihrer Hauptversammlung in Bonn einstimmig eine Resolution gegen Rechtsextremismus verabschiedet.

„Wir appellieren an alle, sich klar gegen Rechtsextremismus zu positionieren und ihn in all seinen Formen und Handlungen zu bekämpfen“, stellte Milanie Kreutz, stellvertretende dbb Bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung auf der Hauptversammlung der dbb frauen am 1. März 2024 klar. Die dbb frauen hatten auf ihrer zweitägigen Tagung in Bonn eine Resolution gegen die Bedrohung durch Rechtsextremismus und für die Stärkung von Frauenrechten verabschiedet. „Die dbb frauen verurteilen jegliche Formen von Rechtsextremismus, Frauen- und Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus sowie jede Ideologie, die Frauenrechte und die Gleichberechtigung der Geschlechter in Frage stellen oder Geschlechterstereotype fördern. Diese Ideologien stehen im Widerspruch zu den Grundwerten unserer demokratischen Gesellschaft“, schreibt die bundesfrauenvertretung in ihrer Resolution.  

Kreutz weiter: „Wir wollen eine Gesellschaft, in der Solidarität und Demokratie im Vordergrund stehen. Rechte Bewegungen haben kein Interesse an diesen Werten, an Frauenrechten, Gleichstellung, Gleichberechtigung und Demokratie im Allgemeinen. Im Gegenteil, in ihren Wahlprogrammen und ihrer Rhetorik finden sich Punkte, diese mühsam erkämpften Rechte wieder zunichtezumachen. Sie stehen grundsätzlich im Widerspruch zu unseren freiheitlich-demokratischen Werten.“ Die Verteidigung der Demokratie sei unmittelbar mit der Verteidigung von Frauenrechten verbunden.

„Nie wieder ist jetzt. Warten bedeutet weitere Prozentpunkte für die AfD und ihre politisch Gleichgesinnten in den deutschen und europäischen Parlamenten“, erklärte Kreutz. Mit der Europawahl, drei Landtagswahlen und zahlreichen Kommunalwahlen im Blick dürfe niemand riskieren, dass dieses Jahr die Entscheidungsmacht an Autokraten geht. Kreutz betonte: „Das ist unsere Aufgabe als Beschäftigte im öffentlichen Dienst, die Aufgabe der Zivilgesellschaft, die Aufgabe der Politikerinnen und Politiker. Es ist die Aufgabe aller.“

Mehr zum Thema: https://www.dbb-frauen.de/fileadmin/user_upload/dbb_frauen/images/2024/240301_Resolution_gegen_Rechtsextremismus.pdf

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/resolution-der-dbb-frauen-demokratie-staerken-und-frauenrechte-verteidigen.html


29.02.2024

Equal Care Day - Pflege, Beruf und Familie wieder ins Gleichgewicht bringen

Vor allem Frauen reduzieren für die Pflege von Angehörigen ihre Erwerbstätigkeit, was das Risiko für Altersarmut erhöht. Doch das ist nur die Spitze des Care-Gap-Eisbergs.

„Wir sind leider noch weit davon entfernt, dass die Vereinbarkeit zwischen Pflege, Beruf und Familie für alle möglich ist“, machte Milanie Kreutz, stellvertretende dbb Bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung zum Equal Care Day am 29. Februar 2024 deutlich. „Die angestrebte Balance ist die Ausnahme. In der Regel kippt es in Richtung Pflege, was bedeutet, dass Beruf und Familie hintenangestellt werden. Pflegende Angehörige gehen in Teilzeit oder kündigen. Dadurch haben sie deutlich weniger Rente und können weniger bis gar keine Rücklagen ansparen. Die Folge ist vielfach Altersarmut. Dadurch, dass ca. 70 Prozent der pflegenden Angehörigen Frauen sind, sind vor allem sie dem Risiko der Altersarmut ausgesetzt.“

Eine Lösung für dieses Problem stellt eine steuerfinanzierte Entgeltersatzleistung dar, so Kreutz: „Wir empfehlen ein Modell, mit dem sich pflegende Angehörige freistellen lassen können und einen finanziellen Ausgleich erhalten, auf den Pflegehaushalte rasch und unbürokratisch zugreifen können. Der „Unabhängige Beirat für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“, in dem auch der dbb Mitglied ist, hatte dem Bundesfamilienministerium bereits vor über einem Jahr ein Konzept zur Ausgestaltung von Familienpflegezeit und -geld vorgelegt. „Jetzt ist die Politik am Zug. Leider gab es noch keine Bewegung bei diesem Thema, obwohl die Lohnersatzleistungen bei Pflege im Koalitionsvertrag stehen.“

Kreutz betonte, dass sich die Pflege von Angehörigen auch nicht einfach „outsourcen“ lasse: „Die Pflegeheime in Deutschland sind schon seit Jahren überlastet und haben kaum noch Plätze. Dies wird durch einen gravierenden Fachkräftemangel in der Pflege und eine alternde Bevölkerung in den kommenden Jahren noch weiter verstärkt. Auch bei der ambulanten und häuslichen Pflege ist das Personal knapp. Wir sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem das komplette deutsche Pflegesystem auf der kostenlosen Pflege durch Angehörige aufbaut. Ohne sie würde es kollabieren.“ Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben sei ein wichtiger Schritt, aber keine nachhaltige Lösung. „Diese Fachkräfte fehlen dann wiederum in ihren eigenen Ländern, wo sie ebenfalls gebraucht werden.“ Dem Gender Care Gap werde damit auch nicht geholfen, da die große Mehrheit der angeworbenen Pflegekräfte Frauen sind.

„Die Pflege ist zwar das prominenteste Beispiel für die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit und ihre Auswirkungen, ist aber nur die Spitze des Eisbergs“, erklärte Kreutz. Laut dem zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung verrichten Frauen eineinhalb Mal so viel Familien- und Sorgearbeit wie der Mann. Bei Familien mit Kind fallen damit häufig zweieinhalb Stunden mehr Arbeit für die Frau an, als für den Mann. Mehr Kinder oder Kinder mit Behinderung sorgen für eine Steigerung dieser Diskrepanz. Alleinerziehende Eltern, von denen Mütter knapp 84 Prozent oder 2,2 Millionen ausmachen, müssen die Sorgearbeit nahezu komplett allein verrichten. Diese zweieinhalb Stunden müssen irgendwo abgezogen werden, sei es vom Beruf, von Freizeit und Hobbies, von der Weiterbildung oder vom Schlaf. „Darum gilt es, antiquierte Geschlechterrollen aufzubrechen und gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine gerechte Verteilung der Care-Arbeit fördern und nicht – wie im Fall des Ehegattensplittings – hemmen.“

Hintergrund:

Der Equal Care Day ist ein Aktionstag, um auf die gravierenden Geschlechterunterschiede bei der bezahlten und unbezahlten Care-Arbeit aufmerksam zu machen. Das Datum des 29. Februars ist bewusst gewählt: Das „unsichtbare“ Datum steht symbolisch für die meist unsichtbare Sorgearbeit. Auf der zentralen ECD-Konferenz in Bonn 2020 gehörten die dbb frauen zu dem Erstunterzeichnerinnen und -unterzeichnern des gemeinsamen Manifests. Der Equal Care Day fand zeitgleich mit der Hauptversammlung der dbb frauen in Bonn statt. Die dbb Frauen nutzten die Veranstaltung, um mit einem Vortrag und anschließender Diskussionsrunde für das Thema zu sensibilisieren.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/pflege-beruf-und-familie-wieder-ins-gleichgewicht-bringen.html

 


02.02.2024

Tag der Frauenherzgesundheit - dbb frauen fordern bessere Gesundheitsprävention

Weltweit sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen die häufigste Todesursache. Anlässlich des Tages der Frauenherzgesundheit rücken die dbb frauen das Thema in den Fokus.

„Frauenherzen schlagen anders – es ist Zeit, dass wir genau hinhören“, sagte Milanie Kreutz, Bundesvorsitzende der dbb frauen, am 2. Februar 2024, dem Tag der Frauenherzgesundheit. „Mit genau hinhören meine ich, dass wir den spezifischen Risiken und Symptomen bei Frauen mehr Aufmerksamkeit widmen. Über allem steht eine Gesundheitsversorgung, die nicht diskriminiert und auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern Rücksicht nimmt. Mehr Fokus auf die Gendermedizin als festen Bestandteil der medizinischen Ausbildung könnte die Gesundheitsversorgung von Frauen deutlich verbessern.“
Kreutz sieht zudem Nachholbedarf bei den Beihilferegelungen für Beamtinnen und Beamte: „Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen zunehmend Kosten für Präventionsmaßnahmen“, erklärte sie. „Ganz entscheidend ist, dass wir die Präventionsmaßnahmen auch in den Beihilfekatalog bekommen. Was im Sinne der Frauengesundheit ist, gehört bezuschusst. Gute Vorsorge sollte nicht vom Status abhängen.“
Nicht zuletzt nimmt die Bundesvorsitzende der dbb frauen auch die Arbeitgebenden in die Pflicht. Stress sei ebenfalls ein Aspekt, der enorme Auswirkungen auf die Gesundheit haben könne. Das gelte insbesondere für Frauen ab dem 57. Lebensjahr. Kreutz: „In einer Welt, die sich immer schneller dreht, müssen wir den Wert regelmäßiger Auszeiten anerkennen. Pausen sind ein kraftvolles Instrument für langfristige Gesundheit und Produktivität. Sie ermöglichen es, Kraft zu schöpfen und mit neuer Energie an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Wenn Arbeitgebende diese Vision leben und im betrieblichen Gesundheitsmanagements verankern, profitieren wir alle davon.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/dbb-frauen-fordern-bessere-gesundheitspraevention.html

 


18.01.2024

Gender Pay Gap - Gleichstellung am Arbeitsmarkt: Arbeitgebende müssen dringend handeln

Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Frauen im Jahr 2023 in Deutschland durchschnittlich 18 Prozent weniger verdienten als Männer. Diese Lücke gehört geschlossen.

Michaela Neersen, stellvertretende Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung kritisiert den anhaltenden Lohnunterschied: „Trotz des Fortschritts in vielen Bereichen der Gleichstellung bleibt der unbereinigte Gender Pay Gap unverändert. Politik und Arbeitgebende müssen jetzt dringend handeln, wenn wir echte Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt erreichen wollen. Das erfordert konkrete Maßnahmen, um Berufe, in denen vorwiegend Frauen tätig sind, aufzuwerten und Frauen den Zugang zu höher bezahlten Positionen zu erleichtern.“ Ein wesentlicher Teil der Verdienstlücke sei darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Branchen, Berufen und Anforderungsniveaus arbeiten und häufiger in Teilzeit oder geringfügiger beschäftigt seien, erklärt Neersen. „Die dbb frauen setzen sich schon lange für mehr Frauen in Führungspositionen ein. Der öffentliche Dienst soll dabei ein Vorbild für die Privatwirtschaft sein.“ Erst einen Tag zuvor hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Zahlen veröffentlicht, wonach die Vorstände der 200 umsatzstärksten Unternehmen nur zu rund 18 Prozent von Frauen besetzt waren.

Im öffentlichen Dienst wie in der Privatwirtschaft spielten Tarifverträge eine wichtige Rolle bei der Förderung von Gerechtigkeit und Transparenz in der Bezahlung, macht Neersen deutlich. „Doch auch sie stoßen an ihre Grenzen, wenn es um die tieferliegende Frage der Gleichwertigkeit von Arbeit geht. Sie standardisieren zwar Gehälter und Arbeitsbedingungen, können aber die historisch gewachsenen Wertvorstellungen über 'Frauenberufe' und 'Männerberufe' nicht alleine überwinden. Es bedarf eines umfassenden kulturellen Wandels, um die tief sitzenden Vorurteile und Strukturen, die zu Ungleichheiten führen, zu beseitigen.“ Die dbb frauen betonen die Notwendigkeit, Berufe im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen aufzuwerten, um eine echte Gleichwertigkeit der Arbeit von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst zu erreichen. Neersen betont: „Eine Erzieherin, die tagtäglich die Verantwortung für die soziale und kognitive Entwicklung sowie das Wohlergehen von Kindern übernimmt, verdient oft weniger als viele andere Berufe im öffentlichen Dienst mit geringerer sozialer Verantwortung. Diese Diskrepanz in der Bezahlung zeigt, dass es noch viel zu tun gibt, um die monetäre Anerkennung dieser essenziellen Berufe an ihre gesellschaftliche Bedeutung anzupassen.“

Deutlicher Unterschied zwischen Ost und West

In Ostdeutschland ist der Gender Pay Gap mit 7 Prozent deutlich geringer als in Westdeutschland (19 Prozent). „Frauen haben in Ostdeutschland seit Jahrzehnten eine stärkere Präsenz in der Arbeitswelt als in Westdeutschland“, erklärt Neersen. „Ostdeutsche Frauen arbeiten deutlich seltener in Teilzeit: nur etwa 33 Prozent gegenüber rund 48 Prozent in Westdeutschland. Die geringere Lohnlücke in Ostdeutschland verdeutlicht, dass gleichberechtigte Arbeitsmarktintegration der wesentliche Faktor für die Verringerung der Einkommensunterschiede ist“, betont Neersen. Destatis hatte zwei Tage zuvor Zahlen zu den Geschlechterunterschieden bei Voll- und Teilzeit veröffentlicht. Demnach gaben 29 Prozent der in Teilzeit arbeitenden Frauen die Betreuung von Angehörigen als Grund für die Reduzierung der Arbeitszeit an. „Es ist unabdingbar, dass wir in unserer modernen Arbeitswelt die Türen für gleiche Karrierechancen sowohl für Teilzeit- als auch Vollzeitbeschäftigte weit öffnen“, hatte sich Neersen am 16. Januar zu den Zahlen geäußert. „Dies erfordert einen Wandel weg von der Präsenzkultur hin zu einer ergebnisorientierten Kultur.“

Hintergrund
Das Statistische Bundesamt hat am 18. Januar 2024 die aktuellen Zahlen zum Gender Pay Gap in Deutschland vorgelegt. Der unbereinigte Gender Pay Gap ist seit Beginn der Messung im Jahr 2006 von 23 Prozent auf 18 Prozent gesunken, wo er seit 2020 unverändert verharrt. Der bereinigte Gender Pay Gap, welcher Unterschiede in Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien berücksichtigt, beträgt 6 Prozent.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/gleichstellung-am-arbeitsmarkt-arbeitgebende-muessen-dringend-handeln.html


16.01.2024

Teilzeitarbeit - Ergebnisse statt Präsenzkultur: dbb frauen für neue Ära der Leistungsbeurteilung

Rund 24 Prozent der Teilzeitbeschäftigten haben laut Destatis ihre Arbeitszeit reduziert, um Angehörige zu betreuen - Frauen mit 29 Prozent wesentlich öfter als Männer (7 Prozent).

„Es ist unabdingbar, dass wir in unserer modernen Arbeitswelt die Türen für gleiche Karrierechancen sowohl für Teilzeit- als auch Vollzeitbeschäftigte weit öffnen“, machte Michaela Neersen, stellvertretende Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, am 16. Januar 2024 deutlich. „Dies erfordert einen Wandel weg von der Präsenzkultur hin zu einer ergebnisorientierten Kultur. Besonders im öffentlichen Dienst sollten wir ein Vorbild sein und zeigen, dass beruflicher Fortschritt und Erfolg nicht nur von der Arbeitszeit, sondern maßgeblich von Engagement und Leistung abhängen.“ Die dbb frauen setzen sich für gleiche berufliche Entwicklungschancen für Teil- und Vollzeitbeschäftigte ein. „Wir müssen Rahmenbedingungen in den Dienststellen und Behörden fördern, die Frauen und Männern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen, so beispielsweise digitale Arbeitsformen wie mobile Arbeit und flexible Arbeitszeitmodelle“, plädierte Neersen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes spiegeln nicht nur eine gesellschaftliche Realität wider, „sondern auch eine herausfordernde Dynamik im Berufsleben, die wir anerkennen und unterstützen müssen“, so Neersen. 

Dennoch bringe die Teilzeitarbeit finanzielle Schwierigkeiten im Alter mit sich, erklärte Neersen: „Frauen, die viel in Teilzeit arbeiten, haben einen geringeren Erwerbszeitraum und dadurch einen geringeren Rentenanspruch.“ Die Altersarmut unter Frauen, insbesondere Alleinerziehenden und geschiedenen Frauen, sei ein stilles, aber wachsendes Problem. „Leider ist diese Entwicklung eine direkte Folge von Teilzeitarbeit und Karrieren, die aufgrund von Lebensphasen und Angehörigenbetreuung unterbrochen wurden. Das dürfen wir nicht länger ignorieren." Zur Lösung dieses Problems seien auch die Männer gefragt: „Frauen leisten im Schnitt 1,5 Stunden mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer - das ist der sogenannte ‘Gender Care Gap’. Indem Männer mehr Verantwortung in der Betreuung übernehmen, können wir diesen Druck von den Schultern der Frauen nehmen. Das hätte nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeitsverteilung, sondern auch langfristige positive Effekte auf die Altersvorsorge von Frauen”, erläuterte Neersen.

Führen in Teilzeit

Neersen weiter: „Führen in Teilzeit, sei es durch Jobsharing, Topsharing oder andere flexible Modelle, ist kein vages Zukunftsszenario mehr, sondern eine Notwendigkeit der Gegenwart. Wir müssen diese innovativen Arbeitsmodelle aktiv fördern, um zu zeigen, dass Verantwortung und Führungsrollen nicht an traditionelle Vollzeitstrukturen gebunden sind. Durch diese Flexibilität eröffnen wir nicht nur neue Karrierewege, sondern stärken auch die Diversität und Kreativität in Führungspositionen.“ Die dbb frauen haben gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Modellprojekt „Führen in Teilzeit“ gestartet. Jetzt seien die Arbeitgebenden am Zug. „Arbeitgebende müssen die traditionellen Beurteilungssysteme im öffentlichen Dienst überdenken. „Eine gerechte und faire Bewertung im Arbeitsumfeld kann nur durch ein geschlechtergerechtes Beurteilungssystem erreicht werden. Es ist höchste Zeit, dass wir die Leistungen von Frauen und Männern gleichermaßen würdigen, ohne durch traditionelle Arbeitszeitmodelle oder Rollenstereotype beeinträchtigt zu werden. Eine moderne und gerechte Beurteilung muss die Vielfalt der Erwerbsbiografien und die unterschiedlichen Formen beruflicher Leistung anerkennen.“

Hintergrund
Das Statistische Bundesamt hat am 16. Januar 2024 Zahlen zur Teilzeitarbeit in Deutschland veröffentlicht. Demnach arbeiteten im Jahr 2022 24 Prozent der Teilzeitbeschäftigten in reduziertem Umfang, um Kinder, Menschen mit Behinderungen oder pflegebedürftige Personen zu betreuen. Die Übernahme der Betreuung geschah in ca. zwei Drittel der Fälle auf eigenen Wunsch.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/ergebnisse-statt-praesenzkultur-dbb-frauen-fuer-neue-aera-der-leistungsbeurteilung.html


04.12.2023

Tag des Ehrenamts - Im Ehrenamt tickt die Uhr der Gleichstellung

 

Etwa die Hälfte der ehrenamtlich tätigen Menschen sind Frauen. Dennoch haben sie weniger Möglichkeiten bei der Mitbestimmung. Das muss sich jetzt ändern – jede Minute zählt.

„Es ist unbestreitbar, dass Frauen in vielen Bereichen unseres Lebens immer noch unterrepräsentiert sind. Das gilt auch für das Ehrenamt“, machte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung am 4. Dezember 2023 deutlich. „Frauen übernehmen hier häufiger unterstützende und ausführende Aufgaben, während Männer leitende Positionen einnehmen. Frauen stoßen oft auf unsichtbare Barrieren, die es ihnen erschweren, in höhere Positionen aufzusteigen oder Führungsrollen zu übernehmen.“ Ebenso sei die Sichtbarkeit und Anerkennung bei Frauen im Ehrenamt oft geringer als die der männlichen Kollegen. „Der Tag des Ehrenamts am 5. Dezember ist eine passende Gelegenheit, um auf diese Ungleichheit aufmerksam zu machen.“

Kreutz weiter: „Denn auch im Ehrenamt tickt die Uhr der Gleichstellung - und jede Minute zählt. Wir rufen Gewerkschaften, Parteien, Vereine und Organisationen dazu auf, flexibler in Bezug auf die Herausforderungen der Gleichstellung zu werden, damit Frauen sich in jedem Lebensbereich gleichberechtigt engagieren können“, sagte Kreutz. Eine bedeutende Hürde für Frauen im ehrenamtlichen Engagement liege in der Balance zwischen Familie, Beruf und Ehrenamt. „Frauen sind oft stärker als Männer in unbezahlter Sorgearbeit involviert“, erklärte Kreutz. „Das erschwert es, Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten zu finden. Organisationen sollten daher nicht nur zeitliche Flexibilität bieten, sondern auch die Strukturen und die Machtverteilung überdenken. Hybride Treffen, alternative Formen des Engagements und projektbezogene oder zeitlich begrenzte Tätigkeiten können hierzu beitragen.“

Der Beamtenbund befindet sich aktuell in den Verhandlungen mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder. Auch in der gewerkschaftlichen Arbeit mache sich der niedrige Frauenanteil bemerkbar, so Kreutz: „Die Beteiligung von Frauen in Gewerkschaften immer noch geringer als die von Männern. Nehmen wir den dbb selbst als Beispiel: Der Frauenanteil im öffentlichen Dienst liegt bei 58 Prozent, der Frauenanteil bei unseren Gewerkschaftsmitgliedern liegt dagegen bei grade mal einem Drittel. Noch geringer wird der Frauenanteil, wenn wir in die Führungspositionen schauen, also auf den Vorsitz der Mitgliedsgewerkschaften und der Landesbünde.“ Das bedeute, dass Frauen sich in arbeits- oder tarifpolitische Entscheidungen nur wenig oder gar nicht einbringen können, wodurch sie es schwerer haben, ihre Arbeits- und Lebenssituation zu verbessern.

Das alles sei eine Problematik, die nicht erst seit gestern bekannt ist. „Es ist wichtig, Frauen gezielt zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Fähigkeiten und Potenziale zu entfalten (z.B. durch Workshops oder Mentoring-Programme)“, forderte Kreutz. Ziel müsse sein, die Stärkung und Motivation von Frauen für das Ehrenamt in allen Lebensbereichen voranzubringen. „In der Welt des Ehrenamts können insbesondere Frauen Architektinnen des Wandels sein. Wenn wir ihnen gleiche Chancen für Teilnahme an ehrenamtlichen Tätigkeiten sowie den Aufstieg in Führungsrollen geben, werden wir sehen, wie sie die Brücken zu einer besseren und nachhaltigeren Gesellschaft errichten.“ Es müsse auch endlich eine rentenrechtliche Anerkennung für ehrenamtliches Engagement geben, um sicherzustellen, dass Frauen für ihre Arbeit im Ehrenamt auch im Alter abgesichert sind. Immerhin sind es besonders die Frauen, ehrenamtliche und unbezahlte Pflegetätigkeiten übernehmen. Gleichzeitig leben solche Frauen viel häufiger in Altersarmut als Männer, weil sie Zeit ihres Lebens weniger Altersvorsorge betreiben konnten. „Wir als dbb fordern daher von der Politik schon seit Jahren bessere Rahmenbedingungen. Bessere zeitliche Verhältnisse. Bessere finanzielle Ressourcen. Damit das Ehrenamt von morgen sicher ist.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/im-ehrenamt-tickt-die-uhr-der-gleichstellung.html

 


23.11.2023

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen - „Eine Gesellschaft, die Frauen schützt, schützt die Grundfeste ihrer Menschlichkeit“

Schluss mit der Gewalt an Frauen – es braucht endlich eine umfassende Strategie, fordern die dbb frauen.

„Am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen erheben wir gemeinsam unsere Stimmen, um ein Ende der Gewalt zu fordern. Eine Gesellschaft, die Frauen schützt, schützt die Grundfeste ihres eigenen Fortschritts und ihrer Menschlichkeit“, macht Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb  bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende anlässlich des Gedenktags deutlich. „Als gewerkschaftliche Frauenvertretung setzen wir uns vor allem für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt ein. Heute erinnern wir uns daran, dass Gleichstellung erst dann erfolgen kann, wenn Frauen überall und in allen Lebensbereichen vor Gewalt geschützt sind. Gemeinsam setzen wir uns für eine Welt ein, in der Frauen ohne Angst vor Gewalt leben können.“


Jede dritte Frau in Deutschland ist von sexueller und/oder körperlicher Gewalt betroffen. Ein Viertel aller Frauen erlebt körperliche und/oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft. Zwei von drei Frauen haben schon sexuelle Belästigung erlebt. Obwohl die Istanbul-Konvention in Deutschland seit dem 1. Februar 2023 uneingeschränkt gilt, kritisieren Expertinnen, dass es immer noch erhebliche Lücken in der effektiven Umsetzung gibt. „Eine langfristige, umfassende Strategie gegen Gewalt an Frauen sowie eine nationale Koordinierungsstelle fehlen beispielsweise nach wie vor“, erklärt Kreutz. „Als öffentlicher Dienst müssen wir uns hier aktiv einbringen, denn wir sind es, die Gesetze und Richtlinien für den Schutz von Frauen umsetzen. Wir sind die erste institutionelle Anlaufstelle von Betroffenen und müssen als Vorbild agieren. 

Prävention sei essenziell, um Gewalt am Arbeitsplatz entgegenzuwirken. Kreutz weiter: „Grundsätzlich sollten Beschäftigte darauf achten, Verhaltensänderungen oder Anzeichen von Gewalt bei ihren Teammitgliedern zu erkennen. Frühzeitige Interventionen können helfen, weitere Eskalationen zu verhindern und den Betroffenen Unterstützung anzubieten.“ Auch Führungskräfte seien bei dieser Aufgabe gefragt: „Führungskräfte können eine Kultur fördern, in der Mitarbeiterinnen sich sicher fühlen, über etwaige Probleme oder Bedenken im Zusammenhang mit Gewalt offen zu sprechen. Eine offene und vorurteilsfreie Kommunikation ist entscheidend, um Opfern den Raum zu geben, ihre Erfahrungen zu teilen.“


Neue Broschüre zur Fachtagung „Hinsehen, Einschreiten, Vorbeugen - Null Toleranz bei sexueller Belästigung, Gewalt und Mobbing“

Gewalt, sexuelle Belästigung und Mobbing waren ebenfalls Thema der frauenpolitischen Fachtagung der dbb frauen am 14. Juni 2023. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und den dbb Gewerkschaften wurden das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Dienst ergründet sowie Maßnahmen und Konzepte beleuchtet, Bedrohungen und Übergriffe am Arbeitsplatz zu reduzieren oder zu verhindern. Jetzt ist die Broschüre zur Veranstaltung erschienen. Sie enthält alle Vorträge der Referentinnen und Referenten, wichtige Impulse aus der großen Diskussionsrunde und Impressionen von der Veranstaltung. Fachlich bietet die Broschüre profunde Einblicke in den aktuellen Forschungsstand, in die Situationen vor Ort und zeigt vielfältige Lösungsansätze und wertvolle Erkenntnisse auf.

Hintergrund:
Am 25. November 1960 wurden in der Dominikanischen Republik die drei Mirabal-Schwestern vom Regime ermordet, weil sie sich gegen die Militärdiktatur aufgelehnt hatten. In ihrem Gedenken riefen Feministinnen aus Lateinamerika und der Karibik 1981 den Tag zum Gedenktag aus. Seitdem organisieren Menschenrechtsorganisationen auf der ganzen Welt am 25. November Veranstaltungen, bei denen sie auf das Problem der Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen. 1999 wurde der Gedenktag offiziell von den Vereinten Nationen aufgegriffen.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/eine-gesellschaft-die-frauen-schuetzt-schuetzt-die-grundfeste-ihrer-menschlichkeit.html

 


17.11.2023

Gleichstellung - Elterngeld: Gleichstellung ist nicht Verhandlungssache!

 

Ministerin Paus will die Einkommensgrenze schrittweise absenken statt in einem Zug. Mit 175.000 Euro ist die Grenze aber weiterhin ein Rückschritt für beschäftigte Frauen.
Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, machte am 17. November 2023 deutlich: „Die langfristige und schrittweise Absenkung der Einkommensgrenze beim Elterngeld bietet in der aktuellen Situation eine gewisse Planungssicherheit, insbesondere angesichts der Überraschung, die viele bereits schwangere Frauen durch die neue Regelung erfahren haben. Aber auch wenn die Einkommensgrenze beim Elterngeld in Etappen sinkt, bleibt die Gleichstellung auf der Strecke. In einer Zeit, in der wir Fortschritte für Frauen in der Arbeitswelt feiern sollten, sind schrittweise Rückzüge keine Option. Die Gleichstellung von Frauen und Männern und alle politischen Maßnahmen, die ihr dienen, dürfen nicht dem Rotstift zum Opfer fallen."

Stattdessen sollte die Politik überdenken, wo die Prioritäten liegen. „Statt an den Grundpfeilern der Familienförderung zu sägen, könnte eine kritische Überprüfung des Ehegattensplittings, das die Regierung jährlich 20 Milliarden Euro kostet, eine sinnvollere Einsparung darstellen. Lasst uns nicht an der Gleichstellung sparen, sondern an überholten Systemen, die nicht mehr zeitgemäß sind."

Das Elterngeld wurde seit seiner Einführung im Jahr 2007 nicht an Inflation und steigende Lebenshaltungskosten angepasst. „Statt Kürzungen brauchen wir eine zeitgemäße Reform“, erklärte Milanie Kreutz. „Die finanzielle Unterstützung für Eltern sollte mit den realen Bedürfnissen wachsen, nicht in einem Vakuum verharren. In diesem Kontext arbeiten die dbb frauen zurzeit aktiv an einem zukunftsweisenden Konzept für eine Elterngeldreform. Es ist an der Zeit, die Bedürfnisse von Familien ernst zu nehmen und das Elterngeld an die Herausforderungen der Gegenwart anzupassen."

Positiv werteten die dbb frauen die Einschränkung, dass Paare künftig nur noch maximal einen Partnermonat zur selben Zeit nehmen können. Kreutz weiter: „Das Elterngeld ist eine staatliche Leistung, die eingeführt wurde, um junge Familien zu entlasten und eine gleichberechtigte elterliche Sorge zu ermöglichen. Nur wenige Väter übernehmen jedoch die alleinige Sorge-Verantwortung, während Mütter etwa den schwierigen Wiedereinstieg in ihren Beruf starten. Aber Elterngeld ist kein Urlaubsgeld. Wir müssen sicherstellen, dass diese Monate für mehr dienen als lange Urlaube oder Renovierungsprojekte zuhause – sie sollen das Fundament für eine gleichberechtigte Elternschaft legen.“

Hintergrund:
Der neue Plan zum Elterngeld sieht vor, die obere Einkommensgrenze schrittweise abzusenken: Bis Ende März 2024 soll die Grenze bei 300.000 Euro Jahreseinkommen bleiben. Bis Ende 2024 soll sie dann auf 200.000 Euro sinken. Ab April 2025 soll eine neue Obergrenze von 175.000 Euro gelten. Der ursprüngliche Plan von Juli 2023 sah vor, die Obergrenze direkt auf 150.000 abzusenken.

 

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/elterngeld-gleichstellung-ist-nicht-verhandlungssache.html


15.09.2023

Internationaler Tag der Demokratie - Starke Demokratie braucht starke Frauen

 

Die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist weiblich, aber nur ein Drittel der Abgeordneten im Bundestag. Wie können Parteien die Beteiligung von Frauen an der Demokratie steigern?

„Es kann nicht sein, dass Frauen immer noch weniger Möglichkeiten als ihre männlichen Parteikollegen haben, den Bund, die Länder oder die Kommunen mitzugestalten,“ sagt Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, anlässlich des Internationalen Tags der Demokratie am 15. September. „Demokratie heißt, dass alle die Möglichkeit der politischen Mitgestaltung haben. Wenn aber die Hälfte der Bevölkerung bei der Mitgestaltung auf den entscheidenden Ebenen unterrepräsentiert ist, ist das kein tragbarer Zustand. Eine starke Demokratie braucht starke Frauen.“

„Von der Nominierung bis zur tatsächlichen Ausübung eines politischen Mandates sind die Rahmenbedingung für Frauen und alle, die Carearbeit leisten, extrem schwierig“, erklärt Kreutz. „Die festgefahrene, männlich geprägte politische Kultur erschwert die politische Partizipation von Frauen. Wir brauchen von allen Parteien Maßnahmen, die die politische Arbeit für Frauen attraktiver gestalten.“ Einige Parteien haben bereits eine Willkommens- und Förderkultur für Frauen aufgebaut – teils mit großem Erfolg. Für die Zukunft fordert Kreutz aber mehr Engagement, insbesondere von den männlichen Parteikollegen: „Um die Veränderungen in den Parteikulturen zu bewirken, müssen auch die Männer am selben Strang ziehen. Das wird nicht einfach, da Männer vom Status quo profitieren.“

Kreutz sieht verschiedene Steuergrößen: „Mentoring-Angebote müssen ausgebaut und bekannter gemacht werden. Partien sollen die Möglichkeit bieten, sich nach Schwangerschaft, Mutterschutz oder Elternzeit schnell wieder eingliedern zu können. Digitale Formate ermöglichen Frauen, sich auch in Phasen der sogenannten „Rush Hour des Lebens“ politisch zu beteiligen. Für die Parität brauchen wir gesetzliche Regelungen, um die Lücke zwischen Demografie und Repräsentation zu überwinden.“

Hintergrund

Der Internationale Tag der Demokratie wurde von den Vereinten Nationen 2007 ins Leben gerufen und findet jedes Jahr am 15. September statt. Er soll auf die Funktionen der Demokratie und ihre Herausforderungen aufmerksam machen und für mehr politische Partizipation werben.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/starke-demokratie-braucht-starke-frauen.html

 

14.09.2023

Väterreport - Gleichberechtigung beginnt in den eigenen vier Wänden

Das Familienministerium hat den neuen Väterreport veröffentlicht. Für die dbb bundesfrauenvertretung ergibt sich ein gemischtes Bild.
Milanie Kreutz, stellvertretende dbb bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb frauen zieht Bilanz: „Die gute Nachricht ist: Der Väterreport der Bundesregierung zeigt, dass sich zunehmend viele Väter eine partnerschaftlich organisierte Aufgabenteilung wünschen. Leider zeigt er auch, dass Anspruch und Wirklichkeit hier viel zu oft auseinanderliegen.“ Im Report gibt jeder zweite Vater an, die Hälfte der Betreuungsaufgaben übernehmen zu wollen. Tatsächlich tun dies aber lediglich 21 Prozent. „Solange Männer aber nicht gleichermaßen an unbezahlter Sorgearbeit zuhause beteiligt sind, können Frauen nicht in gleichem Maße wie Männer Karriere machen.“

Kreutz weiter: „Die gleiche Beteiligung von Vätern an unbezahlter Sorgearbeit wird erst dann zur Realität, wenn Politik und Arbeitgebende entsprechende Weichen stellen. Die Familienstartzeit ist dahingehend ein Schritt in die richtige Richtung, aber die Streichung des Elterngeldes für zahlreiche Familien wiederum ist ein Schritt rückwärts.“ Das Elterngeld sei eine zentrale Gleichstellungsmaßnahme, da es für die Väter mehr Anreize bietet, in Elternzeit zu gehen. Die Gender-Care-Gap lasse sich aber nicht einfach mit mehr Geld überbrücken: „Wir brauchen mehr Work-Life-Balance, bessere Rahmenbedingungen für flexible Arbeitsmodelle und eine ergebnisorientierte, empathische Führungskultur in Dienststellen und Unternehmen“, fordert Kreutz.

„Obwohl das Zeitalter der Doppelverdiener längst Realität ist, scheint die Rolle von Vätern in der Sorgearbeit oft noch im Schatten zu stehen“, erklärt Kreutz. Der Väterreport zeigt eine Diskrepanz zwischen den Wertvorstellungen und dem tatsächlichen verhalten der Väter: zwei Drittel befürworten gleiche berufliche Chancen, mehr als die Hälfte hält bei der zeitlichen Einteilung der Kinderbetreuung aber am traditionellen Familienbild fest. „In einer gleichberechtigten Gesellschaft sollten Frauen und Männer nicht nur Familienträume teilen, sondern auch die Sorgearbeit. Gleichberechtigung beginnt nämlich in den eigenen vier Wänden."

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/gleichberechtigung-beginnt-in-den-eigenen-vier-waenden.html


28.08.2023

Frauen im dbb - Das Magazin von Frauen für Frauen

Aktuelle Nachrichten aus der dbb Bundesfrauenvertretung finden Sie hier: https://www.dbb-frauen.de/frauen-im-dbb.html


13.07.2023

Ehegattensplitting - Gleichstellung gibt es nicht umsonst

Die dbb bundesfrauenvertretung kritisiert die Pläne der Regierung, die Einkommensobergrenze beim Elterngeld zu halbieren und fordert stattdessen eine Reform des Ehegattensplittings.

„Warum muss der Rotstift bei Verhandlungen über den Haushalt immer zum Nachteil der Frauen angesetzt werden?“, fragt Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung. „Wenn Gleichstellung das Ziel ist – und laut Artikel 3 unseres Grundgesetzes ist ihre tatsächliche Durchsetzung erklärtes staatliches Ziel – dann ist es unsere Pflicht, die Sparvorgaben des Bundesfinanzministeriums zielgerichtet und geschlechtergerecht umsetzen. Wir verstehen das Argument, dass die Bewältigung der erlebten Krisen Sparmaßnahmen erforderlich macht. Aber Gleichstellung gibt es nun Mal nicht umsonst. Deshalb ist beispielsweise die Reform des Ehegattensplittings ein zentrales Element.“

 

Die Halbierung der Einkommensobergrenze beim Elterngeld sei ein deutlicher Rückschritt für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Jeder Verlust von Errungenschaften in der Gleichstellung der Geschlechter erfordere eine umso größere Anstrengung, um erneute Schritte nach vorne zu gehen. Stattdessen fordert Kreutz eine Reform des Ehegattensplittings – eine längst überfällige Maßnahme: „Es ist an der Zeit, die finanzielle Bevorteilung von Ehen mit ungleichen Einkommensverhältnissen zu beenden und stattdessen gleiche Chancen und Freiheiten für alle zu schaffen. Das Ehegattensplitting perpetuiert antiquierte Rollenbilder und belohnt die finanzielle Abhängigkeit von Frauen.“


Splitting verstärk Ungleichheit

Die Splittingvorteile kosten den Staat jährlich circa 20 Milliarden Euro. Hiervon kommen nur 7,9 Prozent im Osten Deutschlands an, obwohl der Anteil des Ostens am Steueraufkommen 9,5 Prozent beträgt. Insofern wird hier prozentual mehr eingezahlt als der Anteil am Ehegattensplitting ausmacht – zum finanziellen Vorteil Westdeutschlands, wo nicht nur die Gehälter, sondern auch die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern im Durchschnitt größer sind.

 

Kreutz: „Das Splitting ist wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten, das uns immer wieder daran erinnert, dass die ungleiche Verteilung von unbezahlter Sorgearbeit strukturell begünstigt wird. Es ist an der Zeit, dieses Relikt zu begraben und Platz für eine moderne und geschlechtergerechte Politik zu schaffen, die gleiche Chancen und Unterstützung für alle Familienformen bietet und Kinder in den Vordergrund stellt.“


Hintergrund:

Statt der bisherigen Grenze von 300.000 Euro soll der Anspruch auf Elterngeld nun nur noch für Eltern mit einem Jahreseinkommen von bis zu 150.000 Euro gelten. Bereits seit seiner Einführung im Jahr 2007 beträgt die Höchstgrenze für das Elterngeld 1800 Euro. Die dbb bundesfrauenvertretung fordert seit Langem die Erhöhung dieses Betrags. Beim Ehegattensplitting wir das zu versteuernde Einkommen der Ehegatten zusammengerechnet und halbiert (gesplittet). Die Einkommenssteuer wird dann auf diesen Wert angewandt. Je weiter die Einkommen der Ehegatten auseinanderliegen, desto höher ist die Steuerersparnis. Die dbb bundesfrauenvertretung kritisiert, dass sich dies negativ auf das Erwerbsverhalten der Zweitverdienenden - in der Regel Frauen – auswirkt.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/gleichstellung-gibt-es-nicht-umsonst.html

 


04.07.2023

Sparhaushalt 2024 - Einschnitte im Elterngeld wären deutlicher Rückschritt

 

Bundesfamilienministerin Lisa Paus schlägt vor, die Einkommensgrenze für das Elterngeld zu halbieren. Das ist vor allem für Frauen ein herber Rückschlag.
Die stellvertretende Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, Michaela Neersen, äußert sich kritisch zur geplanten Absenkung der Einkommensgrenze für den Bezug von Elterngeld und betont die negativen Auswirkungen auf die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt: „Für viele berufstätige Frauen ist das ein deutlicher Rückschritt für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Indem die Einkommensgrenze halbiert wird, werden Familien benachteiligt.“ Statt der bisherigen Grenze von 300.000 Euro soll der Anspruch nun nur noch für Eltern mit einem Jahreseinkommen von bis zu 150.000 Euro gelten.

 

 


Elterngeld muss allen zugutekommen – unabhängig vom Einkommen

 

 


Die dbb bundesfrauenvertretung fordert die Bundesregierung daher auf, von den geplanten Einschnitten beim Elterngeld abzusehen und stattdessen Maßnahmen zu ergreifen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für alle Eltern weiter verbessern. „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Familien die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um sowohl ihre beruflichen als auch familiären Verpflichtungen erfüllen zu können. Bereits seit seiner Einführung im Jahr 2007 beträgt die Höchstgrenze für das Elterngeld 1800 Euro. Als dbb fordern wir schon seit Langem die Erhöhung dieses Betrags, um beispielsweise den Anreiz für Männer, in Elternzeit zu gehen, zu erhöhen und die Aufteilung unbezahlter Sorgearbeit zuhause somit gerechter zu gestalten.“
Die Einschränkung des Anspruchs würde den gleichstellungspolitischen Zielen der Bundesregierung eindeutig widersprechen: „Ständig diskutieren wir über Wege, um den Umfang der Erwerbsarbeit von Frauen zu verbessern.“ Durch die geplante Senkung der Einkommensgrenze würden viele Familien von dieser wichtigen Leistung ausgeschlossen, was insbesondere für Frauen ein herber Rückschlag sei. Neersen: „Die Bundesregierung sollte sich ihrer Verantwortung bewusst sein und sicherstellen, dass das Elterngeld allen Familien zugutekommt.


 

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/einschnitte-im-elterngeld-waeren-deutlicher-rueckschritt.html


26.04.2023

Chancengerechtigkeit - Projekt entwickelt Handlungsempfehlungen für Führungsmodelle in Teilzeit

 

Teilzeitarbeit darf kein Karrierehindernis sein, trotzdem ist Führen in Teilzeit in den obersten Bundesbehörden noch immer die Ausnahme. Ein Pilotprojekt soll das ändern.
Das Projekt des „Harriet Taylor Mill-Instituts für Ökonomie und Geschlechterforschung“ der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert und von der dbb bundesfrauenvertretung eng begleitet. Es soll die Rahmenbedingungen für Führung in Teilzeit verbessern, Modelle der Teilzeitführung in der Bundesverwaltung sollen an Relevanz und Sichtbarkeit gewinnen. Ziel ist es, über einen praxisnahen Handlungsleitfaden aufzuzeigen, wie Führen in Teilzeit funktionieren kann - ob als Einzelführungskraft oder im Tandem. Am 26. April 2023 fiel in Berlin mit der Auftaktveranstaltung zum Thema „Führen in Teilzeit in den obersten Bundesbehörden“ der Startschuss.
Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb frauen und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende, wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass der Anstieg des Frauenanteils in Führungspositionen in der Bundesverwaltung nach wie vor zu langsam voranschreite, um die Zielvorgaben der Bundesregierung bis 2025 zu erreichen. „Im öffentlichen Dienst besteht ein erheblicher Fachkräftemangel, der die Handlungsfähigkeit des Staates gefährdet. Gleichzeitig zeigen Studien, dass ein höherer Frauenanteil in Führungspositionen häufig mit einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung einhergeht“, so Kreutz. Zudem betonte sie, dass zur Fachkräftesicherung auch Maßnahmen wie Tandemführung oder Führung in Teilzeit zur Förderung von Frauen eingeführt werden müssten.
Margit Gottstein, Staatssekretärin im BMFSFJ, sagte: „Fachkompetenzen und Führungsstärken dürfen nicht an der Vorstellung scheitern, dass Führen nur in Vollzeit geht. Wir wollen mit Führungspositionen in Teilzeit insbesondere mehr Frauen in Referats- und Abteilungsleitungen bringen. Denn unser Ziel ist, Führungspositionen in der Bundesverwaltung bis 2025 paritätisch zu besetzen. Dazu haben wir uns verpflichtet. Wir fordern von der Privatwirtschaft Gleichstellung und mehr Frauen in Führungspositionen, dann müssen wir mit gutem Beispiel vorangehen.“
An der Auftaktveranstaltung in Berlin nahmen circa 80 Vertreterinnen und Vertreter aus 26 der obersten Bundesbehörden teil. Dazu zählten Leiterinnen und Leiter der Zentralabteilungen sowie ihr Fachpersonal, Gleichstellungsbeauftragte, Vertreterinnen und Vertreter der Personalräte sowie Führungskräfte, die in Teilzeit leiten. Am Nachmittag diskutierten die Gäste über zentrale Fragestellungen und Erwartungen an das Projekt. Im Anschluss folgte eine Paneldiskussion, bei der einige Teilnehmende ihre Erfahrungen mit verschiedenen Führungsmodellen teilten.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/projekt-entwickelt-handlungsempfehlungen-fuer-fuehrungsmodelle-in-teilzeit.html

 


20.04.2023

Diskussion um Finanzierung - Kreutz: Geld für „Familienstartzeit“ ist gut investiert

 

Bundesfamilienministerin Lisa Paus will eine arbeitgeberfinanzierte Auszeit für die Partner von Müttern nach der Geburt. Die dbb frauen unterstützen die Pläne.

Die Pläne von Paus sehen vor, im Jahr 2024 die sogenannte Familienstartzeit einzuführen. Gemeint ist damit eine bezahlte Freistellung von zehn Arbeitstagen. Bezahlen sollen das die Arbeitgebenden durch höhere Beiträge in den Umlagetopf, aus dem bisher der Mutterschutz finanziert wird. Diese lehnen das Vorhaben ab und auch innerhalb der Bundesregierung ist die Finanzierung sowohl durch die Unternehmen als auch durch Steuermittel umstritten.

Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb frauen und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende, machte am 20. April 2023 deutlich, dass sie das Geld für die „Familienstartzeit“ in jedem Fall für gut angelegt hält: „Das ist eine langfristige Investition in eine nachhaltigere und geschlechtergerechtere Zukunft. Sobald ein Kind geboren wird und die Elternzeit beginnt, müssen Paare eine wichtige Entscheidung über die Aufteilung ihrer Aufgaben bei der Familien- und Erwerbsarbeit treffen. Diese Entscheidung hat oft eine dauerhafte Wirkung sowohl auf Familienleben als auch Karrierechancen der beteiligten Personen – meist zum Nachteil der Frauen. Das auch dadurch ungenutzte Potenzial der Frauen-Erwerbstätigkeit kostet Gesellschaft und Wirtschaft am langen Ende deutlich mehr. Diesen Aspekt scheinen Arbeitgebende und der Bundesfinanzminister allerdings einfach auszublenden.“

Dabei gebe es dazu aussagekräftige Zahlen, so Kreutz: „Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation könnte die deutsche Wirtschaftsleistung um 66,8 Milliarden Euro steigen, wenn die Lücke zwischen Frauen und Männern in der Erwerbsquote bis 2025 um 25 Prozent reduziert würde. Die finanzielle Belastung für den Bundeshaushalt durch Maßnahmen wie die bezahlte Partner-Auszeit ist dagegen zu vernachlässigen. Wenn wir Frauen in ihrer Karriere fördern, fördern wir langfristig auch unsere Wirtschaft.“

Darüber hinaus dürfe man nicht vergessen, dass es sich bei der bezahlten Partnerschaftsfreistellung um die Umsetzung einer EU-Richtlinie vom Juli 2022 handelt: „Die EU-Kommission hat bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet, weil wir die EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht richtig umgesetzt haben. Warten wir jetzt solange, bis wir vor dem Europäischen Gerichtshof angeklagt werden oder gehen wir mit gutem Beispiel voran und zeigen, dass wir die Sorgen und Bedürfnisse von Familien ernstnehmen?“

 

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/kreutz-geld-fuer-familienstartzeit-ist-gut-investiert.html


23.02.2023

Öffentlicher Dienst Bund und Kommunen - Warnung an Arbeitgebende: „Frauen am Limit heißt Staat am Limit“

 

dbb frauen Chefin Milanie Kreutz warnt die Arbeitgebenden von Bund und Kommunen vor einer Fortsetzung der Blockadehaltung im Tarifstreit. Die Geduld der Beschäftigten sei am Ende.

„Ich kann die Verhandlungsführerinnen, Bundesinnenministerin Nancy Faeser für den Bund und Karin Welge von der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, nur warnen: Frauen am Limit heißt Staat am Limit“, sagte die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung Milanie Kreutz am 23. Februar 2023 in Potsdam, nachdem dort auch die zweite Runde am Tariftisch ohne ein ernstzunehmendes Angebot der Arbeitgebendenseite ergebnislos beendet worden war.

„Rund die Hälfte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst sind Frauen, im Kommunalbereich liegt ihr Anteil sogar deutlich über 60 Prozent. Sie stemmen nicht nur in Ministerien oder bei den Sozialversicherungsträgern, sondern insbesondere auch in den Diensten und Einrichtungen der Care-Arbeit den Großteil der Aufgaben. Wenn sie jetzt nach drei Jahren Pandemie-Stresstest im Job und daheim mit Aussicht auf weitere Jahrhundert-Herausforderungen wie Bildungsnotstand, Pflegekrise, Migration und Klimawende sagen ‚genug ist genug‘, dann ist das Maß auch wirklich voll“, machte Kreutz, die auch Mitglied der dbb Bundesleitung ist, deutlich. „Die Kolleginnen wollen keine warme Worte mehr hören, und wehe, es klatscht noch irgendjemand. Die Frauen im öffentlichen Dienst sind systemrelevant und verdienen jetzt ein deutliches Zeichen der Motivation, sprich ein kräftiges Einkommensplus, das ihnen durch die Inflation hilft und ihnen Auftrieb für die anstehenden Aufgaben gibt“, forderte die dbb frauen Chefin. Die Blockadehaltung der Arbeitgebendenseite in den bisherigen Verhandlungsrunden sei dagegen „eine einzige Demotivation, die die unermüdlichen Kolleginnen als Schlag ins Gesicht empfinden. Allen muss klar sein, dass es vor allem die Frauen im öffentlichen Dienst sind, denen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft ihr Funktionieren und ihre Stabilität verdanken: Sie schultern die Kinderbetreuung – als Profis in der Kita und leider immer noch überwiegend als Mütter zuhause. Sie pflegen, sie managen, sie halten die Fäden zusammen, sie kümmern und sorgen sich  – beruflich und privat. Dieser Einsatz verdient einen messbaren Gegenwert, und in der Arbeitswelt ist dieser Gegenwert in Euro zu bezahlen. 10,5 Prozent plus, mindestens aber 500 Euro mehr, das müssen die Kolleginnen im Staatsdienst den öffentlichen Arbeitgebenden, aber auch der Allgemeinheit wert sein“, betonte Kreutz. „Wir wollen in Runde drei keine Mogelpackung, sondern ein faires Angebot sehen, und bis dahin werden die Frauen des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen ihren Unmut auf die Straße tragen und zeigen, was es heißt, wenn sie die Arbeit niederlegen.“

Hintergrund
Vom Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) sind insgesamt über 2,5 Millionen Beschäftigte direkt oder indirekt betroffen: Fast 1,6 Millionen Arbeitnehmende des Bundes und der Kommunen und weiterer Bereiche, für die der TVöD direkte Auswirkungen hat, sowie Auszubildende (6.350 beim Bund, 56.300 bei den Kommunen), Praktikantinnen und Praktikanten sowie Studierende in ausbildungsintegrierten dualen Studiengängen und auch knapp 190.000 Bundesbeamtinnen und Bundesbeamte, Anwärterinnen und Anwärter (16.885 beim Bund) sowie über 500.000 Versorgungsempfängerinnen und -empfänger beim Bund, auf die der Tarifabschluss übertragen werden soll. Mittelbar hat die Einkommensrunde auch Auswirkungen für weitere Bereiche des öffentlichen Dienstes (bspw. Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Rentenversicherung). Die dritte und vorerst letzte terminierte Verhandlungsrunde ist für den 27./28. März 2023 in Potsdam geplant.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/warnung-an-arbeitgebende-frauen-am-limit-heisst-staat-am-limit.html

 


17.02.2023

Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern - Bundesarbeitsgericht setzt „Meilenstein für mehr Einkommensgerechtigkeit“

 

Als „Meilenstein für mehr Einkommensgerechtigkeit“ hat dbb frauen Chefin Milanie Kreutz die Entscheidung des BAG zu Verdienstunterschieden zwischen Frauen und Männern begrüßt.

Der Achte Senat des Bundesarbeitsgerichts (BAG) entschied am 16. Februar 2023, dass Arbeitgebende Verdienstunterschiede von Frauen und Männern nicht mit deren unterschiedlichem Verhandlungsgeschick begründen könnten (8 AZR 450/21). Er sprach einer Dresdnerin eine Gehaltsnachzahlung von 14.500 Euro und eine Entschädigung von 2.000 Euro zu. Ihr Arbeitgeber habe die Klägerin aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt, hieß es in der Entscheidung. Wenn Frauen und Männer wie im verhandelten Fall bei gleicher Arbeit unterschiedlich bezahlt werden – konkret ging es bei gleichen Verantwortlichkeiten und Befugnissen um einen Unterschied beim Grundgehalt von 1.000 Euro monatlich in der Probezeit und später noch rund 500 Euro monatlich –, begründe das die Vermutung der Benachteiligung wegen des Geschlechts. Diese Vermutung könnten Arbeitgeber nicht mit dem Argument widerlegen, der Mann habe besser verhandelt oder er sei perspektivisch für einen Leitungsjob vorgesehen, so der Senat. Die Bundesrichter kippten mit dem Urteil Entscheidungen der Vorinstanzen in Sachsen in großen Teilen.

„‘Schlecht verhandelt‘ ist eben keine Antwort auf das Diskriminierungsverbot wegen des Geschlechts“, sagte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, mit Blick auf die Entscheidung der Erfurter Richterinnen und Richter. „Das BAG hat mit der Entscheidung für die Diplomkauffrau aus Dresden einen Meilenstein für mehr Einkommensgerechtigkeit zwischen Frauen und Männern gesetzt und klargestellt, dass Equal Pay durch das Gleichbehandlungsgesetz, das Entgelttransparenzgesetz und das Grundgesetz ein nicht verhandelbares Grundrecht ist. Nur objektive und geschlechtsneutrale Gründe wie Qualifikation oder Berufserfahrung können bei gleicher Tätigkeit eine unterschiedliche Bezahlung rechtfertigen“, betonte Kreutz, die auch stellvertretende Bundesvorsitzend des dbb ist. „Dem Mut und dem Durchhaltevermögen der Klägerin ist größte Anerkennung dafür zu zollen, dass sie den langwierigen Weg durch alle Instanzen unbeirrt beschritten hat, um für ihr Recht auf gleiche Bezahlung zu kämpfen“, so Kreutz. Die BAG-Entscheidung zu Entgeltdiskriminierung und dem Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz werde nun eine hohe Relevanz für die Berufspraxis entfalten, zeigte sie sich überzeugt.

Laut Statistischem Bundesamt erhielten Frauen 2022 durchschnittlich einen Bruttostundenverdienst von 20,05 Euro – Männer von 24,36 Euro. Nur einen Teil der Lohnlücke erklärt das Statistikamt mit höheren Teilzeitquoten und geringeren Gehältern in frauentypischen Berufen. „Equal Pay liegt in Deutschland noch in weiter Ferne“, kritisierte dbb Vize Kreutz, das Entgelttransparenzgesetz, das seit 2017 eigentlich für mehr Gleichheit sorgen solle, sei zu schwach, zumal es nur in Unternehmen ab 200 Beschäftigten Auskunftsrechte in Sachen Lohn und Gehalt vorsehe. „Wir brauchen hier noch mehr Transparenz und konkrete Rechtsfolgen für Entgeltdiskriminierungs-Tatbestände“, forderte sie.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/bundesarbeitsgericht-setzt-meilenstein-fuer-mehr-einkommensgerechtigkeit.html

 


30.01.2023

Gender Pay Gap - Neersen: „Die Verdienstlücke muss endlich geschlossen werden“

Laut Statistischem Bundesamt verdienen Frauen im Schnitt 18 Prozent weniger als Männer. Das muss sich dringend ändern, fordern die dbb frauen.

„Die jüngsten Zahlen zeigen, dass deutlich größere Anstrengungen erforderlich sind, um die Ursachen für geschlechterbedingte Verdienstunterschiede zu beseitigen“, mahnte Michaela Neersen, stellvertretende Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, am 30. Januar 2023. „Jedes Jahr, in dem die Verdienstlücke nicht schrumpft, ist eine verpasste Chance, die Gleichstellung von Frauen und Männern voranzutreiben.“

Eine erhebliche Ursache für den Verdienstabstand sei, dass Frauen häufiger in Teilzeit und in Berufen arbeiteten, in denen schlechter bezahlt würde. Doch auch bei vergleichbaren Qualifikationen betrage die Differenz immer noch 7 Prozent – etwa, weil Frauen aufgrund von Schwangerschaft, Geburt oder der Pflege Angehöriger öfter als Männer ihre Erwerbstätigkeit unterbrächen und dadurch finanziell benachteiligt würden. „Frauen sollten sich nicht zwischen Familie und Karriere entscheiden müssen. Diese Denkweise wird uns gesamtgesellschaftlich viel mehr kosten als Arbeitgebende eventuell temporär davon profitieren“, kritisierte Neersen.

Arbeitgebende müssten einsehen, dass der Gender Pay Gap nicht nur Frauen betreffe: „Die Verdienstlücke zu beseitigen, ist nicht nur Frage der sozialen Gerechtigkeit, sondern eine der Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Den klaffenden Personallücken im öffentlichen Dienst und in Unternehmen können wir nur begegnen, wenn Frauen dieselben Chancen und Wertschätzung gegeben, typische Frauenberufe aufgewertet und Familie und Beruf besser vereint werden können“, betonte Neersen.

Hintergrund: Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen weisen einen unbereinigten Gender Pay Gap von 18 Prozent und einen bereinigten Gender Pay Gap von 7 Prozent auf. Der unbereinigte Gender Pay Gap steht dabei für den allgemeinen Verdienstunterschied, während der bereinigte Gender Pay Gap den Unterschied bei gleicher Qualifikation, Tätigkeit und Erwerbsbiografie angibt.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/neersen-die-verdienstluecke-muss-endlich-geschlossen-werden.html


05.09.2022

Gemischtes Echo auf neues Maßnahmen-Paket - Entlastungen: Für Frauen überwiegend nicht „maßgeschneidert“

 

Die dbb frauen hätten sich beim dritten Entlastungspaket der Bundesregierung mehr Passgenauigkeit gewünscht – viele Maßnahmen gehen an der Lebenswirklichkeit von Frauen vorbei.


 

 

„Wir begrüßen, dass die Bundesregierung weitere Anstrengungen unternimmt, um angesichts dramatisch steigender Energie- und Lebenshaltungskosten für Entlastung zu sorgen. Haushalte mit niedrigen Einkommen, zu denen insbesondere viele Alleinerziehende, überwiegend Frauen, zählen, treffen die steigenden Preise besonders hart. Deswegen hätten wir uns mehr Passgenauigkeit bei den Maßnahmen erhofft“, sagte dbb frauen Vorsitzende Milanie Kreutz am 5. September 2022 in Berlin. „Gerade die alleinerziehenden Frauen haben ein erhöhtes Risiko, in Armut zu leben, und agierten schon vor der Inflation überwiegend an ihrer finanziellen Belastungsgrenze. Sie haben überhaupt keinen Puffer für ungeplante Ausgabensteigerungen, geschweige denn für Preise, die derzeit kein Limit nach oben kennen.“ Nun auch Rentnerinnen und Rentnern eine Energiepauschale zu zahlen, sei längst überfällig, zumal Frauen stärker von Altersarmut betroffen sind als Männer, betonte Kreutz. „Aber für die Berufstätigen am Limit ist das keine Lösung, und auch eine entsprechende flächendeckende Regelung für die Pensionärinnen und Pensionäre von Bund, Ländern und Kommunen von Beginn an wäre ein starkes Signal gewesen, blieb aber leider aus. Die Ruhestandsbeamtinnen und -beamten in den Bundesländern müssen nun darauf hoffen, dass die Dienstgebenden die Entlastung auch für sie umsetzen – gerecht geht anders.“


 

 

Auch in weiteren Punkten vermisst die dbb bundesfrauenvertretung Maßnahmen, die sich an den tatsächlichen Arbeits- und Einkommensbedingungen von Frauen orientieren. „Nur, weil man es gebetsmühlenartig wiederholt, ist das Entlastungspaket für Frauen eben überwiegend nicht ‚maßgeschneidert‘“, betonte dbb frauen Vorsitzende Kreutz. So stärke die angekündigte Midi-Job-Reform mit einer Anhebung der Einkommensgrenze auf 2.000 Euro höchstwahrscheinlich weiter den Anreiz zu Teilzeit- statt Vollzeittätigkeit. „Im Midi-Job-Bereich sind vor allem Frauen betroffen, und wenn noch mehr von ihnen noch länger in Teilzeit arbeiten, hat das entsprechende negative Konsequenzen für ihre Alterssicherung“, gab Kreutz zu bedenken. „Auch von der Homeoffice-Pauschale profitieren nur Berufstätige, die pro Jahr inklusive der neuen Pauschale auf über 1.000 Euro Werbungskosten im Jahr  kommen, von denen Fahrtkosten in der Regel die größte Position ausmachen. Und weil Männer deutlich öfter als Frauen pendeln, die häufiger kurze Strecken mit dem ÖPNV, mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind, profitieren sie stärker, zumal die Pendlerpauschale noch erhöht wird. Deswegen ist es ganz wichtig, neben einer geschlechtergerechteren Ausgestaltung steuerlicher Entlastung schnell ein günstiges Folgeangebot für das 9-Euro-Ticket auf den Tisch zu legen“, forderte Kreutz.


 

 

Die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung lenkte vor dem Hintergrund des neuen Entlastungspakets schließlich den Blick auch auf die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, die die Maßnahmen nun entsprechend umzusetzen hätten: „Es ist richtig und wichtig, dass dieses Entlastungspaket für die Bürgerinnen und Bürger kommt. Gleichzeitig müssen wir die Belastungssituation der Kolleginnen und Kollegen insbesondere in den Kommunen im Auge behalten. Sie sind es nämlich, die dafür sorgen, dass die Inhalte des Pakets auch bei den Empfängerinnen und Empfängern ankommen. Je mehr Bürgerinnen und Bürger aufgrund steigender Lebenshaltungskosten auf Grundsicherung und Leistungen nach dem SGB II angewiesen sind, desto größer wird der Druck auf die Beschäftigten. Auch hier erwarten wir politische Lösungen, die für Entlastung sorgen“, betonte Milanie Kreutz.


 

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/entlastungen-fuer-frauen-ueberwiegend-nicht-massgeschneidert.html


01.06.2022

Gleichstellung im öffentlichen Dienst - Neue Maßstäbe für eine familienorientierte Arbeitskultur setzen

 

In politischen Gesprächen mit Bundestagsabgeordneten setzt dbb frauen Chefin Milanie Kreutz deutliche Akzente für eine familienfreundliche Arbeitskultur im öffentlichen Dienst.
„Wir brauchen endlich eine Politik, die Familienleben und Arbeitsleben nicht als zwei separate Lebensbereiche betrachtet, sondern familiäre Sorgetätigkeiten und Erwerbsarbeit zusammendenkt.“ Mit diesem Appell hatte sich die dbb frauen Chefin Milanie Kreutz an die Bundestagsabgeordneten Ulrike Bahr, Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Bernd Rützel, Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales gewandt. In den Gesprächen, die am 1. Juni 2022 stattfanden, machte Kreutz deutlich, warum die Verbindung beider Politikfelder so wichtig sei.

New Work braucht Rahmenbedingungen

Die Corona-Pandemie habe Rückschläge bei der Gleichstellung der Geschlechter mitgebracht, biete aber auch eine Chance für grundlegenden Wandel und mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Arbeitswelt. Jetzt sei es essenziell, vor allem die Erwerbstätigkeit von Frauen zu fördern: „Der Fachkräftemangel macht sich bereits heute in diversen Bereichen des öffentlichen Dienstes bemerkbar. Ohne die Attraktivität der Behörden für Nachwuchskräfte zu steigern und die ungenutzten Potenziale der vielen Frauen, die nicht oder nur in Teilzeit erwerbstätig sind, zu heben, werden wir diesem Problem nicht effektiv begegnen können“, so Kreutz
Der öffentliche Sektor brächte ideale Voraussetzungen mit, um neue Maßstäbe für eine familienorientierte Arbeitskultur der Zukunft zu setzen. Viele Verwaltungen böten schon jetzt, dank etablierter Teilzeitmodelle und flexibler Arbeitszeitarrangements, gute Voraussetzungen für New Work Modelle mit familienfreundlichem und geschlechtergerechtem Arbeiten an. Jetzt gelte es, diese Kultur mithilfe der Digitalisierung auf das nächste Level zu heben. „Vor allem müssen Führungspositionen in diese Arbeitsrealität eingepreist werden, zum Beispiel über diskriminierungsfreie Beförderungsroutinen, die auch Teilzeitkräften eine Spitzenposition in Aussicht stellen und mit Leitungskonzepten, die Führen aus der Ferne zum gelebten Alltag machen“, machte Kreutz deutlich.

 

Sorgearbeit fair verteilen

„Ein Thema, das uns als gewerkschaftliche Frauenvertretung umtreibt, ist das der ungleich verteilten Sorgearbeit. Frauen übernehmen im Durchschnitt 52 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Diese ungleich verteilte Last wirkt sich darauf aus, ob Frauen arbeiten, ob sie in Teilzeit oder Vollzeit arbeiten, in welchen Branchen sie arbeiten und ob sie in Führungspositionen aufsteigen können“, erklärte Kreutz.
Leider werde das Thema der familiären Sorgearbeit politisch viel zu sehr im Bereich der Familienpolitik verortet. „Aus unserer Sicht muss auch Arbeitspolitik darauf ausgerichtet sein, Erwerbsleben und Familienleben miteinander vereinbar zu machen“, argumentierte Kreutz.
Es sei der verfassungsrechtliche Auftrag des Staates, Lebensmodelle zu ermöglichen, in denen Frauen und Männer zugleich erwerbstätig sein und private Sorgearbeit leisten können. Dafür müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es Menschen möglich machen, gleichberechtigt an der Erwerbsarbeit teilzuhaben, ohne dafür auf private Sorgearbeit verzichten zu müssen, appellierte Kreutz.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/neue-massstaebe-fuer-eine-familienorientierte-arbeitskultur-setzen.html

 


07.03.2022

Internationaler Frauentag - Jede und jeder für Gleichberechtigung


Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2022 rufen dbb und dbb frauen dazu auf, in der Arbeitswelt endlich mit den Geschlechterklischees zu brechen.
„Frauen und Technik passen genauso gut zusammen wie Männer und Kindererziehung. Wir müssen uns in der Arbeitswelt endlich von den gängigen Geschlechterklischees verabschieden. Sie verhindern Fortschritt und zementieren soziale Ungleichheit in unserer Gesellschaft“, machten der dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach und die dbb frauen Chefin Milanie Kreutz mit Blick auf den internationalen Frauentag am 8. März 2022 deutlich. Ihren Appell richteten Silberbach und Kreutz an die Entscheidungsträgerinnen und -träger in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft: „Jede und jeder kann einen Beitrag für eine geschlechtergerechte Gesellschaft leisten! Jetzt liegt es an den Vorgesetzten und an jenen, die in der Verantwortung für unser Land stehen, mit gutem Beispiel voranzugehen.“

Insbesondere der öffentliche Dienst müsse hier Vorbild sein und den Weg in eine gleichberechtigte Arbeitswelt weisen, betonte dbb frauen Chefin Milanie Kreutz. Unbewusste Geschlechterstereotype sind aus ihrer Sicht eine der Hauptursachen für die langsamen Fortschritte bei der Gleichstellung im öffentlichen Sektor. „Trotz guter Vereinbarkeitsgesetze und Frauenförderpläne haben es Thomas und Hans – das zeigt die Statistik – immer noch leichter als Sabine und Christine, eine Führungsposition zu erlangen. Noch schwerer haben es Ayla und Oxana. Und genau deshalb müssen wir bei den Einstellungsverfahren, aber vor allem auch bei der dienstlichen Beurteilung, noch viel genauer hinsehen. Unterbewusste Voreingenommenheiten sowie Leistungsbewertungskriterien, die oftmals klassisch ‚männliche‘ Erwerbsbiografien bevorteilen, bestimmen oft, wer für einen Job im öffentlichen Dienst oder eine bestimmte Führungsaufgabe ausgewählt wird und wer nicht“, erklärte Kreutz. Anonymisierte Bewerbungsverfahren und eine geschlechtersensible Leistungsbewertung, die familiäre Auszeiten als Erfahrungszugewinn werte, sorgten, dort wo sie bereits eingesetzt würden, für mehr Chancengleichheit. „Auf diese Weise wird verhindert, dass gerade Frauen frühzeitig durchs Raster fallen und gar nicht erst die Chance bekommen, im persönlichen Gespräch zu überzeugen.“

 

Hintergrund

Weltweit wirft der Internationale Frauentag jedes Jahr am 8. März ein Schlaglicht auf die Gleichstellung der Geschlechter. Das Motto des Aktionstages für Frauenrechte in diesem Jahr lautet „Break the Bias“ und ist ein Aufruf dazu, eine Welt frei von Stereotypen, Vorurteilen und Diskriminierung zu erschaffen.

 

Quelle: https://www.dbb.de/artikel/jede-und-jeder-fuer-gleichberechtigung.html


06.03.2022

Equal Pay Day 2022 - Digitale Tools gezielt für mehr Lohngerechtigkeit nutzen

 

Digitale Tools und Software-Lösungen könnten auch im öffentlichen Dienst zu einer geschlechtergerechten Bezahlung von Männern und Frauen beitragen.
„Gendersensible Software-Lösungen und KI-Anwendungen könnten die Leistung von Beschäftigten objektiver abbilden denn je. Das birgt die Chance, geschlechtsspezifische Voreingenommenheit zu erkennen und deren Folgen – also auch geschlechterbedingte Verdienstunterschiede – systematisch anzugehen. Deshalb sollten wir auch im öffentlichen Dienst offen über gleichstellungsfördernde digitale Tools diskutieren. Denn hier sind es vorrangig klassische Rollenvorstellungen, die zu Entgeltunterschieden führen“, stellte dbb frauen Chefin Milanie Kreutz mit Blick auf den Equal Pay Day am 7. März 2022 heraus.
Insbesondere bei der vergleichenden Leistungsbewertung, die im öffentlichen Dienst ausschlaggebend für Beförderungen und Höhergruppierungen ist, könnten intelligente Systeme frühzeitig auf Diskriminierungen hinweisen. „Noch immer werden Bewertungskriterien angesetzt, die Arbeitszeit vor Leistung stellen. Vor allem die Leistung von Teilzeitkräften, die überwiegend weiblich sind, wird signifikant schlechter bewertet. Bedauerlicherweise gibt es hierzu bisher keine übergreifenden statistischen Auswertungen. Mit Hilfe von intelligenten Algorithmen-basierten Analysetools könnte die nötige Transparenz geschaffen werden, um dem Problem endlich auf den Grund zu gehen“, so die dbb frauen Chefin.
Kreutz warnte aber vor überhasteten Schritten: „Solche tiefgreifenden Prozesse müssen eng von Personal- und Betriebsräten sowie Gleichstellungsbeauftragten begleitet werden. Denn KI-basierte Systeme, wie fast jede Software, werden vor allem von Männern programmiert. Problemlösungen werden folglich auch aus einer männlich zentrierten Perspektive entwickelt und somit besteht ein hohes Risiko, dass systemische Benachteiligungen von Frauen reproduziert werden. Zusätzliche ungewollte Nachteile für Frauen könnten aber auch entstehen, wenn bei Personalentscheidungen unreflektiert auf Datensätze zurückgegriffen wird. Besonders kritisch ist das in Bereichen, in denen kaum Frauen tätig sind und die Referenzwerte fast ausschließlich von männlichen Beschäftigten stammen.“

Hintergrund

Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen unbezahlt arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar für ihre Arbeit entlohnt werden. Laut Statistischem Bundesamt beträgt der geschlechtsspezifische Entgeltunterschied in Deutschland aktuell 18 Prozent, für den öffentlichen Dienst wird er mit 6 Prozent beziffert. Der diesjährige Equal Pay Day fällt auf den 7. März und steht unter dem Motto „EQUAL PAY 4.0 – gerechte Bezahlung in der digitalen Arbeitswelt“. 2008 wurde die jährliche Kampagne zum Equal Pay Day durch den Business and Professional Women (BPW) Germany e.V. initiiert und wird seitdem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Die dbb bundesfrauenvertretung unterstützt die Equal Pay Day Initiative als Schwerpunktpartnerin und setzt sich für gendergerechte Bezahlung im öffentlichen Dienst ein.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/digitale-tools-gezielt-fuer-mehr-lohngerechtigkeit-nutzen.html

 



01.03.2022

Equal Care Day: Familienpolitische Einzelmaßnahmen nicht länger schönreden

 

Familiäre Sorgearbeit wird noch immer vorwiegend von Frauen übernommen. Um die einseitige Zusatzbelastung aufzulösen, bedarf es einer familienorientierten Zeitpolitik.
„Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie stark der Druck der familiären Sorgearbeit auf den Müttern lastet. Vor allem Frauen, die zwischen Homeoffice, Haushalt und Corona-Quarantäne pendeln, machen die organisatorischen Tätigkeiten rund um die eigentliche Care-Arbeit – die sogenannte Mental Load – zunehmend zu schaffen. Werden diese meist unsichtbaren Familienaufgaben langfristig einseitig und wie selbstverständlich von den Müttern übernommen, erwächst daraus eine reelle Überlastung mit teilweise gravierenden Folgen nicht nur für die Mütter, sondern für die gesamte Familie“, warnte dbb frauen Chefin Milanie Kreutz anlässlich des Equal Care Day am 1. März 2022. Sie forderte die Politik dazu auf, das Thema der ungleichverteilten familiären Sorgearbeit vorrangig in den Blick zu nehmen.

 

Mit klassischen familienpolitischen Maßnahmen wie der Weiterentwicklung des Elterngeldes oder der geplanten Einführung einer gesetzlichen Freistellung für Väter nach der Geburt eines Kindes analog zum Mutterschutz sei es längst nicht getan, kritisierte Kreutz „Es reicht nicht aus, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf je nach parteipolitischem Gusto mit populären Einzelmaßnahmen schönzufärben. Vielmehr müssen wir als Gesellschaft einen ganzheitlichen Ansatz einfordern, der auch zeitpolitische und gesundheitliche Aspekt einbezieht und so dazu beiträgt, Sorgearbeit innerhalb von Familien gleichmäßiger auf mehrere Schultern zu verteilen. Dazu müssen auch das Steuerrecht und arbeitszeitpolitische Vorgaben kritisch hinterfragt werden. Alle Regelungen, die auf das Konto des männlichen Alleinernährers einzahlen, gehören ausnahmslos auf den Prüfstand“, so Kreutz.


 

Wie groß ist Ihr Mental Load? Machen Sie den Test!

Mit einem Online-Quiz wollen die dbb frauen das Thema „Mental Load“ zudem stärker in den gesellschaftspolitischen Fokus rücken und auf die damit verbundene Schieflage bei der Verteilung familiärer Sorgelasten aufmerksam machen. „Auf unserer Website laden wir alle Interessierten ein, Ihren persönlichen Umgang mit ihrer Mental Load in einem kleinen Quiz zu testen. Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, es wird Ihnen und Ihrem Partner die Augen öffnen“, so Kreutz.

Hier geht’s zum Mental-Load-Test der dbb frauen

 

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/familienpolitische-einzelmassnahmen-nicht-laenger-schoenreden.html


18.02.2022

Tag der sozialen Gerechtigkeit: Generationen-Solidarität stärken – Altersarmut bekämpfen

Der Generationenvertrag muss neu aufgelegt werden, um soziale Gerechtigkeit zu garantieren. Das fordern dbb senioren, dbb frauen und dbb jugend.


dbb senioren: Pflegende Angehörige entlasten


„Schon heute lebt mehr als ein Fünftel der über 80-jährigen unter der Armutsgrenze. Frauen sind noch stärker betroffen als Männer. Das ist für Deutschland als eine der reichsten Volkswirtschaften der Welt ein absolutes Armutszeugnis“, mahnte Dr. Horst Günther Klitzing, Vorsitzender der dbb senioren, mit Blick auf den Internationalen Tag der sozialen Gerechtigkeit, den die Vereinten Nationen jährlich am 20. Februar 2022 ausrufen. Den ersten wichtigen Schritt habe die Politik mit der Schaffung der Grundrente schon gemeistert. Jetzt müssten weitere Maßnahmen folgen. „Die Einführung eines steuerfinanzierten Entgeltes für pflegende Angehörige und eine angemessene Berücksichtigung dieser Zeiten in der Rente bilden einen weiteren Baustein hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit“, so Klitzing.


 

dbb frauen: Familien- und Sozialpolitik priorisieren


Das sieht auch dbb frauen Chefin Milanie Kreutz angesichts der hohen Altersarmut unter Frauen als dringend geboten: „Wenn wir über soziale Gerechtigkeit reden, dann führt keine Diskussion an den Frauen vorbei. Nur, wenn wir Gleichstellung in der Familien- und Sozialpolitik priorisieren, werden wir die Schere der sozialen Ungleichheit langfristig schließen können.“ Dafür seien gezielte Entlastungen im Bereich der Kinderbetreuung und Sorgearbeit ebenso geboten wie ein erleichterter Zugang für Mütter zu existenzsichernder Erwerbsarbeit und Führungspositionen. In diesem Zusammenhang kritisierte Kreutz auch die geplante Erhöhung der Verdienstobergrenzen für Minijobs: „Anstatt Zuverdienstmodelle durch die Stärkung des Niedriglohnsektors zu verfestigen, sollte die Bundesregierung alles daransetzten, Arbeitsverhältnisse zu schaffen, die Raum für Familie geben und Müttern auch im Alter ein gutes Auskommen garantieren.“


 

dbb jugend: Betriebsrenten stärken

dbb jugend Chefin Karoline Herrmann wies in diesem Zusammenhang auf die zunehmenden Schwierigkeiten der nachkommenden Generationen hin, sich für das Alter gut abzusichern. „Die hohen Sozialleistungen, steigende Lebenshaltungskosten und anhaltend niedrige Zinsen machen es jungen Menschen so gut wie unmöglich, ein finanzielles Polster fürs Alter aufzubauen. Vielen bleibt da nur noch die Hoffnung aufs Erbe. Und das steht jedem Verständnis von sozialer Gerechtigkeit entgegen“, stellte Herrmann heraus. Neben einer Stärkung der gesetzlichen Rente und dem Erhalt der Beamtenversorgung müsse auch die private Vorsorge fürs Alter erleichtert werden. „Insbesondere die betriebliche Alterssicherung, die auch Menschen mit niedrigen Einkommen eine zusätzliche Absicherung fürs Alter ermöglicht, muss gestärkt werden“, so Herrmann.

Quelle: https://www.dbb-senioren.de/artikel/generationen-solidaritaet-staerken-altersarmut-bekaempfen.html


12.01.2022

Frauen in Führungspositionen - Gleichstellung verlangt mehr als eine „Quote“

dbb frauen Chefin Milanie Kreutz hat größere Anstrengungen gefordert, um mehr Frauen im öffentlichen Dienst in Führungspositionen zu bringen.

„Im öffentlichen Sektor sind mehr als die Hälfte aller Beschäftigten Frauen. Der Anteil an weiblichen Führungskräften liegt allerdings deutlich unter 50 Prozent. Das passt hinten und vorne nicht zusammen und widerspricht dem Gleichstellungsanspruch im öffentlichen Dienst“, machte dbb frauen Chefin Milanie Kreutz am 12. Januar 2022 mit Blick auf aktuelle Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) deutlich. Danach ist im öffentlichen Dienst der Frauenanteil auf den beiden oberen Führungsebenen höher als in der Privatwirtschaft. Im Verhältnis zu ihrem Anteil an den Beschäftigten sind Frauen hier dennoch nicht besser vertreten als in der Privatwirtschaft.

Hoffnungsvoll blicken die dbb frauen auf das neue Führungspositionen-Gesetz, das erstmals auch Sanktionen bei Nichterreichung von Zielgrößen vorsieht. Noch sei es zu früh, um die langfristige Wirksamkeit der gesetzlichen Vorgaben vollumfänglich zu bewerten, so Kreutz. Vielmehr müsse der Fokus jetzt auf die Beseitigung von bekannten Karrierehindernissen gelegt und die Leistungsbewertung diskriminierungsfrei ausgestaltet werden. „Gleichstellung verlangt mehr als die Einführung von Quoten. Vor allem Frauen ergreifen Berufe im öffentlichen Dienst, weil sie hier einen sicheren und flexiblen Job vorfinden, der familienfreundliche Arbeitsbedingungen verspricht und zugleich sinnstiftend ist. Doch die Aufstiegsverfahren folgen einer anderen Logik: Befördert wird vorrangig, wer viel Zeit am Arbeitsplatz verbringt und über ausreichend Freizeit verfügt, um das eigene Karrierenetzwerk zu pflegen. Vor allem Müttern fehlt es jedoch genau an diesen wertvollen Zeitressourcen“, betonte die dbb frauen Chefin.

Eine effektive Frauenförderung in der modernen öffentlichen Verwaltung müsse genau hier ansetzen. Arbeitsleistung und Führungskompetenz sollten ausschlaggebend für eine Beförderung sein. Kreutz: „Die systematische Überprüfung der Leistungskriterien und deren geschlechtergerechte Neuauslegung muss bei der dienstlichen Beurteilung endlich in Angriff genommen werden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil unsere Arbeitswelt sich aufgrund von Homeoffice und Digitalisierung stark verändert hat und dementsprechend auch andere Erwartungen an Führungskräfte stellt.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/gleichstellung-verlangt-mehr-als-eine-quote.html


03.12.2021

Internationaler Tag des Ehrenamtes - Mehr Frauen ins Ehrenamt: Mut zusprechen reicht nicht

Damit mehr Frauen ein politisches oder gewerkschaftliches Ehrenamt wahrnehmen können, müssen die Rahmenbedingungen an weibliche Lebensrealitäten angeglichen werden.

„Gleichstellung in der Politik ist noch längst nicht erreicht. Bürgermeisterinnen zum Beispiel muss man mit der Lupe suchen – nicht einmal jedes dritte Mandat in der Kommunalvertretung ist mit einer Frau besetzt. Im Bundestag sind mittlerweile zwar mehr weibliche Abgeordnete als in der letzten Legislaturperiode vertreten, aber immer noch etwas weniger als 35 Prozent. Das zeigt, dass wir noch mehr tun müssen, um Frauen den Weg ins politische Ehrenamt zu erleichtern. Schließlich beginnt ehrenamtliches Engagement weit vor dem Mandat“, erklärt dbb frauen Chefin Milanie Kreutz mit Blick auf den Internationalen Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember 2021.

Frauen Mut zuzusprechen, sich für verantwortungsvolle Ämter zu bewerben, reiche jedoch nicht aus, mahnte Kreutz. „Allem voran müssen Vorurteile gegenüber Frauen im Amt abgebaut werden. Fragen wie ‚Schaffst du das als Mutter‘ oder ‚Traust du dir das auch wirklich zu?‘ wollen Frauen in Politik und Gewerkschaft nicht mehr gestellt bekommen“, so die dbb frauen Vorsitzende.

Gefragt seien insbesondere die Amtstragenden selbst, kritisch zu prüfen, inwieweit sich Ansprache, Teilhabemöglichkeiten, Mitgliederwerbung, Wahlmodi, Nominierungsverfahren, Umgangsformen, Hierarchiedenken und Sitzungsverhalten geschlechterdiskriminierend innerhalb der eigenen Organisation auswirkten. Aber auch der Gesetzgeber habe noch Spielräume, um gerade Frauen den Schritt ins politische Ehrenamt zu erleichtern, betonte Kreutz: „Dazu zählt zum Beispiel die Ausweitung von gesetzlichen Freistellungsmöglichkeiten, rentenrechtliche Anerkennung oder steuerrechtliche Ausnahmeregelungen zur besseren Wertschätzung dieser wichtigen gesellschaftlichen Aufgaben des Ehrenamtes. Nicht zu vergessen ist die Förderung einer familienfreundlichen Arbeitskultur, die das Verständnis der fairen Teilung von Sorgetätigkeiten voraussetzt. Frauen übernehmen weiterhin durchschnittlich 52 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Da bleiben am Tag auch weniger Stunden fürs Ehrenamt übrig.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/mehr-frauen-ins-ehrenamt-mut-zusprechen-reicht-nicht.html


25.11.2021

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen: Frauen besser vor Gewalt schützen – auch im Internet

Die künftige Bundesregierung muss alles daransetzen, geschlechtsspezifische Gewalt zu beenden. Das fordern die dbb frauen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.

„Im Schatten der Pandemie, in der es immer wieder zu Ausgangsbeschränkungen kam, wurden mehr Frauen und Mädchen Opfer häuslicher Gewalt. Dabei sollten die eigenen vier Wände eigentlich ein Ort der Geborgenheit sein. Das muss uns als Gesellschaft alarmieren. Die künftige Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag deutlich formuliert, gegen sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt vorgehen zu wollen. Das ist ein wichtiger Schritt, jetzt brauchen wir die entsprechenden Gesetze“, erklärte dbb frauen Chefin Milanie Kreutz anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November 2021.

Allem voran müssten laut Kreutz die Finanzierung der Frauenhäuser nachhaltig gesichert und Beratungsstellen flächendeckend ausgebaut werden. Darüber hinaus treten die dbb frauen für eine bessere fachliche und materielle Unterstützung sowie Vernetzung relevanter Berufsgruppen im öffentlichen Dienst ein: „Unsere Kolleginnen und Kollegen bei der Polizei, in Krankenhäusern, Gesundheits- und Jugendämtern, Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen leisten alle wertvolle Beiträge im Bereich der Gewaltprävention und Opferschutz. Um aber effektiver gegen Gewalt gegen Frauen vorgehen zu können, muss Opferschutz ganzheitlich und weniger punktuell gedacht werden. Dafür müssen unsere Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst besser untereinander vernetzt werden und gezielte und kontinuierliche Aus- und Fortbildungen erhalten.“

Zunehmend Sorge bereitet Kreutz auch das Problem von Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Netz. „Digitale Gewalt kommt in vielen Formen daher – Stalking, Hasskommentare, Drohungen, die Erstellung von Fake-Profilen. Das Ausmaß ist erschreckend. Jede zweite Frau hat so etwas schon erlebt und die damit verbundenen psychologischen Effekte sind nicht zu unterschätzen. Helfen kann dagegen nur ein striktes Vorgehen der zuständigen Behörden“, mahnte Kreutz.

Zwar seien Polizei und Justiz durch das im Frühjahr 2021 in Kraft getretene Gesetzespaket gegen Hass und Hetze im Internet in ihrer Handlungsfähigkeit gestärkt worden, die Wirkung der nationalen Gesetzgebung verpuffe jedoch im internationalen Kontext. Allein auf Facebook sei laut der unabhängigen Organisation Hate Aid, die Betroffene von digitaler Gewalt berät, jeder dritte gemeldete offensichtlich illegale Kommentar nicht entfernt worden. „Wir haben es hier mit einem internationalen Problem zu tun, das nur gemeinsam mit anderen Staaten gelöst werden kann. Dazu müssen wir auf europäischer Ebene ansetzen. Mit Blick auf den Verhaltenskodex zur Bekämpfung illegaler Hassreden im Internet, den die EU-Kommission gemeinsam mit Facebook, Microsoft, Twitter und Youtube eingeführt hat, wurde deutlich, dass die Herausforderungen im Zusammenhang mit Hass im Internet umfassender angegangen werden müssen. Der aktuelle Entwurf zur EU-Richtlinie über digitale Inhalte ist hier ein guter Anfang, allerdings noch nicht weitreichend genug.“

Hintergrund

Laut einer Länder-Befragung der Welt am Sonntag hatte die Polizei 2020 gut 6 Prozent mehr Betroffene häuslicher Gewalt als im Vorjahr registriert. Demnach stieg die offizielle Zahl der Betroffenen auf 158.477. Von einer deutlich höheren Dunkelziffer sei jedoch auszugehen. Auch das bundesweite Hilfetelefon bestätigte diese Entwicklung. Dort gingen im vergangenen Jahr 15 Prozent mehr Anfragen ein als noch 2019. Laut der Kriminalstatistischen Auswertung Partnerschaftsgewalt, die am 23. November vom BMFSFJ vorgestellt wurde, nahmen die Fälle von Gewalt in bestehenden und ehemaligen Partnerschaften 2020 ebenfalls zu, im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent. Die Zahl der Gewaltopfer in Partnerschaften stieg um 4,4 Prozent von 141.792 Opfern im Jahr 2019 auf 148.031 Opfer im Jahr 2020. Überwiegend betroffen sind Frauen, die 80,5 Prozent der Opfer ausmachen.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/frauen-besser-vor-gewalt-schuetzen-auch-im-internet.html


07.10.2021

Einkommensrunde: Entgelte rauf – Belastung runter: dbb frauen fordern 5 Prozent mehr für Landesbeschäftigte

Einen Tag vor dem Start der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Länder haben weibliche Beschäftigte des öffentlichen Dienstes für höhere Löhne demonstriert.

„Entgelte rauf – Belastung runter: Nach zwei Jahren Krisenbewältigung mit unvorhersehbarem Ausgang erwarten wir echte Wertschätzung für die Arbeit der Beschäftigten im Landesdienst. Und das muss sich vor allem in der Bezahlung niederschlagen: 5 Prozent mehr – mindestens aber 150 Euro sind gerecht", machte dbb frauen Chefin Milanie Kreutz am 7. Oktober 2021 bei einer Kundgebung vor der Geschäftsstelle der Tarifgemeinschaft deutscher Länder in Berlin deutlich.

Ein positiver Ausgang der Einkommensrunde würde, so Kreutz, vor allem den Frauen zugutekommen, die die Hauptlast der Pandemiebewältigung getragen hätten: „Knapp 60 Prozent der Beschäftigten im Landesdienst sind Frauen. In den Schulen machen Frauen sogar 70 Prozent der Beschäftigten aus. Viele von ihnen haben sich bei der Gestaltung des Unterrichts unter Pandemiebedingungen alleingelassen gefühlt. Die gesellschaftliche Anerkennung ihrer Arbeit hinkt ihrem Wert deutlich hinterher", betonte Kreutz. Jetzt sei es an den Arbeitgebenden, zu danken und Versäumtes wieder gut zu machen: „Die Gerechtigkeitslücken müssen geschlossen werden, indem wir die Löhne aufstocken – und zwar deutlich."

dbb Tarifchef Volker Geyer sieht die stichhaltigen Argumente auf der Seite der Gewerkschaften, wenn die Verhandlungen am 8. Oktober in Potsdam starten: „In den Krankenhäusern haben viele Fachkräfte dem öffentlichen Dienst während der Pandemie den Rücken gekehrt. Und auch in vielen anderen Bereichen war die Arbeitsbelastung besonders hoch, und die Anerkennung durch den Arbeitgeber hat hier oftmals mit den Belastungen nicht Schritt gehalten. Die TdL muss also wissen: Die Enttäuschung der Beschäftigten, dass die TdL jetzt sogar Verschlechterungen will und zu echter Wertschätzung nicht bereit zu sein scheint, ist riesengroß. Und ich kann die Kolleginnen und Kollegen gut verstehen!", rief Geyer den Demonstrierenden zu. Die Arbeitgebenden der Länder hätten keine Wahl, wenn sie nicht weiter über Personalmangel klagen wollen: „Die anstehenden Verhandlungen sind eine große Chance für die Länder, das Vertrauen ihrer Beschäftigten zurückzugewinnen. Wir erwarten morgen ein Angebot mit Substanz und ergebnisorientierte Verhandlungen."

Hintergrund

Am 8. Oktober 2021 starten in Berlin die Verhandlungen für den Tarifvertrag der Länder (TV-L). Davon sind 1,1 Millionen Tarifbeschäftigte der Bundesländer (außer Hessen, das eigene Verhandlungen führt) direkt betroffen sowie indirekt ca. 1,4 Millionen Beamtinnen und Beamte der entsprechenden Länder und Kommunen. Die zweite und dritte Verhandlungsrunde finden am 1./2. November 2021 und am 27./28. November 2021 in Potsdam statt.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/entgelte-rauf-belastung-runter-dbb-frauen-fordern-5-prozent-mehr-fuer-landesbeschaeftigte.html


06.10.2021

Europäischer Tag der pflegenden Angehörigen - Lohnersatzleistung für Pflegende muss kommen

Die Situation für pflegende Angehörige muss dringend verbessert werden, fordert dbb Chef Ulrich Silberbach gemeinsam mit dbb frauen und dbb senioren.

„In einem sind sich alle Parteien einig: Ein ‚Weiter so‘ soll es nicht geben. Das muss auch uneingeschränkt für die Weiterentwicklung der Pflegeversicherung gelten“, machte Ulrich Silberbach am 6. Oktober 2021, Europäischer Tag der pflegenden Angehörigen, deutlich. Der scheidenden Regierung attestierte Silberbach, eine wichtige Chance vertan zu haben. „Anstatt sich die nötige Zeit für eine umfassende Reform der Pflegeversicherung zu nehmen, haben sich die Verantwortlichen mit kosmetischer Detailarbeit aus der Affäre gezogen. Die künftigen Koalitionspartner haben jetzt die Gelegenheit, alles richtig zu machen und endlich diejenigen, die die Hauptlast der Pflege in unserer Gesellschaft tragen, ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Und das sind vor allem Frauen, die ihre Angehörigen privat pflegen.“

Als Mitglied im Beirat zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf hatte sich der dbb gemeinsam mit zahlreichen weiteren Verbänden und Interessenvertretungen eingebracht und konkrete Vorschläge für eine Lohnersatzleistung im Pflegefall vorgelegt. „Neben der Aufstockung der Betreuungsplätze in der Kurzzeitpflege muss endlich auch die Lohnersatzleistung für Pflegezeiten eingeführt werden“, forderte Silberbach.

dbb senioren: Pflegezeiten in der Alterssicherung besser anrechnen

Wer Angehörige pflegt, soll in der Alterssicherung bessergestellt werden, fordern die dbb senioren. „Für viele bedeutet ein Pflegefall in der Familie auch heute noch ein Alter in Armut. Und das betrifft vor allem Frauen, die mehr als 70 Prozent der Hauptpflegepersonen ausmachen. Sie stecken beruflich zurück, arbeiten lange in Teilzeit oder geben ihre Jobs sogar ganz auf, um Kinder, Kranke oder Alte zu pflegen. Das dürfen wir als Gesellschaft nicht länger tolerieren. Pflegezeiten müssen sich stärker als bisher renten- und versorgungserhöhend auswirken“, erklärte Dr. Horst-Günther Klitzing, Vorsitzender der dbb senioren. Die bisherigen Maßnahmen zur Abmilderung der Pflegelast reichten bei weitem nicht aus. „Die Möglichkeit, Versicherungsbeiträge je nach Pflegegrad an die Rentenversicherung abzuführen, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, kritisierte Klitzing.

dbb frauen: Gender Care Gap schließen

Vor allem Frauen, die die Hauptlast der privaten Pflege tragen, kann eine Lohnersatzleistung für Pflegezeiten entlasten, betonten auch die dbb frauen. „Einen Pflegefall kann man nicht planen wie eine Babypause. Man weiß nie, wann es einen trifft und für wie lange die Pflegesituation anhält. Sicher ist nur, wenn es einen trifft, dann muss alles sehr schnell gehen. Eine staatlich geförderte Auszeit in Form einer Lohnersatzleistung nach dem Vorbild des Elterngeldes verschafft Planungssicherheit und schützt viele Pflegende vor dem finanziellen Ruin“, erklärte dbb frauen Chefin Milanie Kreutz.

Von der künftigen Regierung forderte Kreutz zudem eine nachhaltige Strategie zur fairen Verteilung der familiären Sorgelasten. „Wir müssen Care-Arbeit entstigmatisieren. Auch für Männer muss es einfacher werden, Eltern- und Pflegezeiten in Anspruch zu nehmen und in Teilzeit zu arbeiten, wenn Angehörige ihre Unterstützung benötigen. Das kann nur durch einen gesellschaftlichen Wandel gelingen.“ Aber auch die Arbeitgebenden dürfen sich ihrer Verantwortung nicht entziehen. „Jeder Arbeitgebende hat es selbst in der Hand und kann für seine Beschäftigten ein familienorientiertes Arbeitsklima schaffen – mit guten Arbeitsschutzregelungen, familiengerechten Entwicklungsmöglichkeiten und familienfreundlichen Arbeitszeiten. Der öffentliche Dienst muss hier mit gutem Beispiel vorangehen“, forderte Kreutz.

Hintergrund

Rund 3,4 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Drei Viertel von ihnen werden zu Hause versorgt, davon 1,76 Millionen in der Regel allein durch ihre Angehörigen. Derzeit gehen Berechnungen von etwa 4,8 Millionen pflegenden Angehörigen aus. Davon sind rund 2,5 Millionen Menschen erwerbstätig. Sie müssen Pflege und Beruf gleichzeitig schultern. Mehr als 70 Prozent der Hauptpflegepersonen sind Frauen, die sich oft auch parallel um die Kinderbetreuung kümmern. Pflegende Angehörige sind damit die größte Pflegesäule in Deutschland.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/lohnersatzleistung-fuer-pflegende-muss-kommen.html


28.09.2021

Bundestagswahlen 2021 - Chance für gleichstellungspolitischen Aufbruch ergreifen

Die dbb frauen drängen auf eine schnelle und zielführende Regierungsbildung. Die sich bietende Chance für einen gleichstellungspolitischen Aufbruch muss gezielt genutzt werden.

„Die Wählerinnen und Wähler haben sich gegen ein politisches ‚Weiter so' entschieden. Die Gewinnerinnen und Gewinner der Bundestagswahlen sind jetzt am Zug, die ihnen gebotene Chance für einen schnellen und nachhaltigen Neustart zu nutzen. Gleichstellungspolitische Themen dürfen den Koalitionsverhandlungen nicht zum Opfer fallen“, machte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb frauen, am 28. September 2021 deutlich.

Auch frauen- und gleichstellungspolitisch sei das Land in Aufbruchstimmung. „Die Bürgerinnen und Bürger haben ihre Stimmen vor allem jenen Parteien gegeben, die progressive Vorschläge im Bereich der Frauen- und Familienpolitik vorgelegt haben. Die Parteien, die jetzt einen Anspruch auf Regierungsverantwortung erheben, sind in der Pflicht, diese Versprechen in lebendige Politik zu verwandeln. Dazu gehört auch ein paritätisch besetztes Kabinett", so die dbb frauen Chefin.

Angesichts des niedrigen Frauenanteils im neugewählten Bundestag mahnte Kreutz gleichstellungsfördernde Reformen als unausweichlich an: „Mit voraussichtlich 735 Abgeordneten wird der Bundestag so groß sein wie nie zuvor. Und dennoch ist nur gut jeder dritte Sitz im Parlament mit einer Frau besetzt. Wir brauchen eine echte Wahlrechtsform und dabei muss die Parität eine Rolle spielen. Es kann nicht sein, dass wir bei dieser Wahl nur knapp an einer Zweidrittelmehrheit für Männer im Bundestag vorbeigeschlittert sind. Wir können nicht weiterhin die Hälfte der Bevölkerung dieses Landes ausgrenzen, wenn es darum geht, nachhaltige Lösungen für Problemstellungen zu finden, die uns alle betreffen."

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/chance-fuer-gleichstellungspolitischen-aufbruch-ergreifen.html


03.09.2021

Bundestagswahlen 2021 - Digitalisierung: dbb frauen fordern Zukunftsplan

Digitalisierung und Gleichstellung müssen nach Auffassung des dbb und der dbb frauen Hand in Hand gehen. Dafür muss der öffentliche Dienst zum Innovationstreiber ausgebaut und das Mitbestimmungsrecht angepasst werden.

„Die Corona-Krise hat der Digitalisierung der Verwaltung einen enormen Schub verpasst. Diesen müssen wir nutzen, um die Versäumnisse der letzten Jahre aufzuholen“, stellte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, am 3. September 2021 auf der Hauptversammlung der dbb bundesfrauenvertretung in Berlin fest.

Vor allem, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, müsse jetzt Tempo gemacht werden. „Die digitalisierte Verwaltung hat Frauen so viel mehr zu bieten als nur Homeoffice“, gab Kreutz zu bedenken. „Führen in Teilzeit und Führen aus der Ferne sind bewährte Konzepte für familienfreundliches und flexibles Arbeiten, die mit Hilfe digitaler Arbeitsmittel in die Breite getragen werden müssen. Aber auch Empathie trotz Distanz und eine kontinuierliche Kommunikationsentwicklung gehören als zentrale Elemente der Führungskultur im öffentlichen Dienst dazu. Gleichzeitig müssen die neuen Arbeitsweisen unter Berücksichtigung der Diskriminierungsfreiheit in den Leistungskriterien und der Leistungsbewertung abgebildet werden.“

Mit Blick auf die Bundestagswahlen forderte Kreutz die Parteien auf, einen gleichstellungsorientierten Zukunftsplan für die Digitalisierung aufzustellen, in dem die Verwaltung als Innovationstreiber eingepreist wird: „In der digitalisierten Arbeitswelt gibt es viele innovative Ideen, die von der Politik mitbegleitet und ausgewertet werden müssen. Der öffentliche Dienst sollte erste Anlaufstelle der Politik für digitale Experimentierräume sein.“

Angesichts der zunehmend hybriden Ausrichtung der Verwaltungsarbeit muss laut dem dbb Bundesvorsitzenden Ulrich Silberbach vor allem auch das Mitbestimmungsrecht deutlich nachgeschärft werden: „Die Zulassung der elektronischen Kommunikation zwischen Personalrat und Dienststelle, die Verstetigung der Option zur Durchführung von Video- und Telefonkonferenzen und die Einfügung eines Mitbestimmungsrechts bei der Einführung von Telearbeit und mobiler Arbeit im neuen Bundespersonalvertretungsgesetz allein geben keine hinreichende Antwort auf die großen Herausforderungen der Digitalisierung. Weitere Schritte sind erforderlich, wie etwa bei der Einbindung der Personalvertretungen bei Fragen des Einsatzes von künstlicher Intelligenz bis hin zur Einräumung eines echten digitalen Zugangsrechts der Gewerkschaften zu den Beschäftigten. Letzteres ist vor dem Hintergrund neuer Arbeitsformen zur Wahrnehmung des im Grundgesetz verankerten Grundrechts auf koalitionsmäßige Betätigung zwingend erforderlich.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/digitalisierung-dbb-frauen-fordern-zukunftsplan.html


18.08.2021

Aus weiblicher Perspektive

Der Bundestagswahlkampf geht in die heiße Phase. Wer am 26. September 2021 die meisten Stimmen erhält und mit der Regierungsbildung beauftragt wird, ist bisher noch nicht abzusehen. Entscheidend für den Ausgang der Wahlen sind die Stimmen der wahlberechtigten Frauen, denn im September dieses Jahres sind zwei Millionen mehr Frauen als Männer wahlberechtigt.

Bereits Anfang des Jahres hatte die Konrad-Adenauer-Stiftung eine spannende Analyse zum Wahlverhalten der Deutschen für die anstehenden Bundestagswahlen herausgegeben. Darin zeigt sich deutlich: Wer die Wahl gewinnen möchte, muss um die Stimmen der weiblichen Wähler buhlen. Denn in allen Altersgruppen unter 60 Jahren gehen Frauen etwas häufiger zur Wahl. Lediglich bei den ab 70-Jährigen ist die Wahlbeteiligung der Männer deutlich höher als bei den Frauen.

Angesichts der (bisher!) eher mäßig erfolgreichen Präsentation der Spitzenkandidatinnen und -kandidaten werden die programmatischen Ziele der Parteien in den letzten Wochen vor dem Wahltag immer wichtiger. Als dbb frauen richten wir den Fokus in der aktuellen Wahlkampf-Debatte daher auf die Aspekte, die aus gleichstellungspolitischer Sicht dringend von der nächsten Bundesregierung angegangen werden müssen.

Denn die Parteien setzen ganz unterschiedliche Schwerpunkte, wenn es um die Förderung von Frauen und Familien geht. Damit Sie sich einen schnellen Überblick verschaffen können, haben wir in dieser Ausgabe die Wahlprogramme unter die Lupe genommen und die zentralen frauen- und familienpolitischen Kernaussagen der aktuell im Bundestag vertretenen Parteien zusammengefasst – die Belange der weibliche Beschäftigten im öffentlichen Dienst immer im Blick!


Eine ausführliche Tabelle finden Sie dazu auch auf der Homepage unter www.dbb-frauen.de. Wir hoffen, dass wir Ihnen mit dieser Analyse eine erste Orientierung bieten können. Doch vor allem möchten wir Sie damit ermutigen, Ihre Stimme einzubringen und für Ihre persönlichen Anliegen die beste Entscheidung zu treffen. Bitte denken Sie immer daran: Egal, ob im Wahllokal oder per Briefwahl – jede abgegebene Stimme zählt, Ihre ganz besonders!

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/fileadmin/user_upload/dbb_frauen/pdfs/frauen-im-dbb/2021/frauenimdbb_2104.pdf

08.07.2021

Bundesstiftung Gleichstellung - Wichtiges Versprechen endlich eingelöst

Lieber spät als nie: Die Bundesstiftung Gleichstellung hat am 7. Juli 2021 ihre Arbeit aufgenommen - und kann nun unter anderem Engagierte für die Gleichstellung vernetzen und unterstützen.

„Wir freuen uns, dass die Bundesregierung dieses wichtige Versprechen endlich einlöst“, betonte dbb frauen-Chefin Milanie Kreutz. „Wir hätten uns mit Blick auf die gleichstellungspolitischen Folgen der Coronakrise jedoch eine frühere Umsetzung gewünscht.“ Während der Pandemie sei das Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen noch sichtbarer als zuvor geworden.

Nun gelte es, die Folgen der Krise für die Gleichstellung der Geschlechter gemeinsam zu meistern. „Das Potenzial der Gleichstellungsstiftung ist groß“, erklärte Kreutz. Sie könne durch wissenschaftliches Arbeiten, Systematik und Struktur viel bewirken. „Erfolgreich kann sie letzten Endes jedoch nur sein“, so die dbb frauen-Chefin weiter, „wenn auch zivilgesellschaftliche Akteure und Akteurinnen rechtzeitig und umfassend in die Stiftungsarbeit eingebunden werden.“

Hintergrund

Die Bundesstiftung Gleichstellung wurde von der Bundesregierung auf den Weg gebracht, um die Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland zu stärken und fördern. Die Stiftung mit Sitz in Berlin wurde im Mai 2021 als rechtsfähige bundesunmittelbare Stiftung des öffentlichen Rechts errichtet.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/wichtiges-versprechen-endlich-eingeloest.html


12.05.2021

Kongress "Digitaler Staat" - Neues Verständnis von digitaler Führungskultur entwickeln

Ein neues Verständnis von Führung ist laut dbb frauen Chefin Milanie Kreutz die Basis, um digitales Arbeiten im öffentlichen Dienst auch für weibliche Beschäftigte zum Erfolgsmodell zu machen.

„Mobile Arbeit hat immenses Potenzial sowohl für Dienstherren als auch für Beschäftigte. Aber ohne verbindliche betriebliche Regelungen, die einen rechtssicheren Rahmen und gesunde Arbeitsbedingungen garantieren, stellt es signifikante Herausforderungen für Beschäftigte dar", machte dbb frauen Chefin Milanie Kreutz auf dem Behördenspiegelkongress „Digitaler Staat" am 12. Mai 2021 im Fachforum Digitales Arbeiten und Leadership 4.0 deutlich.

Insbesondere für die vielen weiblichen Beschäftigten sei digitales Arbeiten die große Chance, zusätzliche Flexibilität, neue Freiheiten und mehr Souveränität im Umgang mit der eigenen Arbeitszeit zu gewinnen. „Viele hochqualifizierte Frauen entscheiden sich bewusst für den öffentlichen Dienst, gerade weil sie ihre berufliche Karriere in Einklang mit dem Familienleben bringen wollen. Und auch immer mehr Männer schreiben die sogenannte Work-Life-Balance groß. Dafür brauchen wir passende Rahmenbedingungen wie etwa verbindliche Arbeitszeitregelungen und moderne technische Ausstattung. Vor allem aber ist ein neues Verständnis von digitaler Führungskultur gefragt. Diese muss ergebnisorientiert angelegt sein. Aufgaben müssen arbeitsteilig organisiert, Teams aus der Ferne gesteuert und effiziente Kommunikationsstile gefördert werden", stellte Kreutz heraus.

Die sogenannte ‚Vertrauensarbeitszeit‘ bringe sicherlich Vorteile mit sich, aber – entgegen der landläufigen Meinung – primär für Arbeitgebende und nicht für Beschäftigte. „Wir müssen die rigide Stechuhr-Mentalität zwar durchbrechen", so die dbb frauen Chefin, „aber wir müssen uns auch Gedanken über eine faire und transparente Arbeitszeiterfassung machen. Ein entsprechendes Urteil vom Europäischen Gerichtshof macht das sogar zur Pflicht."

Darüber hinaus mahnte Kreutz wiederholt die Notwendigkeit an, im Zuge der Verwaltungsmodernisierung auch das Leistungsbewertungssystem und die Beförderungssystematik zu reformieren, um bekannte Einfallstore für geschlechterspezifische Diskriminierung gezielt zu schließen.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/neues-verstaendnis-von-digitaler-fuehrungskultur-entwickeln.html


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07.04.2021

12. dbb bundesfrauenkongress: Zurück in die Zukunft – Frauenpolitik gestern, heute, morgen

Die Corona-Pandemie macht es nötig, die Digitalisierung möglich: Am 13. April 2021 findet der dbb bundesfrauenkongress unter dem Motto „Zurück in die Zukunft – Frauenpolitik gestern, heute, morgen“ erstmals digital statt.

Über eine digitale Kongressplattform sind die 350 Delegierten aus den dbb Mitgliedsgewerkschaften am 13. April 2021 ab 9 Uhr zugeschaltet, um die Weichen für die künftige frauenpolitische Arbeit im dbb zu stellen.

Neben der Wahl einer neuen Geschäftsführung stimmen die Delegierten über 307 Anträge und zehn Leitanträge ab. Anschließend werden im Rahmen einer Podiumsdiskussion aktuelle Themen der Frauen- und Familienpolitik mit Abgeordneten der Bundestagsfraktionen, einem Vertreter des Deutschen Städte- und Gemeindebunds sowie der neu gewählten Vorsitzenden der dbb bundesfrauenvertretung erörtert. Abschließend wird sich der dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach in einem gemeinsamen Schlusswort mit der neuen Vorsitzenden an die Teilnehmenden wenden.

Ab 9 Uhr berichten die dbb frauen tagesaktuell über die Wahlergebnisse und die Beratungen. Die öffentliche Veranstaltung, die um 15.30 Uhr beginnt, können Sie auf der Homepage und auf Facebook im Livestream verfolgen.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/zurueck-in-die-zukunft-frauenpolitik-gestern-heute-morgen.html



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