Gewerkschaft der Sozialverwaltung – Bundesverband
 

 

 



Die aktuelle Ausgabe des Magazins "Frauen im dbb - Das Magazin von Frauen für Frauen" finden Sie hier

02.02.2026

Frauen in Führung - dbb frauen fordern Konsequenzen statt Absichtserklärungen

Die Bundesregierung hat den Bericht zur Wirksamkeit des Bundesgleichstellungsgesetzes vorgelegt. Das Ergebnis zeigt weiteren Handlungsbedarf auf.

Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung begrüßte am 29. Januar 2026, dass der Bericht selbstkritisch in der Analyse der Umsetzung des Bundesgleichstellungsgesetzes sei und machte zugleich deutlich, dass aus ihrer Sicht weitere Schritte erforderlich sind: „Wer sich selbst Ziele setzt, muss sich auch an ihnen messen lassen. Der Bericht zeigt: Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Führungspositionen im Bund wurde bis 2025 nicht erreicht. Jetzt braucht es Konsequenzen statt weiterer Absichtserklärungen.“
Der Bericht zeige eine Bewegung in die richtige Richtung, aber noch eine große Lücke bis zur Gleichstellung. „Dass der Frauenanteil mit jeder höheren Führungsebene sinkt, ist Ausdruck eines strukturellen Problems“, erklärte Kreutz. „Wer heute noch glaubt, es regle sich von selbst, ignoriert die Fakten dieses Berichts. Solange Frauen in den Spitzenpositionen der Bundesverwaltung nicht gleichberechtigt vertreten sind, bleibt der Anspruch des Bundes hinter der Realität zurück. Fortschritte sind nun Mal kein Ersatz für Parität.“
Gleichstellungspläne stärker als Steuerungsinstrument nutzen
Kreutz weiter: „Das Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG) ist ein starkes Instrument. Doch seine Wirkung hängt davon ab, ob es als verbindliche Leitlinie oder als formale Pflicht verstanden wird. Zu oft erleben wir Letzteres.“ Der Bericht mache deutlich, dass das BGleiG zwar wirke, seine Instrumente jedoch häufig zu formal angewendet werden.
Konkret bedeute das, dass Gleichstellungspläne vielerorts als Pflichtübung behandelt werden, statt als verbindliches Steuerungsinstrument für Personalentwicklung und Organisationskultur genutzt zu werden. Zudem seien Auswahlverfahren, Beurteilungen und Beförderungen weiterhin nicht frei von strukturellen Verzerrungen.
„Gleichstellungspläne dürfen kein administratives Ritual sein,“ betonte Kreutz. „Sie müssen strategisch eingesetzt werden, mit klaren Zielen, überprüfbaren Maßnahmen und echter Verantwortung auf Führungsebene. Gleichzeitig sind Leistungsbeurteilungen ein zentrales Nadelöhr für Karrieren.“ Wenn Frauen dort seltener Spitzenbewertungen erhalten, sei das ganz sicher kein Zufall. Frauen werden zwar häufiger eingestellt, aber nicht im gleichen Maße befördert. Der Bericht mache deutlich, dass der Aufstieg noch immer langsamer und unsicherer verläuft. „Wir dbb frauen weisen seit Jahren darauf hin, dass bestehende Bewertungskriterien strukturelle Benachteiligungen reproduzieren und dringend überarbeitet werden müssen.“
Ein Blick in die Staatsmodernisierungsagenda der Bundesregierung unterstreicht diese Einschätzung. Dort beschreibt die Bundesregierung selbst die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen weiterhin als gesetzliches Ziel und verweist auf geplante Maßnahmen wie Monitoring, ressortübergreifenden Austausch, Mentoringprogramme und den Ausbau von Führungsmodellen in Teilzeit.
„Die Bundesregierung hat sich in der Staatsmodernisierungsagenda klare Ziele und sinnvolle Instrumente gesetzt. Der Bericht zeigt nun sehr transparent, wo wir auf dem Weg dorthin stehen“, erklärte die Vorsitzende. „Genau darin liegt die Chance: Die Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung ist sichtbar und kann jetzt gezielt geschlossen werden. Entscheidend wird sein, die gesetzten Ziele künftig noch verbindlicher zu hinterlegen und konsequent nachzuhalten.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/dbb-frauen-fordern-konsequenzen-statt-absichtserklaerungen.html


27.01.2026

Arbeitsmarkt - Arbeitspolitik der Union geht an Lebensrealität der Frauen vorbei

Der jüngste Vorstoß, das Recht auf Teilzeit einzuschränken, ist nur die Spitze des Eisbergs. Zusammen betrachtet bedeuten die CDU-Pläne eine erschwerte Erwerbstätigkeit für Frauen.

Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung betonte am 27. Januar 2026: „Wenn Frauen trotz hoher Qualifikation und Arbeitsbereitschaft strukturell daran gehindert werden, existenzsichernd zu arbeiten, ist das kein individuelles Problem, sondern ein politisches Versagen.“ Die CDU plant, die Tageshöchstarbeitszeitgrenze aufzuheben, stellt das Recht auf Teilzeit als sogenannte ‚Lifestyle‘-Teilzeit in Frage und will zugleich den Kündigungsschutz für Topverdienende lockern. „Das macht deutlich, wie wenig diese Debatten die Lebensrealität vieler Frauen berücksichtigen. Solange sich Erwerbsarbeit für einige Frauen weniger lohnt als Heiraten, läuft etwas grundlegend falsch“, kritisierte Kreutz.
Union-Vorschläge verschärfen Betreuungskonflikte
Frauen tragen seit Jahrzehnten die Hauptlast von bezahlter und unbezahlter Sorgearbeit, erklärte die dbb frauen-Chefin „Aber statt sie dafür zu belohnen, benachteiligt sie das System im Erwerbsleben und in der Altersabsicherung. Wer Fachkräfte sichern will, muss endlich aufhören, Frauen in die ökonomische Abhängigkeit zu drängen.“ Die von der Unionsfraktion vorgeschlagene Liberalisierung der täglichen Höchstarbeitszeit verschärft Betreuungskonflikte für Familien und zementieren überholte Rollenbilder.
Auch das Steuersystem müsse überholt werden: „Das Ehegattensplitting und die Steuerklassenwahl 3 und 5 setzen schlicht und einfach falsche Anreize. Sie fördern ein Modell, in dem Frauen ihre Erwerbstätigkeit reduzieren oder ganz aufgeben, anstatt wirtschaftliche Eigenständigkeit zu stärken. Ein Steuersystem, das Zuverdienst bestraft, hält Frauen bewusst klein und bremst ihre berufliche Entwicklung.“ Hinzu komme, dass 520-Euro-Minijobs kein Sprungbrett in existenzsichernde Beschäftigung seien, „sondern faktisch eine Sackgasse für viele Frauen sind. Statistisch gesehen bleiben viele Frauen dauerhaft im Niedriglohnsektor gefangen, wenn sie sich einmal für einen Minijob entschieden haben“, so Kreutz.
Der politische Wille fehlt
„Teilzeitarbeit darf nicht länger das Ende von Karriere und Führungsverantwortung bedeuten. Fehlende Führungsoptionen in Teilzeit sind kein Naturgesetz, sondern Ausdruck veralteter Arbeitsstrukturen.“ Zahlreiche Beispiele aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft, in denen Führung in Teilzeit längst erfolgreich praktiziert wird, zeigen, dass es auch anders geht. „Was fehlt, ist nicht die Machbarkeit, sondern der politische Wille, moderne Arbeitsmodelle flächendeckend zu ermöglichen und verbindlich zu fördern“, erklärte Kreutz.
In der Debatte spielt die Frauen Union der CDU eine zentrale Rolle. Die dbb frauen-Chefin sucht daher den Dialog: „Wir schlagen der Frauen Union ein konstruktives Gespräch vor, um gemeinsam zu diskutieren, wie Erwerbstätigkeit von Frauen real gestärkt werden kann.“


Quelle: https://www.dbb.de/artikel/arbeitspolitik-der-union-geht-an-lebensrealitaet-der-frauen-vorbei.html


09.01.2026

Kinderkrankengeld - Kreutz: „Positives Signal für Familien“

Die Sonderregelungen aus der Coronazeit zur Freistellung bei Erkrankung eines Kindes gelten weiter. Die dbb frauen begrüßen das ausdrücklich. So sehen die Regelungen aus:

Für Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende, bedeutet die Verlängerung mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „Dass die erweiterten Kinderkrankentage auch 2026 gelten, ist ein wichtiges und positives Signal an Familien und insbesondere an Frauen, die nach wie vor den Großteil der Sorgearbeit schultern. Verlässliche Regelungen beim Kinderkrankengeld sind die Voraussetzung dafür, dass Vereinbarkeit im Alltag tatsächlich funktioniert.“

Diese Regelungen gelten:

  • Eltern können 15 Arbeitstage pro Kind Kinderkrankengeld für die häusliche Betreuung eines kranken Kindes in Anspruch nehmen, statt regulär zehn.
  • Alleinerziehende haben weiterhin Anspruch auf 30 Arbeitstage pro Kind, statt regulär 20.
Bei mehreren Kindern beträgt der jährliche Gesamtanspruch:

  • 35 Arbeitstage pro Elternteil, statt 25
  • 70 Arbeitstage für Alleinerziehende, statt 50
Insbesondere Alleinerziehende, überwiegend Frauen, werden auf diese Weise gezielt entlastet. Kreutz weiter: „Gerade Alleinerziehende brauchen Planungssicherheit; keine Unsicherheit darüber, ob sie Beruf und Kinderbetreuung miteinander vereinbaren können.“
Denn: Frauen tragen nach wie vor den überwiegenden Teil der Sorgearbeit und profitieren daher besonders von verlässlichen Regelungen beim Kinderkrankengeld. „Sorgearbeit gehört zur Lebensrealität von Familien und muss bei Arbeitsbedingungen und sozialer Absicherung strukturell mitgedacht werden“, erklärte die dbb frauen-Chefin. „Familienfreundliche Rahmenbedingungen dürfen nicht nur in Ausnahmesituationen gelten, sondern müssen dauerhaft verlässlich sein. Deshalb sollte die Regelung perspektivisch dauerhaft entfristet und an die Lebensrealitäten von Familien angepasst werden.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/kreutz-positives-signal-fuer-familien.html


19.12.2025

Fachtagungsbroschüre erschienen - Frauenfeindlichkeit benennen und abwehren

Die Bedrohungen für Frauenrechte und Gleichstellung nehmen zu. Wie Frauenfeindlichkeit operiert und wie sich die Gesellschaft wehren kann, zeigt die neue Fachbroschüre.

„Engagierte Frauen sollten sich nicht mehr vor sexistischen Gegenkampagnen fürchten müssen. Es gibt viele Strategien und Verbündete im Kampf gegen Antifeminismus. Diese Broschüre soll als Leitfaden dienen, Frauenfeindlichkeit zu benennen, sich dagegen zu wehren und Schutzmechanismen für die Zukunft aufzubauen“, erklärte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende am 19. Dezember 2025 in Berlin.
Die Broschüre baut auf den Ergebnissen der 19. Frauenpolitischen Fachtagung der dbb frauen auf, die am 15. Mai 2025 in Berlin stattfand. Der Titel der Veranstaltung – und damit der Broschüre – lautet: „Richtung Zukunft: Frauenrechte stärken und Demokratie bewahren im Kampf gegen Extremismus und Populismus“. Die Broschüre ist ab sofort auf dbb-frauen.de/publikationen/fachpublikationen als PDF-Download erhältlich. Physische Exemplare können kostenlos über frauen@dbb.de angefordert werden.
Gegliedert ist die Broschüre in fachliche Beiträge und Einordnungen aus Wissenschaft, Politik und Gewerkschaftsarbeit. Johanna Niendorf, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Else Frenkel Brunswik Institut für Demokratieforschung an der Universität Leipzig, beleuchtet die Zusammenhänge von Antifeminismus und autoritären Strömungen. Prof. Dr. Wolfgang Merkel, emeritierter Direktor am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, analysiert die Herausforderungen einer wehrhaften Demokratie. Konkrete Gegenstrategien stellt Katharina Kaluza vom Deutschen Frauenrat vor. Die Vorsitzende Milanie Kreutz und der dbb Bundesvorsitzende Volker Geyer ordnen die Bedeutung von Gleichstellung aus Perspektive des öffentlichen Dienstes ein. Ergänzt werden die Beiträge durch zahlreiche Impressionen der Fachtagung, die den Austausch und die politische Debatte anschaulich dokumentieren.
„Die Aufzeichnung der Tagungsergebnisse soll dazu einladen, sich selbst einen Einblick zu verschaffen und die Impulse als Anregung für die eigene gewerkschaftliche Arbeit zu nutzen“, betonte Kreutz. „Aber die Broschüre macht auch deutlich: Der Einsatz gegen Antifeminismus ist kein Einzelkampf. Staatliche und zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure stehen an unserer Seite, um Diskriminierung entschieden entgegenzutreten und Gleichstellung als selbstverständlichen Maßstab zu verankern.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/frauenfeindlichkeit-benennen-und-abwehren.html


17.12.2025

Gender Pay Gap - Stillstand bei Entgeltgleichheit ist ein Warnsignal

Das Statistische Bundesamt hat neue Zahlen veröffentlicht. Demnach stagniert der unbereinigte Gender Pay Gap bei 16 Prozent.

„Das zeigt, dass strukturelle Benachteiligungen von Frauen am Arbeitsmarkt weiterhin bestehen und politische Maßnahmen noch nicht ausreichen. Stillstand bei der Entgeltgleichheit ist kein neutraler Befund, sondern ein politisches Warnsignal“, betonte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende am 17. Dezember 2025 in Berlin. Auch der bereinigte Gender Pay Gap hat sich nicht bewegt und liegt weiterhin bei sechs Prozent. Kreutz: „Selbst bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie besteht weiterhin ein geschlechtsspezifischer Nachteil, der nicht allein durch individuelle Faktoren erklärbar ist.“
Öffentlicher Dienst trägt besondere Verantwortung
Der öffentliche Dienst steht mit einem Lohnunterschied von nur vier Prozent deutlich besser da als die Privatwirtschaft (17 Prozent). Die dbb frauen-Chefin machte klar: „Der deutlich geringere Gender Pay Gap im öffentlichen Dienst zeigt, dass Lohntransparenz, Tarifbindung und klare Laufbahnregelungen wirken. Wo Bezahlung nachvollziehbar geregelt ist, schrumpft die Lohnlücke. Der öffentliche Dienst trägt eine besondere Verantwortung, weil er zeigen kann, wie faire Arbeitsbedingungen konkret aussehen.“
Entgeltgleichheit ende aber nicht beim Stundenlohn, sondern entscheide sich vor allem beim Zugang zu Beförderung und Führungspositionen sowie bei Beurteilungspraktiken, unterstrich Kreutz: „Ein diskriminierungsfreies Fortkommen im öffentlichen Dienst heißt, dass Leistung zählt und nicht etwa eine Vollzeittätigkeit oder Präsenz im Büro. Gerade der öffentliche Dienst muss zeigen, dass Führung und Entwicklung auch in reduzierter Arbeitszeit und mit Fürsorgeverantwortung möglich sind.“ Auch die Elternzeit dürfe für junge Eltern nicht zu einem Karriereknick führen. „Elternzeitmonate müssen zumindest mit einem Mindestumfang auf die Stufenlaufzeit angerechnet werden“, forderte Kreutz.
„Ebenso zentral ist die Frage der Eingruppierung. Unklare oder veraltete Tätigkeitsbeschreibungen führen dazu, dass gleichwertige Arbeit systematisch unterbewertet wird, besonders in Berufsgruppen, in denen überwiegend Frauen tätig sind. So wird strukturelle Benachteiligung fortgeschrieben“, erklärte die dbb Vize. Der öffentliche Dienst könne und müsse beweisen, dass leistungsbezogene Bezahlung und Karriereentwicklung frei von struktureller Benachteiligung möglich sind und damit Maßstäbe für den gesamten Arbeitsmarkt setzen. „Am Ende des Tages ist Entgeltgleichheit eben keine Frage von Geduld, sondern von politischem Willen und struktureller Konsequenz.“
Hintergrund
Das Statistische Bundesamt hatte am 16. Dezember 2025 neue Zahlen zum Gender Pay Gap veröffentlicht. Im Jahr 2025 lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen (22,81 Euro) deutlich unter dem der Männer (27,05 Euro). Der unbereinigte Gender Pay Gap ist wesentlich ausgeprägter in Westdeutschland (17 Prozent) als in Ostdeutschland (5 Prozent). Sowohl der unbereinigte als auch der bereinigte Gender Pay Gap lagen im Vorjahr bereits bei 16 bzw. sechs Prozent.


Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/stillstand-bei-entgeltgleichheit-warnsignal-benachteiligung-frauen-arbeit-kreutz.html


24.11.2025

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen - 100 Prozent Sicherheit, Null Prozent Toleranz bei Gewalt

Gewalt gegen Frauen muss entschieden bekämpft werden. Frauen müssen sich überall sicher fühlen können – zuhause wie am Arbeitsplatz. 

„Gewalt, sexuelle Belästigung und Mobbing am Arbeitsplatz – das ist ein absolutes No-Go!“, betonte der dbb Bundesvorsitzende Volker Geyer am 24. November 2025 in Berlin, einen Tag vor dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst sind Frauen, jede zweite wurde schon einmal bei ihrer Tätigkeit behindert, beschimpft oder tätlich angegriffen. Von sexueller Gewalt sind am häufigsten Frauen betroffen. „Die Politik darf nicht weiter tatenlos zusehen, sondern muss den Frauen den Rücken stärken. Wir brauchen eine systematische Erfassung der Angriffe sowie gut entwickelte Methoden für Prävention, Reaktion und Nachsorge“, forderte der dbb-Chef.
Der öffentliche Dienst habe beim Schutz vor Gewalt eine Vorbildrolle. „Ein sicherer Arbeitsplatz bedeutet auch, dass man ohne Sorge vor verbalen oder physischen Übergriffen dort arbeiten kann. Der Schutz seiner Beschäftigten hat für den Dienstherrn oberste Priorität“, stellte Geyer klar. Die zunehmende Verrohung der Gesellschaft besorge ihn zutiefst. „Jeder Angriff auf die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes ist auch ein Angriff auf den Staat und unsere Demokratie. Schluss damit.“

Handeln statt wegsehen

Für Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende, ist der Schlüssel für den Kampf gegen Gewalt an Frauen das Gewalthilfegesetz: „Die Verabschiedung war nur der erste Schritt, jetzt geht es darum, die Maßnahmen so schnell wie möglich umzusetzen. Die Strukturen zum Schutz von Betroffenen und zur Verfolgung von Tätern müssen dauerhaft verankert werden.“ Durch das Gewalthilfegesetz werden Frauenhäuser und Beratungsstellen nachhaltig finanziert. „Schutz darf keine Frage des Wohnorts sein. So kommt die Hilfe dort an, wo sie gebraucht wird: bei den Frauen.“ Entscheidend sei dabei der Rechtsanspruch auf Schutz vor Gewalt: Frauen, die von Gewalt betroffen sind, erhalten künftig einen verbindlichen Anspruch auf Unterstützung. Kreutz weiter: „Gewaltschutz ist kein Privileg, sondern ein Grundrecht.“

Gewalt gegen Frauen sei kein Randphänomen, sondern eine tägliche Realität. Denn: Die meisten Angriffe erleben Frauen zuhause – allein 2023 wurden 180.000 Frauen und Mädchen Opfer von häuslicher Gewalt. „Diese erschreckenden Zahlen stehen für unzählige einzelne Schicksale. Wir dürfen nicht wegsehen. 100 Prozent Sicherheit, null Prozent Toleranz bei Gewalt, sexueller Belästigung und Mobbing. So muss das Credo lauten“, unterstrich Kreutz. Auch der Kampf gegen häusliche Gewalt sei Aufgabe des öffentlichen Dienstes: „Ein öffentlicher Dienst, der Vertrauen verdient, schützt Betroffene ohne Zögern und stellt Täter zur Verantwortung.“

Die Welt sieht orange

Um auf den Kampf gegen Gewalt an Frauen aufmerksam zu machen, nehmen die dbb frauen an der diesjährigen Kampagne „Orange the World“ der UN Women teil. Beginnend am Tag gegen Gewalt an Frauen organisieren die UN Women eine zweiwöchige Kampagne, die bis zum 10. Dezember 2025, dem Tag der Menschenrechte, geht. Möglichkeiten, sich im Rahmen der Kampagne zu engagieren gibt es viele: Posts auf Social Media, Aufklärung am Arbeitsplatz oder in der Schule oder Farbe bekennen, indem man orange trägt, orangenes Licht ans Fenster stellt oder orange Bänke aufstellt. Seit 2023 sind die dbb frauen Teil der deutschen Delegation der UN Women. 

Quelle: https://www.dbb.de/artikel/100-prozent-sicherheit-null-prozent-toleranz-bei-gewalt-gegen-frauen-mobbing-oeffentlicher-dienst-praevention-taeter-gesellschaft.html


12.11.2025

Teilzeit-Einschränkungen - Politisches Versagen darf nicht auf dem Rücken der Frauen ausgetragen werden

Bayern kündigt an, die familienpolitische Teilzeit für alle Beamtinnen und Beamten ab 2027/2028 einzuschränken. Die dbb frauen kritisieren das Vorgehen und warnen vor Nachahmern.

Wenn Bayern jetzt den Rückwärtsgang in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf einlegt, dürfe das keine Blaupause für andere Länder werden. Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende, machte am 12. November 2025 in Berlin deutlich: „Politisches Versagen darf nicht auf dem Rücken der Frauen ausgetragen werden. Wer so handelt, gefährdet das Vertrauen der Beschäftigten in den öffentlichen Dienst als familienfreundlichen Arbeitgeber. Und ich sage an dieser Stelle unmissverständlich: Wer glaubt, mit Einschränkungen an der familienpolitischen Teilzeit - sei es durch eine höhere Mindeststundenzahl oder eine abgesenkte Altersgrenze für Kinder - etwa dem Fachkräftemangel zu begegnen, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Wir gewinnen keine Lehrkräfte, keine Verwaltungsfachkräfte und keine Pflegekräfte, indem wir ihre Lebensrealitäten ignorieren. Im Gegenteil: Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, die ihnen Luft zum Atmen lassen und nicht solche, die sie zusätzlich belasten.“ Der überwiegende Teil der Lehrkräfte in Deutschland sind Frauen. „Schule muss daher aus Sicht der Gleichstellungspolitik besonders bedacht werden“, hob Kreutz hervor.

Die dbb bundesfrauenvertretung setzt sich seit jeher dafür ein, die Erwerbstätigkeit von Frauen zu steigern und ihre finanzielle Unabhängigkeit zu sichern. Voraussetzung dafür sind jedoch verlässliche und familiengerechte Arbeitsbedingungen. „Teilzeit einzuschränken, statt auf gute Führung und flexible Arbeitsmodelle zu setzen, ist ein Irrweg“, betonte Kreutz. „Moderne Verwaltungen brauchen Vertrauen in die Beschäftigten, keine Misstrauenskultur. Wenn dringende dienstliche Gründe vorliegen, ist es eine Aufgabe der Führung, das zu lösen. Teilzeit ist kein Zugeständnis, sondern häufig die Voraussetzung dafür, Familie, Pflege und Beruf überhaupt miteinander vereinbaren zu können.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/politisches-versagen-darf-nicht-auf-dem-ruecken-der-frauen-ausgetragen-werden.html


10.11.2025

Lohngleichheit - Transparenz braucht klare Regeln, sonst ist sie keine

Die Kommission „Bürokratiearme Umsetzung der Entgelttransparenzrichtlinie“ hat ihren Abschlussbericht vorgelegt. Die dbb frauen warnen vor den Folgen.

„Entgelttransparenz darf nicht unter dem Schlagwort ‚Entbürokratisierung‘ abgeschwächt werden“, unterstrich Synnöve Nüchter, Beisitzerin der Geschäftsführung der dbb bundesfrauenvertretung und Präsidentin der FEMM-Kommission im europäischen Gewerkschaftsbund CESI, am 10. November 2025 in Berlin. „Selbstverständlich fordern auch wir Entbürokratisierung, aber eben im Sinne der Beschäftigten. Weniger Bürokratie darf nicht weniger Rechte bedeuten.“ Das Ziel müsse sein, Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten und zugleich die Lebensrealität von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu verbessern. Nüchter betonte: „Entgelttransparenz ist kein bürokratisches Hindernis, sondern die Voraussetzung für Fairness. Nur wer weiß, wie bezahlt wird, kann Ungerechtigkeiten erkennen und beheben.“

Zentrales Problem der geplanten bürokratiearmen Umsetzung ist, dass die Arbeitsbewertung und die Berichtspflichten zu vage bleiben. Wenn Arbeitgebende also zu viel Spielraum erhalten, selbst zu entscheiden, wie sie Tätigkeiten vergleichen oder Daten auswerten, besteht die Gefahr, dass strukturelle Lohnunterschiede unsichtbar bleiben. Die dbb frauen fordern daher transparente und einheitliche Kriterien für Arbeitsbewertung und Berichtspflichten, um strukturelle Lohnungleichheit sichtbar zu machen.
Gleichwertige Arbeit ist gleich zu bezahlen
„Auch in Tarifverträgen muss gelten: Gleichwertige Arbeit ist gleich zu bezahlen. Der Hinweis auf Tarifautonomie entbindet nicht von der Pflicht, Diskriminierungen zu vermeiden. Bisher wird oft angenommen, dass tarifliche Aushandlung automatisch Gerechtigkeit schafft. Das stimmt so leider nicht”, stellte Nüchter klar. Gerade in vielen Entgeltordnungen von Tarifverträgen zeigen sich bei der Einordnung gleichwertiger Tätigkeiten strukturelle Verzerrungen, die sich über Jahrzehnte verfestigt haben. „Solche Unterschiede spiegeln keine objektiven Anforderungen wider, sondern tradierte Rollenmuster. Sie müssen endlich korrigiert werden.“
Bis Juni 2026 muss Deutschland die Entgelttransparenzrichtlinie umsetzen. „Jetzt liegt es an der Bundesregierung, sie fristgerecht und mit Substanz auszufüllen. Wenn es keine klaren und verbindlichen Maßstäbe für Arbeitsbewertung und Berichtspflichten gibt, entsteht ein Flickenteppich aus Eigeninterpretationen. Entgeltgleichheit darf nicht an politischen Zeitplänen scheitern. Wir brauchen Lohngleichheit jetzt. Die Regierung darf die Umsetzung der Richtlinie nicht auf die lange Bank schieben“, so Nüchter.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/transparenz-braucht-klare-regeln-sonst-ist-sie-keine.html


06.11.2025

EU-Richtlinie umsetzen - Familien brauchen Vereinbarkeit jetzt – nicht 2027

Eigentlich musste die EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zum 2. August 2022 umgesetzt werden. Doch die Bundesregierung verzögert die Umsetzung.

„Seit Jahren sucht Deutschland nach Ausflüchten und schiebt die Umsetzung auf die lange Bank“, kritisierte Synnöve Nüchter, Beisitzerin in der Geschäftsführung der dbb bundesfrauenvertretung und Vorsitzende der CESI FEMM, am 6. November 2025 in Berlin. „Zur Klarstellung: Deutschland ist völker- und unionsrechtlich verpflichtet, alle Mindeststandards der Richtlinie umzusetzen.“
Der geplante Entwurf und Umsetzung zur Familienstartzeit gehen den dbb frauen nicht schnell genug. Sie pochen daher auf eine zügige Umsetzung der Richtlinie: „Die zehntägige bezahlte Freistellung für das zweite Elternteil nach der Geburt ist ein eigenständiger Anspruch, der weder durch Elternzeit noch durch Elterngeld ersetzt werden kann. Er stärkt die frühe Bindung zwischen Eltern und Kind und ist damit ein zentrales Element echter Gleichstellung“, betonte Nüchter.

Familienpolitik ist nicht nur Fürsorgepolitik

„Viele junge, gut ausgebildete Frauen bleiben zunehmend kinderlos, weil sie sich nicht unterstützt fühlen. Weil Strukturen fehlen, die Familie und Beruf tatsächlich vereinbar machen“, unterstrich Nüchter. Fehlende Vereinbarkeit verschärfe langfristig genau die Probleme, die Wirtschaft und Gesellschaft zunehmend herausfordern: zu wenige Fachkräfte, zu hohe Sozialbeiträge, wachsende Ungleichheit. „Familienpolitik ist doch nicht nur Fürsorgepolitik! Sie ist Standort- und Wirtschaftspolitik, Zukunftssicherung und Förderung von Chancengleichheit zugleich.“
Es sei paradox, so die CESI FEMM-Vorsitzende: „Wir beklagen einerseits den Fachkräftemangel und die steigenden Belastungen unserer Sozialsysteme, erschweren aber jungen Eltern nach wie vor die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben. Das sind Signale einer Politik, die Vereinbarkeit noch immer als private Herausforderung statt als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreift.“

CESI FEMM
Die FEMM ist die Kommission für Frauenrechte und Geschlechtergleichheit innerhalb des europäischen Verbands unabhängiger Gewerkschaften (CESI). Seit Mai 2025 ist Synnöve Nüchter Vorsitzende der Kommission.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/familien-brauchen-vereinbarkeit-jetzt-nicht-2027.html


05.11.2025

Frauen in Führungspositionen - Gleichstellung muss verbindlich werden

Laut Destatis sind in Deutschland nur 29,1 Prozent der Führungskräfte Frauen, weit unter EU-Durchschnitt (35,2 Prozent).

„Dass Deutschland beim Frauenanteil in Führungspositionen weiter unter dem EU-Durchschnitt liegt, ist ein Alarmsignal für ein Land, das die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern ermöglichen will. Die Zahlen sind ein klares Signal, dass Gleichstellungspolitik verbindlicher werden muss, insbesondere beim Führungspositionengesetz II. Freiwilligkeit allein hat uns nicht weitergebracht”, betonte Michaela Neersen, stellvertretende Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, am 3. November 2025.
Selbst im öffentlichen Dienst, der als Vorbild dienen sollte, ist die Parität noch nicht erreicht: In den obersten Bundesbehörden liegt der Frauenanteil in Führungspositionen zwar höher, aber mit 44,3 Prozent ebenfalls unter dem Zielwert von 50 Prozent, der laut Führungspositionengesetz II bis Ende 2025 erreicht werden soll. Zählt man auch die nachgeordneten Behörden, Körperschaften und Anstalten hinzu, liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte in der gesamten Bundesverwaltung bei durchschnittlich 47 Prozent. Damit wird das Ziel der gleichberechtigten Teilhabe bis 2025 voraussichtlich nicht vollständig erreicht.

Mehr als gute Absichten nötig

Neersen weiter: „Vorbild sein heißt, Maßstäbe zu setzen. Wenn die Bundesverwaltung Gleichstellung ernst nimmt, muss sie zeigen, dass Parität nicht nur Ziel, sondern gelebte Realität sein muss. In der Bundesverwaltung hat es Fortschritte gegeben, aber das Ziel der gleichberechtigten Teilhabe bis 2025 wird verfehlt. Wir brauchen mehr als nur gute Absichten!“ Der öffentliche Dienst sei näher an den Menschen als jeder andere Arbeitgeber. „Auch bei der gleichberechtigten Repräsentation in Führungspositionen muss der öffentliche Dienst eine tragende Säule sein. Damit würde er auch ein starkes Signal an Wirtschaft und Gesellschaft senden.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/gleichstellung-muss-verbindlich-werden.html


24.10.2025

Gewalt gegen Frauen - Wir brauchen Lösungen – keine aufgeheizten Debatten

180.715 Frauen wurden laut BKA 2023 Opfer häuslicher Gewalt. Das Gewalthilfegesetz schafft einen Rechtsanspruch auf Schutz und Zuflucht – jetzt muss es umgesetzt werden.

„Gewalt gegen Frauen ist kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Problem unserer Gesellschaft. Um dieses Problem anzugehen, brauchen wir konsequentes Handeln, keine aufgeheizten Debatten“, betonte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende, am 24. Oktober 2025 in Berlin. „Unser Ziel war und bleibt, Gewalt gegen Frauen entschieden zu bekämpfen, Betroffene zu schützen und präventive Strukturen dauerhaft zu verankern. Damit das funktioniert, muss das Gewalthilfegesetz endlich in der Fläche umgesetzt werden.“

Die aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) zeigen, wie gravierend das Problem ist:
• 180.715 Frauen wurden Opfer häuslicher Gewalt – das sind 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr.
• 70,5 Prozent aller Opfer häuslicher Gewalt sind weiblich.
• Bei Partnerschaftsgewalt liegt der Anteil sogar bei 79,2 Prozent.
• 148.062 Tatverdächtige wurden gezählt, 89,5 Prozent davon Männer.
• Am stärksten betroffen sind Frauen zwischen 30 und 40 Jahren – also mitten im Berufs- und Familienleben.

Zeit für politische Entschlossenheit

Für die dbb frauen-Chefin sind diese Zahlen ein Weckruf: „Gewalt an Frauen darf niemals politisiert werden. Die Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt darf kein Stückwerk bleiben.“ Drei Stellschrauben seien dafür nötig: „Kommunen brauchen Mittel und Personal, um Schutzräume und Beratungsstellen zu sichern. Polizei und Justiz brauchen Zeit, Technik und Rückhalt, um Täter konsequent zu verfolgen. Und wir alle brauchen einen politischen Diskurs, der nicht spaltet, sondern Verantwortung übernimmt", forderte Kreutz. Jetzt sei die Zeit für Entschlossenheit, Kooperation und Respekt gegenüber denen, die täglich für Sicherheit und Zusammenhalt sorgen. „Sie brauchen Rückhalt, keine Symbolpolitik."
Mit dem Gewalthilfegesetz existiert bereits ein zentrales Instrument für den Schutz vor häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt. Zum ersten Mal besteht ein verbindlicher Rechtsanspruch auf Schutz, Beratung und Zuflucht. Frauen, die von Gewalt bedroht oder betroffen sind, haben jetzt einen gesetzlich garantierten Anspruch auf Hilfsangebote und Schutzräume – unabhängig von Einkommen oder Wohnort. Das Gesetz ist zudem mit präventiven Maßnahmen wie der elektronischen Fußfessel für Hochrisiko-Täter verknüpft. Das bedeutet: Polizei und Justiz können gefährliche Täter künftig enger überwachen, um Opfer frühzeitig zu schützen.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/wir-brauchen-loesungen-keine-aufgeheizten-debatten.html


21.10.2025

Gemeinsam für Gleichstellung in Bundesbehörden - Kreutz und Teggatz: Vaterschaftsurlaub stärkt Familien

Ein bezahlter Vaterschaftsurlaub von zehn Tagen für Beschäftigte im öffentlichen Dienst wäre ein wichtiges Signal für Gleichstellung und moderne Verwaltungskultur.

„Es geht nicht nur um ein paar freie Tage“, betonte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, am 21. Oktober in Berlin. „Es geht um Anerkennung von Familienarbeit als gesellschaftliche Aufgabe – und darum, Vätern die Möglichkeit zu geben, von Anfang an Verantwortung zu übernehmen. Die ersten Tage nach der Geburt sind entscheidend für Bindung, Rollenverständnis und ein partnerschaftliches Familienmodell.“

Heiko Teggatz, Bundesvorsitzender der DPolG Bundespolizeigewerkschaft, ergänzte: „Der öffentliche Dienst sollte Vorbild sein. Wenn wir ernsthaft wollen, dass sich Care-Arbeit gerechter verteilt, müssen wir auch die strukturellen Voraussetzungen schaffen. Eine unbürokratische Lösung liegt längst auf dem Tisch: Durch eine einfache Anpassung des § 21 der Sonderurlaubsverordnung ließe sich der Anspruch auf zehn Tage Vaterschaftsurlaub schnell und rechtssicher umsetzen. Dafür braucht es keinen langen Gesetzgebungsprozess, sondern nur den politischen Willen.“

Neue Impulse nötig
Beide weisen darauf hin, dass auch die Einführung des Elterngeldes nicht zu einer gleichmäßigen Aufteilung der Elternzeit geführt habe. Noch immer nehmen überwiegend Mütter längere Auszeiten, während Väter meist nur die sogenannten „Vätermonate“ nutzen. „Deshalb brauchen wir neue Impulse“, so Milanie Kreutz. „Ein unbürokratisch gewährter Vaterschaftsurlaub wäre ein solcher Impuls. Und ein klares Bekenntnis zu echter Vereinbarkeit, Gleichstellung und moderner Familienpolitik.“ Die jüngste Diskussion um die Auslegung der EU-Vereinbarkeitsrichtlinie zeigt, wie groß der Handlungsbedarf bei der partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit noch immer ist.
Das Bundesfamilienministerium habe sich in den vergangenen Jahren stets dafür eingesetzt, dass Sorgearbeit fairer zwischen Frauen und Männern verteilt wird. „Wir haben dieses Engagement immer unterstützt und begrüßt. Gerade jetzt bietet sich die Chance, im eigenen Verantwortungsbereich ein sichtbares Zeichen zu setzen – für mehr Gleichstellung und eine moderne Verwaltung, die Familienfreundlichkeit lebt“, erklären Milanie Kreutz und Heiko Teggatz, beide stellvertretende dbb Bundesvorsitzende, abschließend.

Hintergrund:
Im September 2025 hatte das Verwaltungsgericht Köln entschieden, dass Bundesbeamten durch die EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Eltern und pflegende Angehörige ein Anspruch auf bis zu zehn Tage vergüteter Vaterschaftsurlaub zusteht. Nach Auffassung des VG Köln ist die Umsetzung in nationales Recht bisher nicht im nötigen Umfang erfolgt.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/kreutz-und-teggatz-vaterschaftsurlaub-staerkt-familien.html


15.10.2025

Neunte Information der Bundesregierung - Führung im öffentlichen Dienst wird weiblicher

Die Bundesregierung hat die neunte Jährliche Information über den Frauenanteil in Führungsebenen beschlossen. dbb frauen Chefin Milanie Kreutz hat klare Worte:

„Der öffentliche Dienst zeigt, dass Gleichstellung kein Zufall ist, sondern das Ergebnis klarer gesetzlicher Regelungen, moderner Arbeitsmodelle und eines Bewusstseinswandels in der Führungskultur“, betonte die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung am 15. Oktober 2025 in Berlin. Mit einem Frauenanteil von 47 Prozent in Führungspositionen liegt der Bund über dem Durchschnitt und vor der Privatwirtschaft. „Das ist ein starkes Zeichen, darauf können wir stolz sein.“
„Die Zahlen beweisen, dass für Karrierechancen Leistung entscheidend sein muss, nicht die Lebensumstände“, so die Vorsitzende weiter. „Frauen sollen nicht länger zwischen Familie und Führung entscheiden müssen.“ In diesem Zusammenhang verwies die dbb bundesfrauenvertretung auf die aktuell zur Stellungnahme vorliegende Laufbahnverordnung des Bundes, die aus ihrer Sicht konsequent geschlechtergerecht weiterentwickelt werden müsse.
„Gleichstellung gelingt, wenn Strukturen angepasst werden – nicht, wenn Frauen sich anpassen müssen. Frauen sollen unabhängig von ihrer Lebensphase die Möglichkeit haben, sich zu bewähren und in den Laufbahnaufstieg zu gelangen“, forderte die Vorsitzende. „Es darf keine strukturellen Hürden mehr geben, die Frauen ausbremsen. Wenn der Bund Gleichstellung ernst meint, dann muss die neue Laufbahnverordnung das auch widerspiegeln: Aufstiegsperspektiven für alle – unabhängig von Teilzeit, Elternzeit oder familiären Verpflichtungen.“
Die dbb bundesfrauenvertretung fordert daher:


  • Laufbahnrecht modernisieren: Chancengleichheit und Aufstiegsperspektiven unabhängig von Arbeitszeitmodellen, Familienphasen oder Erwerbsunterbrechungen.
  • Führung in Teilzeit bzw. im Tandem fördern – auch in höheren Besoldungsgruppen und Spitzenpositionen.
  • Bewusste Nachwuchsförderung: Ausbau von Mentoring- und Coachingprogrammen für Frauen im öffentlichen Dienst und in Bundesunternehmen.
Mit gezielten Maßnahmen wie flexiblen Arbeitszeitmodellen, Mentoringprogrammen und Projekten wie „Führen in Teilzeit“ demonstriere der öffentliche Dienst schon heute, dass Führung auch mit Vereinbarkeit gelingen kann. „Diese Initiativen haben wesentlich dazu beigetragen, Frauen dauerhaft und erfolgreich in Leitungsfunktionen zu bringen“, lobte Kreutz. „Gleichstellung ist kein Zusatz, sie ist Zukunft.“
Privatwirtschaft bleibt zurück
Während der öffentliche Dienst mit gutem Beispiel vorangeht, bleibt die Privatwirtschaft weiter zurück. In Unternehmensvorständen liegt der Frauenanteil nach wie vor bei nur 13 Prozent. Fast die Hälfte der Unternehmen legt Zielgrößen von Null fest. „Das ist nicht nur enttäuschend, das ist rückwärtsgewandt“, kritisierte die dbb bundesfrauenvertretung. „Wer auf weibliche Führung verzichtet, verzichtet auf Kompetenz, Vielfalt und Zukunftsfähigkeit.“
Dagegen bleibe der öffentliche Dienst weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber für Frauen. Im Einflussbereich des Bundes bestehe aber weiterhin Handlungsbedarf, so Kreutz. Nur etwa zwei Drittel der Gremien sind paritätisch besetzt, und in Bundesunternehmen liegt der Frauenanteil in Geschäftsführungen erst bei rund 32 Prozent.
Hintergrund:
Der Regierungsbericht dokumentiert den Anteil von Frauen in Führungspositionen in Bund und Wirtschaft. Die Laufbahnverordnung des Bundes befindet sich derzeit in Überarbeitung; die dbb bundesfrauenvertretung hat dazu eine Stellungnahme angekündigt, um Gleichstellungsperspektiven nachhaltig zu sichern.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/fuehrung-im-oeffentlichen-dienst-wird-weiblicher.html


10.10.2025

Teilzeit unter Druck - Kreutz: Arbeiten in Teilzeit kein Luxus, sondern Notwendigkeit

Forderungen, Teilzeitregelungen einzuschränken, sind aktuell Teil der politischen Debatte. Die Konsequenzen wären aus vielen Gründen fatal.

„Wer Teilzeitregelungen zurückschraubt, schraubt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zurück, und das wäre ein fatales Zeichen für den öffentlichen Dienst“, sagte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende, auf der Hauptversammlung der dbb frauen in Potsdam am 10. Oktober 2025. Damit widersprach sie Vorschlägen, Teilzeitregelungen für den öffentlichen Dienst einzuschränken, die aktuell im Fokus der politischen Diskussion stehen. „Ich finde solche Debatten befremdlich. Vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels sollten wir doch eher darüber sprechen, wie wir mehr Teilzeitregelungen ermöglichen.“

Teilzeit hält die Gesellschaft am Laufen


Kreutz unterstrich in der Diskussion auf der Hauptversammlung, dass das Arbeiten in Teilzeit mitnichten ein Luxusgut ist, wie es gerne unterstellt wird. Vielmehr handele es sich um eine Notwendigkeit, um Beruf und Care-Arbeit unter einen Hut zu bringen. Teilzeitarbeit sei damit auch ein wichtiges familienpolitisches Instrument – und eines, mit dem sich Beschäftigte vor gesundheitsgefährdender Belastung schützen können.
Laut einer Studie des Prognos-Instituts liegt der volkswirtschaftliche Wert unbezahlter Care-Arbeit in Deutschland bei rund einer Billion Euro jährlich – das entspricht fast einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts, das derzeit bei etwa 3,6 Billionen Euro liegt. „Kinderbetreuung, gegebenenfalls die Pflege von Angehören und weitere familiäre Aufgaben, all das leisten immer noch ganz überwiegend Frauen“, betonte Kreutz. „Ohne Teilzeitoptionen wäre es gar nicht möglich, diese Arbeit zu stemmen, die für die gesamte Gesellschaft einen enormen Wert hat. Um Frauen zu entlasten, brauchen wir verlässliche Betreuungsangebote und Arbeitsmodelle, die maximale Flexibilität ermöglichen. Kurzum: eine moderne Personalpolitik. Wer Teilzeit einschränken will, ohne diese gesellschaftlichen Realitäten zu berücksichtigen, greift zu kurz.“
Nicht zuletzt darf nicht Vergessenheit geraten, dass es ganz grundsätzlich darum gehen muss, die Erwerbstätigkeit von Frauen zu steigern, sagte Kreutz. „Das spielt eine entscheidende Rolle dafür, um den Dienstbetrieb und die Funktionsfähigkeit des Staates zu garantieren. Dabei sind mehr Teilzeitkräfte eine Stellschraube. Aus Teilzeitkräften können auch Vollzeitkräfte werden. Aber um das zu erreichen, brauchen wir noch ganz andere Rahmenbedingungen, als es aktuell der Fall ist.“


Reformen sind dringend notwendig


83,72 Prozent der Teilzeitbeschäftigten im öffentlichen Dienst sind Frauen. Das geht aus dem aktuellen dbb Monitor hervor. „Diese Zahl verdeutlicht, dass wir natürlich auch dafür arbeiten müssen, dass Care-Arbeit künftig stärker zwischen Männern und Frauen aufgeteilt wird“, resümierte Kreutz. „Natürlich profitieren auch Männer von Teilzeitregelungen, um Care-Arbeit und Job zu vereinen. Und natürlich wünschen auch wir uns, dass beide Elternteile vollzeitnah arbeiten können, aber dafür müssen eben die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören eine verlässliche Kinderbetreuung, moderne familien- und steuerpolitische Leistungen, darunter eine Familienstartzeit und eine Reform des Ehegattensplittings. Solange diese Voraussetzungen nicht geschaffen sind, bleibt Teilzeit für viele eine notwendige und keine freiwillige Entscheidung.“
Abschließend unterstrich Kreuz, dass Teilzeit zahlreiche Ebenen berührt: „Es geht darum, dass wir im öffentlichen Dienst ausreichend Personal haben. Es geht darum, dass sich Care-Arbeit und Beruf unter einen Hut bringen lassen. Und es geht vor allem auch um Gesundheitsschutz, das dürfen wir auf keinen Fall vergessen. Wer Teilzeit infrage stellt, bringt das Gleichgewicht zwischen Beruf, Familie und öffentlichem Dienst ins Wanken. Wir als dbb frauen erteilen sämtlichen Bestrebungen, die in diese Richtung weisen, eine klare Absage!“


Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/kreutz-arbeiten-in-teilzeit-kein-luxus-sondern-notwendigkeit.html



20.05.2025

Bas-Vorschläge gegen Fachkräftemangel - Kreutz: „Gleiche Chancen für alle braucht mutige Politik“

Die dbb frauen unterstützen den Appell von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas an die Wirtschaft, die Arbeitsbedingungen für Eltern zu verbessern. Das allein greift jedoch zu kurz.

Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb frauen und dbb Vize, warnt davor, die Herausforderungen im Arbeitsmarkt eindimensional zu betrachten. Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur mit attraktiven Arbeitsbedingungen in Lehr- und Erziehungsberufen, verlässlicher Kinderbetreuung, echter Arbeitszeitflexibilität und einer fair verteilten Sorgearbeit gelingen könne. Die strukturelle Ungleichverteilung familiärer Verantwortung müsse politisch angegangen werden. Wer echte Veränderungen anstoßen wolle, müsse auch Väter konsequenter einbeziehen – etwa durch gezielte Anreize für eine gleichberechtigte Aufteilung der Sorgearbeit. Auch im Bereich der Angehörigenpflege seien neue Impulse notwendig: Eine steuerfinanzierte Entgeltersatzleistung für pflegende Angehörige – analog zum Elterngeld – wäre ein zentraler Schritt.

Kreutz: „Solange es als normal gilt, dass Väter in Vollzeit arbeiten und Mütter ihre Arbeitszeit reduzieren, bleiben wir in alten Mustern stecken. Ziel muss es sein, dass beide Elternteile die Chance haben, vollzeitnah zu arbeiten – mit ausreichend zeitlichen Spielräumen für die Familie. Dafür braucht es mutige gesetzgeberische Schritte – etwa die Einführung einer Familienstartzeit und eine grundlegende Reform des Elterngelds.“

Der politische Fokus auf „mehr Mütter in Vollzeit“ greife zu kurz, so Kreutz weiter: „Was wir brauchen, ist echte Wahlfreiheit zwischen Voll- und Teilzeit. Viele Beschäftigte – insbesondere Frauen – stocken ihre Arbeitszeit nicht auf, weil sie mit hohen Belastungen, ungünstigen Arbeitszeiten, Personalmangel und dauerhafter Überlastung konfrontiert sind. Teilzeit wird hier zur Überlebensstrategie.“ Hinzu komme, dass Teilzeit im Berufsleben oft mit geringeren Aufstiegschancen verbunden sei. „Das muss sich ändern“, fordert Kreutz. „Führung in Teilzeit darf kein Tabu mehr sein. Es braucht Veränderungswillen in den Führungsetagen – sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Dienst. Nur so schaffen wir echte Entwicklungsperspektiven für alle, die sich beruflich einbringen und familiär engagieren wollen.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/kreutz-gleiche-chancen-fuer-alle-braucht-mutige-politik.html


19.05.2025

Europa - dbb frauen übernehmen Leitung in CESI-Ausschuss

Synnöve Nüchter, Beisitzerin im Vorstand der dbb frauen, ist die Leiterin der CESI-Kommission für Frauenrechte und Gleichstellung der Geschlechter (FEMM).

Die Vorsitzende der dbb frauen, Milanie Kreutz betonte die bedeutsame Rolle von Europa in der Verteidigung von Demokratie und Frauenrechten in ihrem Grußwort bei der CESI-dbb-Konferenz mit dem Titel „Europäische Gleichstellungspolitik made in Brüssel: Welcher Mehrwert für Deutschland?“ am 16. Mai 2025: „Wer Frauenrechte angreift, greift unsere Demokratie an. Diese Gefahr kann Deutschland nicht alleine angehen. Wir brauchen Europa. Denn Europa ist nicht nur Teil der Lösung – sie ist unser demokratischer Schutzraum.“ Sie machte deutlich, dass es einen starken europäischen Rechtsrahmen braucht – etwa bei Themen wie Frauen in Führung oder der Umsetzung der Istanbul-Konvention –, damit Gleichstellungspolitik auch national wirkungsvoll vorangebracht werden kann. Kreutz gratulierte Nüchter zur Wahl und betonte, dass frauenpolitische Anliegen des dbb durch die neue Funktion künftig noch sichtbarer und wirkungsvoller auf europäischer Ebene gewerkschaftlich vertreten werden können.


Nüchter betonte: „Die Gleichstellung der Geschlechter ist kein Nice-to-have, sondern eine Grundvoraussetzung für eine gerechte und zukunftsfähige Gesellschaft. Viele wegweisenden Entscheidung und Rechtsprechungen in Sachen Gleichstellung werden auf europäischer Ebene beschlossen. Das hat eine große Strahlkraft." Die Arbeit der CESI und ihren europäischen Partnern sei daher entscheidend, um die Stimme von Frauen europaweit zu stärken und echte Fortschritte zu erzielen. „Als neue Vorsitzende der FEMM-Kommission setze ich mich mit voller Überzeugung dafür ein, dass Gleichstellung in allen politischen Maßnahmen der CESI verankert wird – sei es durch faire Löhne, mehr Frauen in Führung oder den Kampf gegen geschlechterspezifische Gewalt", machte Nüchter deutlich.

Die CESI-dbb-Konferenz beleuchtete den praktischen Einfluss europäischer Gleichstellungspolitik auf nationale Regelungen und Strategien für mehr Geschlechtergerechtigkeit. In ihrem Impulsreferat dort formulierte Synnöve Nüchter die gleichstellungspolitischen Forderungen der CESI an die EU. Bei der darauffolgenden Sitzung der FEMM-Kommission der CESI unter Leitung von Nüchter wurden auch zentrale gleichstellungspolitische Arbeitsschwerpunkte der EU-Kommission für die kommenden Jahre thematisiert, wie etwa die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, der Einsatz für eine neue EU-Roadmap für Frauenrechte und der Abbau geschlechterbezogener Lohn- und Rentenlücken in der EU.

Hintergrund:
Die FEMM setzt sich innerhalb der CESI dafür ein, die Gleichstellung der Geschlechter in allen politischen Maßnahmen und Aktivitäten der Organisation zu verankern. Die CESI selbst ist ein Bündnis aus 37 nationalen Gewerkschaften der öffentlichen Daseinsvorsorge, die insgesamt mehr als sechs Millionen europäische Beschäftigte vertritt. Der dbb ist Mitglied der CESI.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/dbb-frauen-uebernehmen-leitung-in-cesi-ausschuss.html


18.03.2025

Einkommensrunde mit Bund und Kommunen - Arbeitgebende schlagen Chance für mehr Gleichstellung aus

Nach langen und zähen Verhandlungen konnte keine Einigung mit Bund und VKA erreicht werden. Nun steht eine Schlichtung an.

Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende, kritisierte am 18. März 2025 die Blockadehaltung der Arbeitgebenden: „In allen drei Runden waren die Arbeitgebenden nicht dazu bereit, uns in akzeptablem Maß entgegenzukommen. Das ist absolut respektlos gegenüber den Beschäftigten, die jeden Tag mit vollem Einsatz das Land am Laufen halten. So sieht keine Wertschätzung aus.“

Für die dbb frauen sei besonders ärgerlich, dass die Arbeitgebenden Änderungen bei der Arbeitszeit gänzlich verweigert haben. Kreutz weiter: „Mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit, beispielsweise durch das 'Mehr-Zeit-für-mich-Konto', hat einen positiven Einfluss auf die Aufteilung der Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen. Frauen und Männer haben mehr Souveränität über ihre Zeit und dadurch mehr Freiheit, die Sorgearbeit fair zu verteilen. Die Arbeitgebenden haben daher mit ihrer Verweigerungshaltung eine große Chance für mehr Gleichstellung ausgeschlagen.“
Das Angebot von Bund und VKA enthielt nur sehr geringe Entgelterhöhungen. „Wir haben im öffentlichen Dienst viele Berufe, in denen vorwiegend Frauen arbeiten“, erklärte Kreutz. „Ein ordentliches Einkommensplus hätte dazu beitragen können, die Lohnlücke in Deutschland ein Stück zu schließen.“

Wie geht es jetzt weiter?
Spätestens am 24. März 2025 muss die Schlichtung beginnen. Die Schlichtungskommission setzt sich aus je zwölf Personen der beiden Tarifparteien sowie zwei unparteiische Vorsitzende zusammen. Während des Verfahrens besteht Friedenspflicht. Die Kommission beschließt eine Einigungsempfehlung, die an die Tarifparteien geht. Der dbb wird sich konstruktiv an der Schlichtung beteiligen.

 

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/arbeitgebende-schlagen-gleichstellung-aus-einkommensrunde-tarifverhandlungen-bund-kommunen-beamtenbund-schlichtung.html


05.03.2025

Vierter Gleichstellungsbericht - Frauen bei Mobilität, Wohnen und Stadtentwicklung mitdenken

Gutachten zum Vierten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung zeigt: Frauen und andere benachteiligte Gruppen leiden überproportional unter den Auswirkungen des Klimawandels.

„Wenn wir über Klimapolitik sprechen, dürfen wir nicht vergessen, dass Frauen die Lasten tragen, aber zu selten an den Entscheidungen beteiligt sind. Das muss sich ändern!“, betonte dbb frauen Chefin Milanie Kreutz am 5. März 2025. „Gleichzeitig profitieren sie bislang kaum von klimapolitischen Fördermaßnahmen, die oft technikzentriert und auf männerdominierte Branchen ausgerichtet sind.“ Die dbb bundesfrauenvertretung fordert daher, dass Gleichstellung als Querschnittsthema in Umwelt-, Energie- und Klimapolitik systematisch verankert wird. Notwendig sind verbindliche Mechanismen wie geschlechterdifferenzierte Folgenabschätzungen und Gender Budgeting.
Kreutz weiter: „Ob Mobilität, Wohnen oder Stadtentwicklung: Wenn Frauen nicht mitgedacht werden, bleibt der Fortschritt auf halber Strecke stehen. Wenn der öffentliche Nahverkehr ausgedünnt wird, sind es oft Frauen, die aufwendigere und teurere Wege zur Arbeit oder zur Kita auf sich nehmen müssen. Wenn in Städten Wohnraum unbezahlbar wird, sind es vor allem alleinerziehende Mütter, die verdrängt werden. Eine zukunftsfähige Stadt- und Verkehrsplanung muss all diese Realitäten berücksichtigen – sonst bleibt die Transformation ein Privileg“, erklärte Kreutz. Die dbb frauen unterstützen daher Konzepte für eine gendergerechte Stadt- und Verkehrsplanung.

dbb frauen wieder bei der UN-Frauenrechtskommission vertreten

Das Gutachten macht deutlich, dass die deutsche Klimapolitik Auswirkungen auf den Globalen Süden hat – auch in geschlechtsspezifischer Hinsicht. Deutschland muss seiner internationalen Verantwortung gerecht werden und sicherstellen, dass Maßnahmen nicht zu neuen sozialen und geschlechterbezogenen Ungleichheiten führen. „Gerechtigkeit endet nicht an Landesgrenzen – eine nachhaltige Zukunft muss überall fair sein, sonst ist sie keine Zukunft! Deshalb fliege ich als Teil der Regierungsdelegation Deutschlands zur 69. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission nach New York, um die Stimme der Frauen im öffentlichen Dienst und darüber hinaus zu stärken“, kündigte die dbb frauen Chefin an. „Wir werden dort dafür eintreten, dass Geschlechtergerechtigkeit ein zentraler Bestandteil globaler Klimapolitik wird, dass Frauen weltweit gleichberechtigten Zugang zu Ressourcen, Bildung und Entscheidungsprozessen erhalten. Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, dass soziale Sicherheitssysteme so gestaltet werden, dass sie Frauen in der sozial-ökologischen Transformation nicht benachteiligen, sondern stärken. Denn nur wenn wir Gleichstellung international denken, können wir nachhaltige Lösungen für alle schaffen.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/frauen-bei-mobilitaet-wohnen-und-stadtentwicklung-mitdenken.html

 

04.03.2025

Elterngeld nur ‘Nice-to-have'? - Forderung des ifo-Präsidenten an Absurdität kaum zu überbieten

Die dbb frauen lehnen die jüngste Forderung des ifo-Präsidenten Clemens Fuest, das Elterngeld vollständig zu streichen, entschieden ab.

Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellv. dbb Bundesvorsitzende, hob am 4. März 2025 die Bedeutung des Elterngelds hervor: „Das Elterngeld ist keine entbehrliche Sozialleistung, sondern ein zentrales Instrument zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bereits die letzten Kürzungen bei den Einkommensbemessungsgrenzen haben vor allem Frauen getroffen. Eine komplette Streichung wäre ein massiver Rückschritt für die Gleichstellung und würde insbesondere Mütter noch stärker in traditionelle Rollen drängen.“
Zudem ermöglicht das Elterngeld Frauen, nach der Geburt eines Kindes schneller und besser in den Beruf zurückzukehren, anstatt langfristig aus dem Arbeitsmarkt auszusteigen. „Wer das Elterngeld streicht, gefährdet nicht nur die finanzielle Sicherheit junger Familien, sondern schwächt auch die gesamte Volkswirtschaft“, erklärte Kreutz. „Frauen brauchen nicht noch mehr Hürden. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es kontraproduktiv, ihnen den Wiedereinstieg in den Beruf zu erschweren und damit wertvolles Potenzial brachliegen zu lassen.“ Das Elterngeld trägt zudem maßgeblich dazu bei, dass sich Väter stärker an der Familienarbeit beteiligen. Die Streichung würde die Bemühungen um eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit konterkarieren.

Fehlende Vereinbarkeit von Kind und Karriere verschärft Krisen

Das ifo-Institut selbst warnte vor wenigen Monaten noch vor den dramatischen Folgen eines Geburtenrückgangs und führte ihn auf wirtschaftliche Unsicherheiten zurück. Kreutz kritisierte diese Doppelmoral: „Jetzt fordert das ifo-Institut, eine der wenigen Maßnahmen, die Familien Sicherheit gibt, zu streichen. Das ist an Absurdität kaum zu überbieten. Wer Frauen die Möglichkeit nimmt, Kinder und Karriere zu vereinbaren, verschärft die demografische Krise und gefährdet langfristig unsere Wirtschaftskraft. Denn – und das sagt das ifo-Institut selbst – Inflation, Krisen und Zukunftsängste führen bereits jetzt dazu, dass junge Familien ihren Kinderwunsch aufschieben.“
Kreutz weiter: „Gleichstellung ist kein ‚Nice-to-have‘, sondern eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Notwendigkeit. Wer das Elterngeld infrage stellt, steuert sehenden Auges auf gesellschaftliche Zustände wie in den USA zu, wo fehlende soziale Absicherung Frauen vor die Wahl stellt: Karriere oder Kind.“ Ohne finanzielle Unterstützung nach der Geburt steigen Mütter seltener wieder in den Beruf ein, geraten in wirtschaftliche Abhängigkeit oder müssen unter prekären Bedingungen arbeiten. „Das Elterngeld gehört nicht infrage gestellt, sondern erhöht und damit an die Realität moderner Arbeits- und Lebenswelten angepasst“, stellte die dbb frauen Chefin klar.

Kosten: Ehegattensplitting stellt Elterngeld in den Schatten

Das Elterngeld kostet den Staat als gleichstellungsfördernde Leistung zwar etwa 7,8 Mrd. Euro im Jahr, diese Summe wird aber von dem Verlust durch das Ehegattensplitting als gleichstellungshemmende Steuerpolitik mit ca. 15 Mrd. Euro im Jahr in den Schatten gestellt. Milanie Kreutz kommt aus der Finanzverwaltung und weiß, wovon sie spricht: „Es ist irrsinnig, dass eine gleichstellungsfördernde Leistung wie das Elterngeld als Einsparpotenzial gilt, während mit dem Ehegattensplitting jedes Jahr das Doppelte an Steuergeldern in ein überholtes Modell fließt, das traditionelle Rollenbilder zementiert.“ Wer wirklich sparen will, müsse genau andersherum handeln: Familien unterstützen, anstatt überholte Steuerprivilegien aufrechtzuerhalten. „Und wer jetzt sagt, die Gewerkschaften würden immer nur Forderungen stellen, dem sei gesagt: Wir fordern nicht nur, wir denken langfristig und wirtschaftlich.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/forderung-ifo-praesident-elterngeld-kreutz-sozialleistung-gleichtellung-muetter-kinder-beruf-finanzielle-sicherheit.html

 


04.02.2025

Gespräch mit Ferda Ataman - Der öffentliche Dienst muss bei Diskriminierung dagegenhalten

dbb frauen Chefin Milanie Kreutz sprach mit Ferda Ataman, der unabhängigen Bundesbeauftragten für Antidiskriminierung, über die Zukunft der Gleichstellung.

„Wir beobachten mit großer Sorge, dass es en vogue geworden ist, zu diskriminieren“, stellte Kreutz bei dem Gespräch am 28. Januar 2025 in der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) in Berlin besorgt fest. „Frauenfeindliche und antifeministische Positionen gewinnen immer mehr Land und ihre Phrasen und Schlagworte werden auf erschreckende Weise sozial akzeptabel. Es ist unsere Aufgabe als öffentlicher Dienst, dagegenzuhalten.“ In dieser Auseinandersetzung können sich die dbb frauen glücklicherweise auf viele starke Partnerinnen wie die ADS verlassen.

Ein Faktor in der Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz ist die mangelnde Entgelttransparenz. Kreutz gab zu bedenken, „dass wir durch das Entgelttransparenzgesetz zwar Transparenz haben - Stichwort A12 ist A12 – aber der Weg dorthin unterschiedlich lang ist. Der Grund dafür liegt in der Diskriminierung durch Beurteilungen, welche Frauen am Fortkommen hindern.“ Das betreffe vor allem die Beurteilungskriterien, aber auch die oft voreingenommen Beurteilenden selbst, erklärte Kreutz. Abhilfe können gemischte Tandem-Teams schaffen: „So haben wir immer mehrere Perspektiven, können mögliche Vorurteile ausgleichen und für einen Wissenstransfer sorgen.“ Dies sei aber nur eine von vielen Maßnahmen, um ein diskriminierungsfreies Fortkommen im öffentlichen Dienst voranzubringen: „Wir brauchen nicht nur eine andere Führungskultur, sondern auch eine andere Führungsorganisation“, forderte Kreutz.

Rechtsextreme Kräfte stellen Gleichstellung infrage

Die Bundesbeauftragte Ataman teilte Kreutz‘ Sorge vor einem rauer wehenden Gegenwind: „In den USA sehen wir neuerdings Rückschritte in Sachen Diversität und die Gleichstellung von Frauen und Männern. In unserem Grundgesetz steht zwar: Alle Menschen sind gleich. Aber rechtsextreme Kräfte stellen das ganz offen in Frage – auch in Deutschland.“ Die ADS plant, in ihrem Jahresbericht die Geschlechterdiskriminierung mehr in den Fokus zu nehmen.

Ataman berichtete von der Initiative Pro Parents, die sich für die Aufnahme des Diskriminierungsmerkmals „Elternschaft“ in das AGG einsetzen. „Frauen sind häufig von der sogenannten Fürsorge-Diskriminierung betroffen. Sobald sie ein Kind bekommen, in Elternzeit gehen oder Angehörige pflegen müssen, werde ihnen der Aufstieg verwehrt, der Wiedereintritt ins Arbeitsleben erschwert oder im Extremfall direkt gekündigt. Fürsorge darf nicht zum Karriereende führen oder Betroffene in eine finanziell prekäre Lage bringen.“

Im Austausch zwischen ADS und den dbb frauen ging es auch um die neue Diversitätsstrategie der Bundesregierung. „Die neue Strategie ist ein starkes Signal, dass der Staat verbindlich vorangehen will – und sie soll Arbeitgebende bei sexueller Belästigung, Diskriminierung und Mobbing stärker in die Pflicht nehmen“, erklärte Ataman. Für die Zukunft müsse auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nachgebessert werden. Denn: Betroffene von Diskriminierung haben nach der aktuellen Regelung nur zwei Monate Zeit, um ihre Ansprüche geltend zu machen. „Wir wissen aus der Praxis: Viele Betroffene schaffen es nicht, das innerhalb dieser kurzen Frist zu bewältigen.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/der-oeffentliche-dienst-muss-bei-diskriminierung-dagegenhalten.html

 

03.02.2025

Gewalthilfegesetz - Endlich: Meilenstein für den Schutz von Frauen vor Gewalt

Nach langwierigen Verhandlungen haben SPD, Grüne und die Union am 31. Januar 2025 das Gewalthilfegesetz verabschiedet.

Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung begrüßte am 3. Februar 2025 das Ergebnis: „Endlich stellt der Bund die nötigen Ressourcen für mehr Schutz für Frauen zur Verfügung. Die Diskussionen waren lang – aber die demokratischen Parteien der Mitte sind sich ihrer Verantwortung bewusst und haben einen Kompromiss gefunden.“ Der Bund stellt 2,6 Milliarden Euro bereit, um Frauenhäuser und Beratungsstellen nachhaltig zu finanzieren. „Endlich werden die Kommunen finanziell unterstützt, denn Schutz darf keine Frage des Wohnorts sein. So kommt die Hilfe dort an, wo sie gebraucht wird: bei den Frauen“, betonte Kreutz.
Entscheidend sei dabei der Rechtsanspruch auf Schutz vor Gewalt: Frauen, die von Gewalt betroffen sind, erhalten künftig einen verbindlichen Anspruch auf Unterstützung. Kreutz weiter: „Gewaltschutz ist kein Privileg, sondern ein Grundrecht. Dieser Rechtsanspruch ist ein Meilenstein – aber Gesetze retten keine Leben, wenn sie nicht konsequent umgesetzt werden. Jetzt liegt es an Bund, Ländern und Kommunen, echte Sicherheit zu schaffen.“

Maßnahmen mehr als überfällig

Wie dringend Frauen mehr Hilfe bei Gewalt benötigten, zeigen die jüngsten Zahlen des BKA: Demnach wird jeden Tag in Deutschland eine Frau oder ein Mädchen ermordet. In jedem zweiten Fall sind die Mörder die Partner. „Für zu viele Frauen und Mädchen ist das eigene Zuhause kein sicherer Ort. Das Gewalthilfegesetz stellt nun die dringend benötigten Ressourcen zur Verfügung, um die Kapazitäten der Frauenhäuser auszubauen. So können Frauen und Kinder, die zuhause von Gewalt bedroht sind, eine sichere Zuflucht finden“, erklärte die dbb frauen Chefin. Eigentlich hatte Deutschland schon vor Jahren die Istanbul-Konvention ratifiziert, nach der es ausreichend Kapazitäten in Frauenhäusern bereitstellen muss. Diesem Ziel hinkt Deutschland jedoch seit Jahren massiv hinterher.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/endlich-meilenstein-fuer-den-schutz-von-frauen-vor-gewalt.html


29.01.2025

Gespräch mit MdB Frank Bsirske - Gleichstellung stärken, um Rechtsextremismus zu schwächen

Im Austausch mit Frank Bsirske MdB (Grüne), ordentliches Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales, übergab dbb frauen Chefin Milanie Kreutz die Forderungen der dbb frauen.

Im Fokus des Gesprächs stand die Gefahr für die Demokratie durch den Rechtsruck. Milanie Kreutz betonte den Ernst der Lage: „Rechtsextreme Ideologien beginnen oft mit Angriffen auf Frauenrechte. Sie sind das Einfallstor für eine Gesellschaft, die rückwärts statt vorwärts geht. Und genau das beobachten wir gerade weltweit. Als Gewerkschaften müssen wir hier entschieden dagegenhalten.“ Gleichstellung sei daher kein Projekt für Sonntagsreden, „sondern muss Maßstab für Regierungshandeln sein“, machte Kreutz deutlich. „Die kommende Regierung muss zeigen, dass sie Gleichstellung und Frauenrechte ernst nimmt. Sonst haben die Rechtsextremen leichtes Spiel, die bisherigen Erfolge und Anstrengungen zu untergraben.“ Im März 2024 hatte der dbb das Positionspapier „Demokratie stärken – Zusammenhalt fördern“ und die dbb frauen eine Resolution gegen Rechtsextremismus und für die Verteidigung von Frauenrechten verabschiedet.

Zudem tauschten sich Kreutz und Bsirske intensiv zu Schuldenbremse und Investitionen aus. Konsens bestand darin, dass Investitionen sowohl in die physische als auch in die soziale Infrastruktur essenziell sind. „Wer an der Schuldenbremse festhält, als wäre sie ein Naturgesetz, ignoriert die Realität“, gab Kreutz zu bedenken. „Ohne Investitionen in Infrastruktur – dazu gehören (Wasser-)Straßen und Schienen, aber ebenso die Care-Infrastruktur für Pflege und Betreuung – fährt unsere Gesellschaft gegen die Wand. Wenn Frauen die Lücken eines kaputtgesparten Systems mit unbezahlter Arbeit schließen müssen, zahlen sie den Preis: mit ihrer Karriere, ihrer Rente und ihrer Zukunft.“ Deutschland könne es sich nicht leisten, qualifizierte Pflegekräfte zu verlieren, weil sie gezwungen sind, ihre Eltern privat zu versorgen – nur weil der Staat versagt. „Eine starke Wirtschaft braucht eine starke soziale Infrastruktur,“ hob die dbb frauen Chefin hervor. Weitere wichtige Punkte in dem Gespräch waren das Gewalthilfegesetz und die Kindergrundsicherung.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/gleichstellung-staerken-um-rechtsextremismus-zu-schwaechen.html


14.11.2024

Hauptversammlung der dbb frauen - Neue Chancen durch New Work

Auf ihrer Tagung in Wiesbaden tauschten sich die dbb frauen mit Vertreterinnen und Vertretern der hessischen Landesregierung aus.

„New Work, das bedeutet Selbstbestimmung, Sinnstiftung und Agilität“, betonte Milanie Kreutz, stellvertretende dbb Bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung am 14. November 2024 auf der Hauptversammlung der dbb frauen in Wiesbaden. „Damit die Frauen den vollen Nutzen aus New Work ziehen können, müssen mehrere Mechanismen greifen“, erklärte Kreutz. New Work sei mehr, als den Beschäftigten einen Laptop mit nach Hause zu geben. Kreutz forderte ein generelles Umdenken bei der Arbeitszeit: „Arbeitgebende müssen eine Flexibilisierung der Arbeitszeit ermöglichen. Wir müssen weg vom Dogma der Präsenzpflicht, in dem Arbeitszeit einen höheren Stellenwert als die eigentliche Arbeitsqualität hat.“ Die dbb frauen Chefin appellierte, zügig zu handeln. „Die Technik ist da und der Bedarf ist da. Jetzt brauchen wir sinnvolle Rahmenbedingungen von der Politik und Umsetzungswillen von den Arbeitgebenden.“

Darüber hinaus erleichtert New Work Frauen den Zugang zu Führungspositionen. Kreutz weiter: „Führen gelingt auch in Teilzeit, als Topsharing oder remote. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie Frauen Führung übernehmen können.“ Da Frauen den Großteil der Sorgearbeit verrichten und dadurch häufiger Schwierigkeiten haben, Familie und Karriere miteinander zu vereinbaren, profitieren gerade sie von der neuen Flexibilität. Bei all den neuen Chancen dürfen jedoch nicht die zugrundeliegenden Probleme aus dem Sichtfeld geraten. „Die Frage, wie Familie und Karriere miteinander vereinbar sind, darf kein primäres Frauenthema mehr sein. Wir müssen grundsätzliche Probleme wie die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit ebenfalls anpacken, um langfristige und strukturelle Veränderungen zu erzielen“, machte Kreutz deutlich.

Heike Hofmann, Hessische Ministerin für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, machte deutlich: „Wir alle sind mit einer Arbeitswelt konfrontiert, die sich ständig wandelt. Digitalisierung und Fachkräftemangel sind Herausforderungen, die nur mit nachhaltiger und gleichstellungsorientierter Personalpolitik zu stemmen sind. Noch immer bleibt ein großes Potential hervorragend qualifizierter Frauen unberücksichtigt. Wir brauchen einen Wandel in unserer Arbeitskultur, das heißt, noch mehr Arbeitszeitmodelle, damit Frauen und Männer gleichermaßen Zeit für die Familie haben, außerdem teilende Führung und Teilzeitführung. Die im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen zur Gleichstellung in der Berufswelt tragen den aktuellen Entwicklungen Rechnung. Wir als Landesregierung setzen uns intensiv dafür ein, den Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Landesverwaltung zu erhöhen. Den dbb frauen danke ich persönlich für ihr Engagement im Interesse der weiblichen Beschäftigten.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/neue-chancen-durch-new-work.html

 


07.11.2024

Neuwahlen nach Ampel-Aus - Gleichstellung darf nicht unter die Räder kommen

Mit dem Bruch der Ampel-Koalition läuft de facto der Wahlkampf für Neuwahlen an. dbb frauen Chefin Milanie Kreutz erklärt, worauf es jetzt ankommt:

„Uns ist klar, dass der bevorstehende Wahlkampf sehr kurz wird. Aber das ist kein Grund, Gleichstellungsthemen unter den Tisch fallen zu lassen“, betonte dbb frauen Chefin Milanie Kreutz am 7. November 2024 in Berlin. „Jetzt, wo alle Parteien Eile haben, schnell ein Wahlprogramm aufzusetzen, darf die Gleichstellung nicht unter die Räder geraten.“ Gleichstellung werde in Krisenzeiten regelmäßig auf der Prioritätenliste nach hinten geschoben, erklärte Kreutz. „Allerdings ist es gerade das Ignorieren von Gleichstellung, was die Auswirkungen von Krisen noch verschlimmert. Dieser Fehler darf sich jetzt nicht wiederholen. Gleichstellung ist kein nachträglicher Gedanke, sie ist Teil der Krisenbewältigung.“
Die dbb frauen werden verstärkt in Gespräche mit den Parteien gehen, um die Positionen der dbb frauen zu vertreten. Kreutz weiter: „Jetzt ist es an der Zeit, unsere Forderungen zu bündeln. Gleichstellungsthemen müssen bei der Neuaufstellung der Regierung eine hohe Bedeutung haben.“ Gerade bei der Neubesetzung von politischen Ämtern dürfe die Parität nicht aus dem Sichtfeld verschwinden. „Wir werden mit unseren Bündnispartnerinnen alle weiblichen Abgeordneten der demokratischen Mitte unterstützen“, hob Kreutz hervor. „Ziel ist, bei den kommenden Gesprächen dafür zu sorgen, dass Gleichstellung bei den Forderungen und Positionen der Parteien nicht hintenangestellt wird. Nur so können wir wirkliche Fortschritte erzielen."

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/gleichstellung-darf-nicht-unter-die-raeder-kommen.html


05.11.2024

Zweiter Gleichstellungstag der Bundesstiftung Gleichstellung - Wandel in allen Bereichen nötig

Das Motto der Veranstaltung, auf der auch die dbb frauen mit einem Stand vertreten waren, lautete „zusammen:wirken - Wandel wird mit Gleichstellung gemacht“

In Anlehnung an das Motto machte dbb frauen Chefin Milanie Kreutz am 5. November auf dem Gleichstellungstag in Berlin deutlich: „Wandel wird mit Gleichstellung gemacht, umgekehrt brauchen wir Wandel in allen Bereichen der Gesellschaft, um Gleichstellung zu erreichen.“ Kreutz sieht drei essenzielle Stellschrauben: „Wir brauchen Wandel in den Parlamenten: Es geht uns sowohl um Repräsentation als auch um die Möglichkeit, aktiv Politik mitzugestalten. Und zwar vom Bürgerrat bis zum Bundestag. Denn dort fallen die Entscheidungen, die zu mehr oder weniger Gleichstellung führen.“ Die zweite große Stellschraube sei der Wandel am Arbeitsplatz: „Frauen darf nicht aufgrund ihres Geschlechts der Zugang zu Führungspositionen verwehrt bleiben. Sie dürfen nicht durch schlechtere Bezahlung für die gleiche Arbeit diskriminiert werden. Und sie müssen vor sexueller Belästigung und Mobbing geschützt werden“, forderte Kreutz. Letzteres gelte natürlich auch jenseits des Arbeitsplatzes.

Der dritte Wandel müsse bei der Sorgearbeit erfolgen, so Kreutz: „Mehrheitlich sind es die Frauen, die betreuen, pflegen, erziehen oder den Haushalt schmeißen. Berufe in dieser Branche sind schlecht bezahlt und die Sorgearbeit zuhause überhaupt nicht“, gab Kreutz zu bedenken. Dadurch haben Frauen weniger Möglichkeit zur Erwerbsarbeit, was sich später in weniger Rente und Altersarmut niederschlägt. „Dem müssen wir entgegenwirken. Ungleich verteilte Sorgearbeit darf nicht zu einem Risiko werden.“

Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zeigte sich in ihrer Eröffnungsrede kämpferisch: „Für mich ist das ein Tag, an dem wir gemeinsam noch stärker und noch entschlossener werden. Ich stehe gemeinsam mit der Bundesregierung, mit allen progressiven Kräften an Ihrer Seite. Wir sind mehr. Und zusammen sind wir auch stärker als der Hass.“ Jedem Versuch, die mühsam errungenen Erfolge für die Gleichstellung rückgängig zu machen, werde sie sich entschieden entgegenstellen. Als Strategie und Ziele für die Zukunft stellte sie einen „Dreiklang“ aus gleichen Ressourcen, gleichen Rechten und gleicher Repräsentation vor. „Ohne Gleichstellung gibt es keine Gerechtigkeit und ohne Gleichstellung gibt es auch keinen nachhaltigen Fortschritt“, betonte Paus. „Wir kämpfen weiter für nicht weniger als die Hälfte der Macht, denn jetzt ist unsere Zeit.“

Für Prof. Dr. Jutta Allmendinger, Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung A.D., kam ein „weiter so“ nicht infrage: „Wir Frauen überfordern uns immer mehr, die Mental Load wird immer größer, der Anteil an Depressionen wird immer höher. Das kann so nicht weitergehen.“ Es brauche eine „Männerpolitik“, die gezielt Männer anspricht, etwas für die Gleichstellung beizutragen. „Gleichstellung ist keine Frauensache, sie ist eine gemeinsame Sache. Wir sprechen immer noch zu sehr die Frauen an, was sie anders zu machen haben.“ Zudem forderte sie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und dass Frauen nicht von ihrem Umfeld für ihre Entscheidung verurteilt werden. „Wir sind aktuell bei einem ‚Oder‘ zwischen Kinder und Beruf. Wir müssen zu einem ‚Und‘ kommen.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/wandel-in-allen-bereichen-noetig.html

 

21.10.2024

70 Jahre BMFSFJ - Ein Leuchtturm für Frauenrechte

Vom Familienministerium zum Gesellschaftsministerium: In seiner langen Geschichte hat das Ministerium viele Meilensteine erreicht. Das braucht es für die Zukunft:

„Die dbb frauen gratulieren dem BMFSFJ zum 70. Geburtstag!“, sagte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung am 21. Oktober 2024 in Berlin. Die dbb frauen Chefin war in der Vorwoche bei der Jubiläumsfeier des BMFSFJ zu Gast gewesen. „Über sieben Dekaden ist das Ministerium von einem Familienministerium hin zu einem Gesellschaftsministerium gewachsen.“ Ursprünglich wurde das Ministerium 1953 mit dem Titel „Bundesministerium für Familienfragen“ gegründet. 1986 wurden erstmals Frauen im Titel genannt, als sich das Ministerium nach der Fusion in „Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit“ umbenannte. „Das BMFSFJ ist seit jeher ein Sinnbild für die politische Mitgestaltung von Frauen,“ hob Kreutz hervor. Bis auf drei Ausnahmen hatte das Ministerium in seiner 70-jährigen Geschichte stets eine Frau an der Spitze. Heute ist das BMFSFJ der absolute Spitzenreiter, wenn es um den Frauenanteil in Führungsebenen geht.

Die Entwicklung zum Gesellschaftsministerium bedeutet auch, dass über die Jahrzehnte immer mehr Aufgaben und Verantwortungsbereiche hinzugekommen sind. Kreutz weiter: „Viele engagierte Frauen und Männer haben diese Verantwortung auf sich genommen und mit viel Elan dafür gesorgt, Deutschland für alle Bevölkerungsgruppen lebenswerter zu machen. Sie haben die Gleichstellung vorangebracht, sich für ein modernes Rollenbild und die freie berufliche, private und finanzielle Entfaltung der Frau eingesetzt. Das Ministerium ist zu einem Leuchtturm für Frauenrechte geworden.“ Eine der größten Aufgaben in der Vergangenheit sei die Wiedervereinigung gewesen. Die Folgen der ehemaligen Teilung sehen wir bis heute an den teils sehr unterschiedlichen (Erwerbs-)Biografien zwischen Frauen aus der ehemaligen DDR und der BRD.
Demokratie sichern und erhalten

„Auch heute steht das Ministerium vor zahlreichen Herausforderungen. Der größte Knackpunkt ist es, in diesen Zeiten die Demokratie zu sichern und zu erhalten“, betonte die dbb frauen Chefin. Denn von vielen Seiten versuchen extremistische Kräfte, das Fundament unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu sprengen. „Politische Stabilität, gesellschaftlicher Zusammenhalt und die Widerstandsfähigkeit unserer Demokratie sind keine Selbstverständlichkeiten, für sie gilt es fortlaufend einzustehen. Im BMFSFJ ist hierfür Abteilung 1 „Demokratie und Engagement“ zuständig, die sich mit verschiedenen Programmen für Demokratieförderung und Extremismusprävention einsetzt. „Der öffentliche Dienst ist Garant für rechtsstaatliche Verhältnisse, trägt zu gleichwertigen Lebens-, Arbeits-, Rechts- und Wirtschaftsbedingungen bei und ist somit für gesellschaftlichen Zusammenhalt unerlässlich. Für die Zukunft brauchen wir den Schulterschluss mit der Politik, um die Demokratie zu verteidigen“, forderte Kreutz. „Denn die Verteidigung der Demokratie ist unmittelbar mit der Verteidigung von Frauenrechten verbunden.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/ein-leuchtturm-fuer-frauenrechte.html


10.10.2024

Parität in Parlamenten - Kreutz: „Keine Frage des Wollens, sondern des Müssens!“

Gleichberechtigung gibt es nur, wenn Frauen zu gleichen Teilen in Parlamenten vertreten sind. Ein Manifest soll Veränderungen vorantreiben.

„Parität in der Politik ist zentral für die Umsetzung gleichwertiger Rechte und Chancen“, sagte Milanie Kreutz, Bundesvorsitzende der dbb frauen und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende, am 9. Oktober 2024 in Berlin. An diesem Tag wurde das Manifest für Parität in deutschen Parlamenten, also für die Vertretung von Frauen und Männern zu gleichen Teilen, vorgestellt. „Das Manifest ist ein wichtiger Meilenstein. Frauen sind im Vergleich immer noch unterrepräsentiert. Parität in den Parlamenten ist keine Frage des Wollens, sondern des Müssens, wenn wir als Gesellschaft vorankommen wollen.“

Weiterhin unterstrich die Vorsitzende der Bundesfrauenvertretung, dass die Zeiten, in denen Frauen am Rande der politischen Bühne standen, endgültig der Vergangenheit angehören müssen. Das gelte im Übrigen auch für die Wirtschaft. Kreutz: „Die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache. Wenn wir die Geschlechtergleichstellung verbessern, könnte beispielsweise das EU-weite BIP pro Kopf um bis zu 10 Prozent steigen. Gleichstellung und Parität sind keine Kostenfaktoren, sondern Investitionen in unseren gemeinsamen Wohlstand! Es geht dabei nicht nur um Gerechtigkeit, sondern auch um wirtschaftliche Klugheit!“

Laut Prognosen kann es noch dauern, bis die globale Gleichstellung der Geschlechter umgesetzt ist. Die Rede ist von bis zu 134 Jahren. „Das ist eine absolut schockierende Zahl, die einmal mehr verdeutlicht, dass wir unbedingt handeln müssen“, betonte Kreutz. „Mit Gesetzen, Frauenförderung und klaren Quoten können wir Parität in den Parlamenten schnell realisieren. Wir brauchen Frauen in Führungspositionen in Gesellschaft und Wirtschaft, um diesen Prozess zu beschleunigen. 134 weitere Jahre sind 134 Jahre zu viel, niemand will so lange warten!“

Um mehr Gleichberechtigung möglichst schnell voranzubringen, unterstützt die dbb bundesfrauenvertretung die Kampagne #ParitätJetzt.


Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/kreutz-keine-frage-des-wollens-sondern-des-muessens.html

 

18.10.2024

Digitalisierung - Zwischen Flexibilität und Führung: New Work als Gleichstellungstreiber

New Work ist ein revolutionäres Konzept, das die Arbeitswelt neu definiert. dbb frauen Chefin Kreutz im Austausch mit den Frauen in der CDU über die Bedeutung der neuen Arbeitsmodelle für Frauen

„Es ist unsere Aufgabe, die Freiheit und Flexibilität von New Work für alle zu ermöglichen und so die Arbeitswelt der Zukunft fair und gerecht zu gestalten“, sagte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende auf einem Vortrag bei der Frauen Union der CDU am 17. Oktober 2024 in Berlin. New Work eröffne Frauen nicht nur mehr Möglichkeiten, Familie und Beruf zu vereinbaren, insbesondere durch flexiblere Arbeitszeitmodelle und Homeoffice, sondern “bietet darüber hinaus innovative Ansätze, die Arbeitskultur grundlegend zu verändern – hin zu mehr Autonomie, Eigenverantwortung und einer besseren Work-Life-Balance.“
„New Work bietet viele neue Möglichkeiten für Frauen, indem es beispielsweise die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert“, ergänzte Mechthild Heil, Vorsitzende der Gruppe der Frauen der CDU/CSU Bundestagsfraktion. „Die neuen Arbeitsmodelle ermöglichen mehr Frauen den Zugang zu Führungspositionen. Sie geben Frauen mehr Selbstständigkeit und Verantwortung. Wir sehen hier viele Potenziale für positive Veränderungen, die wir jetzt aktivieren können. Die digitale Transformation darf nicht an der Tür zur Arbeitsstelle halt machen.“ In einer immer digitaleren Welt müsse auch unsere Arbeit immer digitaler werden, um mithalten zu können. „An vielen Orten sehen wir schon Schritte in die richtige Richtung, es besteht aber noch weitläufiger Ausbaubedarf“, stellte Heil fest.
„Die neuen Arbeitsformen ermöglichen Modelle wie Top-Sharing, Führen in Teilzeit und Führen auf Distanz, was Frauen den Zugang zu Führungspositionen erleichtert und attraktiver macht.” Dadurch können Frauen gleichberechtigte Chancen auf Führungspositionen erhalten, da traditionelle Präsenzkulturen aufgelöst werden: “ „Ergebnisorientiertes Arbeiten statt Präsenzpflicht öffnet Frauen neue Türen zu Führungspositionen – Leistung zählt, nicht der Büroalltag“, erklärte Kreutz. Weiterhin seien aber geschlechtergerechte Beurteilungskriterien und diskriminierungsfreie Aufstiegsmöglichkeiten entscheidend, um Gleichstellung im Unternehmen zu fördern.
„New Work hat das Potenzial, mehr Gleichstellung zu erreichen“, betonte Kreutz. „Denn Frauen übernehmen nach wie vor den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit, was sich negativ auf ihre Karriere auswirkt. Flexible Arbeitsmodelle bieten eine Chance, den Gender Care Gap zu schließen und gleichzeitig die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen zu stärken.“
„New Work bietet viele neue Möglichkeiten für Frauen, indem es beispielsweise die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert“, ergänzte Mechthild Heil, Vorsitzende der Gruppe der Frauen der CDU/CSU Bundestagsfraktion. „Die neuen Arbeitsmodelle ermöglichen mehr Frauen den Zugang zu Führungspositionen. Sie geben Frauen mehr Selbstständigkeit und Verantwortung. Wir sehen hier viele Potenziale für positive Veränderungen, die wir jetzt aktivieren können. Die digitale Transformation darf nicht an der Tür zur Arbeitsstelle halt machen.“ In einer immer digitaleren Welt müsse auch unsere Arbeit immer digitaler werden, um mithalten zu können. „An vielen Orten sehen wir schon Schritte in die richtige Richtung, es besteht aber noch weitläufiger Ausbaubedarf“, stellte Heil fest.

New Work ist mehr als Arbeit 4.0
„New Work fördert flachere Hierarchien und dezentrale Entscheidungsstrukturen. In einer Arbeitswelt mit wenigen bis keinen starren Hierarchien und ohne traditionelle Rollenbildern können viele Frauen ihre Führungskompetenzen endlich besser entfalten”, hob Kreutz hervor.
Viele Frauen im ländlichen Raum seien gezwungen, in Teilzeit zu arbeiten, weil lange Pendelwege eine Vollzeitbeschäftigung erschweren. „Homeoffice und Co-Working-Spaces bieten eine Lösung, um Arbeitsmöglichkeiten auch abseits von Großstädten zu schaffen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern“, betonte die ddb frauen Chefin. Dies wirke dem Fachkräftemangel entgegen, da die Arbeit unabhängig vom Standort angeboten werden könne und ländliche Regionen somit als Arbeits- und Wohnort stärke. „Um das erfolgreich umzusetzen, ist aber der Glasfaserausbau eine Grundvoraussetzung. Die Politik muss schnell handeln, um die Digitalisierung voranzutreiben und gleiche Bedingungen für Stand und Land zu schaffen“, forderte Kreutz.
Kreutz weiter: „Die digitale Transformation darf allerdings keine Hau-Ruck-Aktion werden, sondern muss mit Bedacht angegangen werden. Sonst geraten Frauen in die Homeoffice-Falle: Ständige Erreichbarkeit und die Überlastung durch Vertrauensarbeitszeit können zu Burnout führen. Wir fordern daher ein Recht auf Nichterreichbarkeit.“ Wichtig sei zudem ein ausgewogenes Arbeitszeitmanagement, auch bei mobiler Arbeit, um die Gesundheit der Mitarbeitenden zu schützen.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/zwischen-flexibilitaet-und-fuehrung-new-work-als-gleichstellungstreiber.html

 

28.08.2024

Investitionsprogramm Ganztagsausbau - Die Drei-Milliarden-Euro-Chance für die Kinderbetreuung

Das Familienministerium investiert Milliarden in den Ganztagsausbau. Ein großer Schritt nach vorn, finden die dbb frauen. Wenn das Geld auch genutzt wird.

Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellv. dbb Bundesvorsitzende, begrüßt den Start: „Das Programm hat eine große Bedeutung für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die verbesserte Ganztagsbetreuung bietet insbesondere Müttern mehr Möglichkeiten, ihre beruflichen Ziele zu verfolgen, ohne sich aufgrund fehlender Betreuungsplätze für Teilzeitarbeit entscheiden zu müssen.“
Die dbb frauen Chefin appelliert an die Politik: „Das ist unsere Chance. Länder und Kommunen müssen sofort handeln und die bereitgestellten Mittel des Bundes abrufen und effizient nutzen.“ Nur so können sie den tatsächlichen Bedarf an Ganztagsbetreuung decken und die bestehende Betreuungslücke schließen. „Drei Milliarden sind zu viel, um sie ungenutzt rumliegen zu lassen. Denn jeder ungenutzte Euro bedeutet, dass Familien und Kinder auf der Strecke bleiben.“ In der Vergangenheit haben beispielsweise Kommunen in Bayern die verfügbaren Fördergelder des Bundes für den Ausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder zum überwiegenden Teil nicht abgerufen.
„Quantität allein reicht aber nicht. Der Ausbau der Ganztagsbetreuung muss über bloße Zahlen hinausgehen. Es geht darum, eine Umgebung zu schaffen, in der unsere Kinder nicht nur betreut, sondern gefördert werden“, betont Kreutz. Qualität sei der Schlüssel, um ihnen die besten Startbedingungen für ihre Zukunft zu geben. „Und Qualität bedingt nunmal adäquate Investitionen in die Personalgewinnung, -haltung und -schulung.“
Denn für die Einrichtungen ist es aktuell eine enorme Herausforderung, ausreichend qualifiziertes Fachpersonal für die Ganztagsbetreuung zu gewinnen. „Attraktive Arbeitsbedingungen im Erziehungsbereich sind unabdingbar“, macht Kreutz deutlich. „Hier beißt sich die Katze aber oft in den Schwanz: Wir haben eine unzureichende Betreuungssituation wegen des Fachkräftemangels. Gleichzeitig können viele Menschen im Erziehungsbereich nur in reduziertem Umfangarbeiten, weil es auch ihnen an Betreuungsplätzen fehlt. So verschärft sich der Fachkräftemangel immer weiter.“
Hintergrund:
Mit dem Programm, das das BMFSFJ im August gestartet hat, stellt der Bund bis Ende 2027 fast drei Milliarden Euro bereit, um die Ganztagsbildung und -betreuung für Grundschulkinder auszubauen.

 

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/die-drei-milliarden-euro-chance-fuer-die-kinderbetreuung.html


01.07.2024

Homeoffice - Fachkräfte und Gleichstellung sichern, Chancen nicht verspielen

Mobiles Arbeiten war 2023 ähnlich beliebt wie im Jahr davor. Das zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Die vielen Vorteile des Homeoffice müssen erhalten bleiben.

„Als öffentlicher Dienst müssen wir Arbeitsplätze nicht nur finanziell wertschätzend, sondern auch flexibel und familienfreundlich gestalten“, machte Milanie Kreutz, stellv. dbb Bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung am 1. Juli 2024 deutlich. „Wir müssen mobile Arbeit und flexible Arbeitszeitmodelle langfristig in unsere Personalgewinnungsstrategien integrieren. Nur so können wir dem Fachkräftemangel effektiv etwas entgegensetzen und ein attraktiver Arbeitgeber bleiben.“ Für viele Bewerberinnen und Bewerber sei Homeoffice ein entscheidendes Kriterium bei der Jobwahl. In Zeiten des Fachkräftemangels dürfen Arbeitgebende diesen Faktor nicht ausblenden. „Daher ist es bedenklich, dass einige Unternehmen und Dienststellen wieder vermehrt Präsenzzeiten fordern. Hier ist Vorsicht geboten, denn die Flexibilität, die das Homeoffice bietet, sollte nicht leichtfertig aufgegeben werden.“

Die Forderungen nach mehr Präsenzpflicht seien auch hinderlich für die Gleichstellung, erklärte Kreutz: „Homeoffice ist ein effektives Mittel, um die Gleichstellung von Frauen und Männern im Beruf zu fördern. Denn es ermöglicht ihnen, Berufs- und Familienleben besser zu koordinieren. Mit einem Anteil von 26,4 Prozent sind die 25- bis 34-Jährigen am häufigsten im Homeoffice tätig. Diese Altersgruppe, die sich sinnbildlich in der ‚Rush Hour‘ ihres Lebens befindet und oft vor der Herausforderung der Kinderbetreuung steht, profitiert deutlich von der Möglichkeit, von zu Hause aus arbeiten zu können.“ Allerdings dürfe Homeoffice nicht dazu führen, dass sich die Ungleichheit in der Verteilung der Care-Arbeit weiter verstärkt. „Homeoffice, hybrides Arbeiten und andere Formen des New Work geben uns neue Chancen, die Gleichstellung zu Hause und am Arbeitsplatz voranzubringen. Diese Chancen sollten wir nicht verspielen.“

Auch Arbeitgebende profitieren von mobiler Arbeit, betonte die dbb frauen Chefin: „Homeoffice sorgt bei vielen Mitarbeitenden für eine höhere Motivation, verhindert Arbeitsausfälle und steigert somit Leistung und Produktivität. Studien belegen, dass die Produktivität der Mitarbeitenden im Homeoffice mindestens genauso hoch oder sogar höher ist. Viele Mitarbeitende berichten von einer besseren Work-Life-Balance. Eine Reduktion der Büroflächen kann außerdem signifikante Kosteneinsparungen bringen.“ Für Arbeitgebende und Arbeitnehmende sei Homeoffice daher eine Win-Win-Situation. Kreutz wies darauf hin, dass Homeoffice jedoch nicht für alle Berufsgruppen möglich sei: „Wir müssen daher auch an die Menschen denken, die nicht im Homeoffice arbeiten können. Für diese Berufsgruppen muss es entsprechende Kompensationen geben.“

Hintergrund:

Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Homeoffice auch nach der Covid-19-Pandemie weiterhin eine wichtige Rolle im Arbeitsalltag vieler Beschäftigter spielt. Der Anteil der Erwerbstätigen, die mindestens gelegentlich von zu Hause aus arbeiten, lag im Jahr 2023 bei 23,5 % und damit nur geringfügig niedriger als in den Jahren zuvor. Dies verdeutlicht, dass flexible Arbeitsmodelle nachhaltig in der Arbeitswelt verankert sind.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/fachkraefte-und-gleichstellung-sichern-chancen-nicht-verspielen.html

 


28.06.2024

Europa - Neue internationale Standards für Gleichstellung

In der Realität wie im virtuellen Raum ist der Weg zur Gleichstellung noch weit. Die Herausforderungen sind vielfältig. Um diese zu lösen, braucht es sinnvolle Rahmenbedingungen.

„Wir müssen ein Umfeld schaffen, in dem sich Frauen bestärkt fühlen, zu führen und Neues zu wagen und damit historische Schranken einzureißen“, machte Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, in ihrem Vortrag auf den CESI Summer Days am 27. Juni 2024 in Brüssel deutlich. Dazu gehören kulturelle und gesellschaftliche Normen, Zugang zu Bildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, Repräsentation, Sichtbarkeit und politische Unterstützung. Kreutz weiter: „Als Gewerkschaften ist es unsere Pflicht, sicherzustellen, dass Regierungen und Arbeitgeber den Gender Digital Divide schließen, die Diskriminierungsfreiheit von KI-Algorithmen und Datenschutz gewährlisten und bei allen Prozessen transparent bleiben. Verantwortlichkeit muss klar benannt sein, um Nutzerinnen und Nutzer zu schützen und Vertrauen in digitale Systeme aufzubauen.“ Um dies zu erreichen, brauche es einen konzertierten Einsatz, um Cybermobbing, Hassrede und andere Formen der Gewalt im Cyberspace einzuschränken. „Wir müssen robuste Maßnahmen und Systeme entwickeln, um Opfer zu schützen und Täter zur Rechenschaft zu ziehen“, erklärte Kreutz. Der öffentliche Dienst – von der Gesetzgebung über soziale Dienste, Gesundheitsversorgung und Sicherheit – sei essentiell, um diese Systeme bereitzustellen.

Dissonanz in der EU

Zum Thema Gender Mainstreaming sagte die dbb frauen Chefin: „Wir müssen alle Aspekte der Gesetzgebung aus der Perspektive der Gleichstellung betrachten, um sicherzugehen, dass Frauen nicht abgehängt werden. Ein Ansatz hierfür ist natürlich, Frauen die entsprechende Repräsentation in leitenden Positionen in der Politik und am Arbeitsplatz zu geben.“ Als Beispiel für solch eine Strategie nannte Kreutz die EU-Richtlinie „Women on Boards“ aus dem Jahr 2023, die eine geschlechtergerechte Verteilung von Führungsrollen in Unternehmen erreichen will. Die dbb frauen Chefin hinterfragte allerdings, warum sich die EU auf Unternehmen beschränken sollte. „Der Ausschluss des öffentlichen Dienstes von dieser Richtlinie schafft ungleiche Standards für Gleichstellung und führt zu einem Flickenteppich von Lösungsansätzen. Es ist ein bisschen wie wenn ich bei der einen Hälfte eines Orchesters eine Symphonie dirigiere, während die andere Hälfte Jazz improvisiert. Wir müssen alle Erwerbsbereiche in Einklang bringen, wenn wir in den höchsten Tönen über Gleichstellung sprechen wollen.“

Gleichstellung stärkt die Wirtschaft und ist schlicht ein Menschenrecht

Von einer gleichberechtigten Gesellschaft profitieren alle, erklärte Kreutz: „Laut Weltbank könnte das BIP in vielen Ländern bis zu 20 Prozent steigen, wenn der Anteil an erwerbstätigen Frauen so hoch wäre, wie bei Männern. Zahlen des IWF zeigen, dass eine Schließung der Lücke bei der Erwerbstätigkeit, die Zahl der Arbeitskräfte in Europa um sechs Prozent ansteigen ließe.“ In Zeiten von Wirtschaftskrisen und Arbeitskräftemangel seien diese Zahlen alles andere als trivial. „Indem wir die Rechte von Frauen fördern und ihr Potenzial einbinden, vergrößern wir die Chance, in einer besseren und nachhaltigeren Welt zu leben. Denn Frauen zu fördern, bringt Mehrwert für die gesamte Gemeinschaft“, betonte Kreutz. Ein höherer Frauenanteil bei den Arbeitskräften führe zu höheren Einkommen in Haushalten, besseren Bildungsabschlüssen für Kinder und insgesamt mehr Gesundheit und Wohlbefinden für Familien. „Aber abgesehen von Zahlen und wirtschaftlichen Indikatoren", hob Kreutz hervor, „geht es bei der Gleichstellung schlicht auch um die Rechte und Würde des Menschen.“

Hintergrund:
Die CESI ist die european confederation of independent trade unions, in der auch der dbb Mitglied ist. Auf den CESI Summer Days, die am 27. Und 28. Juni 2024 unter dem Titel „New Technologies, AI & Gender Equality at Work“ in Brüssel stattfanden, tauschten sich Expertinnen und Experten mit dem Publikum über die aktuellen Herausforderungen der digitalen Welt für die Gleichstellung aus.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/neue-internationale-standards-fuer-gleichstellung.html


14.06.2024

Neues EU-Gesetz - Wichtiger Grundstein zum Schutz von Frauen

Am 13. Juni 2024 ist das neue EU-Gesetz gegen Gewalt an Frauen in Kraft getreten. Die dbb frauen sehen darin einen entscheidenden Schritt nach vorn, der Weg ist aber noch weit.

Milanie Kreutz, stellv. dbb Bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung begrüßte die neue Richtlinie. „Dies ist ein entscheidender Schritt vorwärts in unserem anhaltenden Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Sie adressiert ein breites Spektrum an Gewaltformen – von physischer und psychischer Gewalt bis hin zu wirtschaftlicher, sexueller und Cybergewalt – und stellt sicher, dass die Rechte der Opfer in allen Mitgliedstaaten der EU gestärkt werden.“ Die dbb frauen begrüßen zudem, dass die EU das Problem ganzheitlich denkt und sowohl an den Symptomen als auch an den Ursachen und den Folgen anpackt. Das neue Gesetz sorgt für bessere Gewaltprävention ein, bietet den Opfern mehr Schutz sowie besseren Zugang zur Justiz und erwirkt härtere Strafen für Täter. Kreutz weiter: „Mit der Einführung der neuen Maßnahmen legen wir einen wichtigen Grundstein, um Frauen und Mädchen überall – sei es zu Hause, am Arbeitsplatz oder in der digitalen Welt – zu schützen.“ Gerade letzter Punkt sei in Zeiten von Deepfakes und KI unglaublich wichtig. „Frauen und Mädchen müssen sich auch im virtuellen Raum sicher fühlen können. Die EU zeigt mit diesem Gesetz, dass auch der Cyberspace kein rechtsfreier Raum ist.“

Kreutz kritisierte allerdings das Verhalten Deutschlands und anderer Länder bei der Erstellung des Gesetzes: „Es hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, dass Bundesjustizminister Marco Buschmann zusammen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Ungarns Premier Viktor Orbán Fortschritte bei der Festlegung einer auf Zustimmung basierenden Definition von Vergewaltigung blockiert hat. Aber das Vorhaben deshalb weiter auf die lange Bank zu schieben, war eben auch keine Option.“ Denn erst diese Woche hat das BKA Zahlen veröffentlicht, nach denen häusliche Gewalt – deren Opfer mit großer Mehrheit Frauen sind – um 6,5 Prozent gestiegen ist. „Es ist allerhöchste Zeit die Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu beseitigen“, betonte Kreutz. Eine weitere Verzögerung sei auch deshalb nicht hinnehmbar, weil einige EU-Länder auch zehn Jahre nach ihrem Inkrafttreten die Istanbul-Konvention nicht ratifizieren wollen. „Umso bedeutender ist es, dass die EU nun einen klaren rechtlichen Rahmen setzt und Frauen in der EU schützt. Damit gilt für den Schutz von Frauen in der EU nun ein einheitlicher Rechtsrahmen.“

Für die dbb frauen ist der Beschluss des neuen Gesetzes aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, erklärte Kreutz. „Wir müssen unser Augenmerk nun auf die Versäumnisse der Gesetzgebung richten und unser Engagement kontinuierlich fortsetzen. Denn obwohl Deutschland die Istanbul-Konvention unterzeichnet hat, hinken wir bei der Umsetzung seit Jahren hinterher. So bieten beispielsweise unsere Frauenhäuser, die einen elementaren Bestandteil des Schutzes vor Gewalt bilden, gerade mal ein Drittel der erforderlichen Kapazitäten.“ Es liege noch viel Arbeit vor auf dem Weg, aber das neue Gesetz gebe wichtigen Rückenwind.

Weiterführende Informationen:
Der Einfluss neuer Technologien wie KI auf die Geschlechtergleichheit am Arbeitsplatz wird das zentrale Thema der diesjährigen CESI Summer Days sein. Die CESI ist die european confederation of independent trade unions, in der auch der dbb Mitglied ist. dbb frauen Chefin Kreutz wird auf der Veranstaltung ein Grußwort über die internationalen Standards für Geschlechtergleichheit halten. Mit dem unten stehenden Link können Sie sich für die Veranstaltung anmelden.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/wichtiger-grundstein-zum-schutz-von-frauen.html


23.05.2024

75 Jahre Grundgesetz - Damals wie heute: Wir brauchen mutige Kämpferinnen für die Gleichberechtigung

Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz verabschiedet. Es ist an der Zeit, Bilanz zu ziehen und die nächsten Schritte für die Gleichberechtigung von Frauen zu diskutieren.

„75 Jahre Grundgesetz: Das ist ein Meilenstein für Frauenrechte und die Demokratie im Allgemeinen“, betonte Milanie Kreutz, stellvertretende dbb bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung am 23. Mai 2024. „In Artikel 3 Absatz 2 ist die Gleichberechtigung von Frauen und Männern festgeschrieben. Dazu brauchte es mutige Kämpferinnen, die sich in dem von Männern dominierten parlamentarischen Rat durchsetzten: Elisabeth Selbert, Helene Weber, Friederike Nadig und Helene Wessel – Die ‚Mütter des Grundgesetzes‘ spielten eine zentrale Rolle bei der Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz.“

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ -  Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes in seiner Fassung von 1949

In den 75 Jahren seit Einführung des Grundgesetzes gab es viele Errungenschaften und Fortschritte auf dem Feld der Gleichstellung. Denn obwohl die Gleichberechtigung von Frauen und Männern von Beginn an im Grundgesetz festgeschrieben war, wurde sie erst Jahrzehnte danach Stück für Stück umgesetzt: „Frauen dürfen erst seit 1958 ohne die Zustimmung ihres Ehemanns ein Konto eröffnen, eigenes Geld besitzen und arbeiten gehen“, erklärte Kreutz „Den gesetzlichen Mutterschutz für berufstätige Frauen gibt es erst seit 1968. Heute sehen wir diese Errungenschaften als selbstverständlich an, aber wir müssen stets wachsam bleiben: Das Rad der Zeit lässt sich nämlich leichter zurückdrehen als uns lieb ist.“ Rechte Bewegungen haben kein Interesse an Frauenrechten, Gleichstellung, Gleichberechtigung und Demokratie im Allgemeinen, machte Kreutz deutlich. „Im Gegenteil, in ihren Wahlprogrammen und ihrer Rhetorik finden sich Punkte, diese mühsam erkämpften Rechte wieder zunichtezumachen. Die Verteidigung der Demokratie ist unmittelbar mit der Verteidigung von Frauenrechten verbunden.“

„Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ -  Erweiterung von Artikel 3 Absatz 2 von 1994

In diesem Jahr feiert auch die Ergänzung des Gleichberechtigungsartikels einen runden Geburtstag. Kreutz weiter: „Unser Grundgesetz garantiert Gleichberechtigung, doch echte Gleichstellung ist darin nur als Fördermaßnahme skizziert. Unser Ziel muss es sein, diese Förderung zur Selbstverständlichkeit zu machen. Denn Gender Pay Gap, Gender Care Gap, Gender Pension Gap und Gewalt gegen Frauen sind immer noch weitläufig verbreitete Probleme, die Frauen das Leben erschweren und große Hürden auf dem Weg zur tatsächlichen Gleichberechtigung darstellen.” Auch Frauen in Führungspositionen seien deutlich unterrepräsentiert, das gelte für den öffentlichen Dienst wie für die Privatwirtschaft, im Ehrenamt und in der Politik. Die dbb frauen und das BMFSFJ fördern daher die Entwicklung und Manifestierung von Frauen in Führungspositionen im öffentlichen Dienst mit dem Modellprojekt ‚Führen in Teilzeit‘. „Wir müssen Frauen gezielt in allen Lebensbereichen fördern. Geschlechterstereotype müssen aktiv bekämpft werden. Die Gesellschaft muss Rollenklischees in Schulen und am Arbeitsplatz abbauen. Die Politik muss die Angebote zur Kinderbetreuung ausbauen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern, damit sich Frauen nicht mehr zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen. Vor allem aber müssen wir Frauen besser vor Gewalt schützen“, forderte Kreutz.

„So wie Elisabeth Selbert und ihre Mitstreiterinnen damals brauchen wir auch heute couragierte und engagierte Frauen, die sich für Demokratie und Gleichstellung einsetzen“, hob die dbb frauen Chefin hervor. Frauenrechte und Gleichstellung seien keine Selbstläufer. „Die Mütter des Grundgesetzes mussten sich durchsetzen und auch heute stehen der Erhalt und Ausbau der Gleichstellung unter zunehmendem Beschuss von autokratischen und rückwärtsgewandten Kräften.” Kreutz appelliert: „Werden Sie in Gewerkschaften, Politik oder in anderen Organisationen aktiv, um die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben. Der Kampf ist noch lange nicht vorbei. Gemeinsam können wir eine Gesellschaft schaffen, in der Frauen und Männer nicht nur auf dem Papier, sondern wirklich gleichberechtigt sind!“


Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/damals-wie-heute-wir-brauchen-mutige-kaempferinnen-fuer-die-gleichberechtigung.html


16.04.2024

18. Frauenpolitische Fachtagung - dbb frauen: „Sorgearbeit ist eine unschätzbare Leistung für unsere Gesellschaft“

Die dbb bundesfrauenvertretung forderte auf ihrer Fachtagung, dass Sorgearbeit nicht länger für finanzielle Unsicherheit steht. Der Handlungsbedarf ist enorm und die Zeit drängt.

„Wir sind hier, um Sorgearbeit sichtbar zu machen, angemessen zu würdigen und gerecht zu verteilen“, betonte Milanie Kreutz, stellv. dbb Bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung zum Auftakt der Tagung am 16. April 2024 in Berlin. „Sorgearbeit betrifft uns alle und ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit, die in allen Bereichen unserer Gesellschaft Anerkennung finden muss.“ Die Gewerkschaften müssen weiterhin auf politische Reformen drängen, die Frauen in allen Lebensphasen unterstützen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Kreutz appellierte an die Politik: „Um echte Fortschritte zu erzielen, müssen wir die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Sorgearbeit nicht länger für finanzielle Unsicherheit und Altersarmut steht, sondern als das anerkannt wird, was sie wirklich ist: eine unschätzbare Leistung für unsere Gesellschaft.“ Beispielsweise sei es an der Zeit, Fürsorgeverantwortung als ein Merkmal im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz aufzunehmen.

Kreutz: Wir stehen an einem Wendepunkt

Denn: Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung eines Landes hängt maßgeblich von der gleichberechtigten Teilhabe aller Geschlechter ab. Laut Gender Gap Report 2023 hinkt Deutschland im internationalen Vergleich bei der Gleichstellung von Frauen in der Wirtschaft ziemlich hinterher, insbesondere was die Teilzeitquote und den Anteil von Frauen in Führungspositionen betrifft. „Diese Situation erfordert nicht nur eine Neubewertung der Arbeitsmarktstrategien und eine stärkere Förderung von Gleichstellung am Arbeitsplatz, sondern auch ein kulturelles Umdenken in Bezug auf Geschlechterrollen und die Verteilung von Sorgearbeit“, erklärte Kreutz. „Wir stehen heute an einem Wendepunkt. Ohne sofortiges Handeln verwandelt sich die Sorgearbeitskrise in eine gesamtgesellschaftliche Krise. Die finanzielle Benachteiligung ‚typischer‘ Frauenberufe muss ein Ende haben. Gleichzeitig muss die Gesellschaft Geschlechterstereotype aufbrechen und eine Geschlechtergleichheit in der Sorgearbeit herstellen. Nur so können wir den Gender Pay Gap und den Gender Care Gap schließen.“ Es sei Zeit, zu handeln, machte Kreutz deutlich. „Wir müssen Altersarmut wirksam bekämpfen und die Grundlagen für eine gerechtere Zukunft legen. Wir haben die Fakten, wir kennen die Herausforderungen, und jetzt ist es an uns, Lösungen zu finden und umzusetzen.“

Silberbach: Armutsrisiko für pflegende Angehörige eindämmen

„Die Pflege von Angehörigen darf nicht zu Altersarmut führen. Wir brauchen dringend die steuerfinanzierte Entgeltersatzleistung“, forderte dbb Bundesvorsitzender Ulrich Silberbach auf der Veranstaltung. Der dbb habe dem Familienministerium bereits ein Konzept für Familienpflegezeit und -geld vorgelegt. Ein solcher Ausgleich stehe auch im Koalitionsvertrag. „Leider hat sich die Bundesregierung in dieser Sache noch nicht bewegt“, kritisierte Silberbach. Für viele pflegende Angehörige sei es sehr schwierig, die Pflege mit Beruf und Familie zu vereinbaren. Silberbach weiter: „Insbesondere Frauen laufen in Gefahr, ihr Einkommen und ihren Job zu verlieren. Hier muss die Politik mit ausgleichenden Maßnahmen ansetzen.“ Die Pflege von Angehörigen erfordere viel Zeit und Energie und sei im deutschen Gesundheitssystem unerlässlich. „Wir haben in der stationären Versorgung schon lange das Versorgungslimit erreicht“, erklärte Silberbach. „Ohne pflegende Angehörige würde das System kollabieren.“

Lauterbach: Regierungsentwurf noch vor der Sommerpause

Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach: „Von den rund 5,2 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden ca. 4,4 Millionen zu Hause versorgt, meistens von Angehörigen – und das sind in der überwiegenden Zahl Frauen. Sie betreuen ihre Nächsten oft rund um die Uhr, häufig neben dem Beruf. Das verdient deutlich mehr Respekt und gesellschaftliche Anerkennung als heute üblich und braucht aber auch mehr Unterstützung. Daher sorgen wir zunächst dafür, dass pflegende Angehörige die Leistungen zur Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege als einen gemeinsamen Jahresbetrag künftig flexibel einsetzen können. Wir haben das Pflegegeld deutlich angehoben und die Leistungen für die Inanspruchnahme von ambulanten Pflegediensten wurden zum 1. Januar 2024 um 5 Prozent erhöht. Und tritt in der Familie ein plötzlicher Pflegefall auf oder benötigt akut Unterstützung, können sich Angehörige bis zu zehn Arbeitstage pro Jahr freistellen lassen. Das sorgt für Sicherheit und mehr Zeit für die Pflege der Nächsten. Trotzdem werden wir die Bedingungen für die Pflege weiter verbessern müssen. Dazu werden wir noch vor der Sommerpause einen Regierungsentwurf haben.“

Deligöz: Einsatz für eine faire Verteilung lohnt sich für alle

Ekin Deligöz, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium: „Ohne Care-Arbeit könnte unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Doch die ungleiche Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit ist ein großes gleichstellungspolitisches Problem. Häufig kümmern sich Frauen um Kinder, Angehörige und den Haushalt, dafür treten sie beruflich kürzer - mit weitreichenden Folgen, wie geringeres Gehalt, weniger berufliche Chancen, eine prekäre Alterssicherung und hohen Armutsrisiken. Wir wollen es Frauen ermöglichen, ein Erwerbseinkommen zu erzielen, das heute und für das Alter ausreicht. Daran arbeiten wir bereits, z.B. mit Investitionen in Kita-Qualität und Ganztagsbetreuung oder mit Maßnahmen, die die Partnerschaftlichkeit von Anfang an stärken, wie die geplante Familienstartzeit. Wir prüfen weiterhin Verbesserungen bei der Familienpflegezeit, die es pflegenden Angehörigen - vor allem Frauen - erleichtern soll, Beruf und Pflege zu vereinbaren. Es lohnt sich für alle, sich für eine faire Verteilung von Care-Arbeit zwischen Frauen und Männern einzusetzen."

Schoß: Finanzielle Fehlanreize beseitigen

Annemarie Schoß, Referentin für Familienpolitik beim Sozialverband VdK, umriss in ihrem Impulsvortrag die sichtbaren Folgen unsichtbarer Arbeit. Ein Großteil der unsichtbaren Arbeit, einer „gesellschaftlich grundwichtigen Arbeit“, leisteten Familien zu Hause. Dabei nehme die Sorgearbeit mit rund 20 Stunden pro Woche den Umfang eines zusätzlichen Teilzeitjobs an. Der damit verbundene Gender Care Gap sei eklatant, denn Frauen leisteten rund 44 Prozent mehr „unsichtbare“ Sorgearbeit als Männer. Das sei auf kaum veränderte Geschlechterrollen in der grundsätzlichen Aufgabenverteilung zurückzuführen, und gesetzliche Regelungen wie Ehegattensplitting, die Behandlung von Minijobs und Details des Krankenversicherungssystems verstärkten die gesetzten Fehlanreize zusätzlich. Anreize für eine gerechtere Verteilung von Sorgearbeit könnten zum Beispiel in Form von Arbeitszeitflexibilisierung, einem verbesserten Pflegeangebot und einer Reform des Ehegattensplittings gesetzt werden. Zudem müsse der Mindestlohn angehoben und Lohnersatzleistungen im Zusammenhang mit Care-Arbeit verbessert werden, um späteren Versorgungslücken entgegenzuwirken.

Hoff: Sorgearbeit in Tarifverträge einbeziehen

Die Auswirkungen demografischer Faktoren auf die Pflegesituation verdeutlichte Dr. Andreas Hoff, Professor für Soziale Gerontologie an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Hochschule Zittau/Görlitz. „Pflege ist zu einem großen Teil Pflege durch Angehörige, denn 84 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut. Demografiegetrieben wird die Pflegebedürftigkeit insgesamt bis ins Jahr 2025 sehr dynamisch steigen“, so der Wissenschaftler. Im Zuge dieser Entwicklung werde auch die Bedeutung der ambulanten Pflege steigen, während die stationäre Pflege stagniere oder sogar zurückgehe. Außerdem werde sich der Anteil pflegender Angehöriger, die erwerbstätig sind, erhöhen. Um gesundheitlichen Folgen und finanziellen Nachteilen entgegenzuwirken schlug Hoff ein Maßnahmenpaket vor, das sich an den Ergebnissen des zweiten Berichts des unabhängigen Beirates für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf orientiert: Die Einführung einer Entgeltersatzleistung (analog zum Elterngeld) für bis zu 36 Monate sowie eine nach praktischen Kriterien gestaffelte Erhöhung der Freistellung auf maximal 36 Monate. Darüber hinaus sollten die Regelungen der zehntägigen Arbeitsverhinderung für Pflegende inklusive Pflegeunterstützungsgeld auf zehn Arbeitstage pro Jahr erweitert und das Pflegezeitgesetz sowie das Familienpflegezeitgesetz zusammengeführt werden. Der Gerontologe plädierte dafür, Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber stärker in die Pflicht zu nehmen. Dazu müsse die bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf auch Gegenstand von Tarifverhandlungen werden.
„Ich hasse Hausarbeit“, bekannte Ella Carina Werner, Autorin, Satirikerin und TITANIC-Mitherausgeberin, freimütig und beschrieb den ständigen Konkurrenzkampf von Kindern, Arbeit und Haushalt. Ihr Lösungsvorschlag besteht in der Vision eines „idealen Putzmannes“, etwa eines Controllers oder Top-Rechtsanwaltes, den seine Haupttätigkeit einfach nicht auslaste.

Meier-Gräwe: Zeitenwende, die sich nicht auf Rüstungsaufgaben beschränkt

In ihrem Impulsvortrag über „Die ökonomischen Folgen von ungleich verteilter Care-Arbeit“ skizzierte Uta Meier-Gräwe, Autorin und ehemalige Lehrstuhlinhaberin für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaften an der Universität Gießen, wie sich im Rahmen der Herausbildung der Industriegesellschaft außerhäusliche Erwerbsarbeit und unbezahlte, häusliche Erziehungs- und Hausarbeit voneinander getrennt hätten. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass Care-Arbeit ein Fundament der Gesamtgesellschaft sei. Die damalige Sachverständige für den 1. und 2. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung forderte eine „Um-Care“: „Wir müssen ein Modell für die faire Verteilung von Care-Arbeit finden!“ So müsse professionelle Care-Arbeit besser bezahlt werden und das in einigen Regionen noch immer zu zahlenden Schulgeld müsse zugunsten einer Ausbildungsvergütung abgeschafft werden. „Diese Berufe müssen so tarifiert und vergütet werden, dass sie auch für den interessant werden, der sonst bei VW arbeiten würde.“ Um 2030 werde bis zu ein Drittel aller Beschäftigten im Bereich Care-Arbeit arbeiten. „Sorgearbeit ist eine zentrale wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufgabe. Wir brauchen eine Zeitenwende, die sich nicht auf Rüstungsaufgaben beschränkt“, mahnte Meier-Gräwe.
In drei parallel stattfindenden Diskussionsrunden hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich mit den Referentinnen und Referenten zu den entsprechenden Themen auszutauschen.

Eine positive Veränderung ist möglich

In der Diskussionsrunde zum „Thema Sorgearbeit und Pflege im Fokus: Gendergerechte Lösungsansätze in der Politik und Arbeitswelt“ diskutierten dbb frauen Chefin Milanie Kreutz, Katrin Lange (Bereichsleitung Europa & Nachhaltigkeit, Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.), und Stephanie Peterson (Vorständin Ressort Customer Management AXA AG) mit dem Publikum. Die Beteiligten fragten sich, warum die tradierten Rollenbilder weiterbestehen. Es brauche zur Lösung eine Neuorganisation von Erwerbs- und Sorgearbeit, wofür auch im Kapitalismus noch Spielraum bestehe (siehe Ostdeutschland oder Skandinavien). Eine positive Veränderung sei also möglich. Die neuen Werte müssen nicht gelehrt, sondern vorgelebt werden, möglichst bereits in den Kitas. Besonders wichtig sei es jetzt, Verbündete gerade in der Wirtschaft und Industrie zu finden. Die bezahlte Carearbeit monetär aufzuwerten, setze auch ein Zeichen für die unbezahlte Carearbeit. Auch Steuerfragen wie beispielsweise das Ehegattensplitting oder Freibeträge für Kinder müssen geklärt werden. Bei alldem sei ein Differenzierter Blick auf die komplexe Sachlage wichtig. Auch marginalisierte Frauen müssen im Blick bleiben. Viel zu oft seien sie die „Lückenbüßer" für Privilegierte - das darf nicht sein. Wichtig sei zudem der Solidargedanke. Milanie Kreutz betonte: „Ich möchte nicht Karriere machen auf dem Rücken von Erzieher*innen, die dann schlecht bezahlt werden und nicht gleichberechtigt leben dürfen.“

Mehr und bessere Kommunikation nötig

Zum Thema „Pflege und Sorgearbeit in Zeiten des Demografischen Wandels“ erarbeiteten Prof. Dr. Hoff und Daniela Romeis vom LBB gemeinsam mit den Teilnehmenden Lösungen. In den Diskussionen wurde schnell deutlich, dass sich viele Probleme durch bessere Kommunikation lösen lassen: Man müsse der Gesellschaft klarmachen, dass ausnahmslos alle von Sorgearbeit betroffen sind. Dafür müssen die Botschaften aber auch die gesamte Breite der Gesellschaft erreichen. Da bei der Pflege die Verhältnisse zwischen den Geschlechtern aber auch zwischen den Generationen extrem unausgeglichen seien, brauche es mehr Verständnis füreinander und mehr Austausch zwischeneinader. Romeis, die selbst seit vielen Jahren in der stationären Pflege arbeitet, kritisierte die mangelhafte Nachsorgearbeit. Pflegebedürftige wollen lieber zuhause versorgt werden, die Angehörigen seien mit plötzlichem Pflegebedarf aber häufig überfordert. Hier sei ein besseres Informationsangebot für Angehörige nötig. Das Gesundheitssystem verlasse sich zu sehr auf Angehörige. Dies sei besonders dann problematisch, wenn keine Angehörigen vorhanden sind. Auf der Arbeit müssen pflegende Angehörige deutlich mit dem Arbeitgeber über Pflegezeit kommunizieren, der Arbeitgeber selbst muss aber auch kommunikativ und transparent sein. Für die Zukunft muss die Vereinbarkeit von Pflege und Arbeit Teil der Tarifverhandlungen werden.

Gewerkschaften müssen Druck machen

Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe und Dr. Bettina Rainer (Bündnis Sorgearbeit fair teilen) sprachen mit den Teilnehmenden über die ökonomischen Folgen von ungleich verteilter Care-Arbeit. Am wichtigsten sei, Sorgeberufe ernsthaft anzugehen und Geld zu investieren. Hier Druck zu machen sei die vorrangige Aufgabe von Gewerkschaften. Auch die Reform der Wirtschaftslehre an Universitäten sei notwendig. Bestes Beispiel hierfür: Der Begriff „unterbrechungsbedingter Humankapitalverlust" steht für den Ausstieg aus dem Beruf nach der Geburt eines Kindes. In der Realität steht er aber auch für eine niedrigere Einstufung und berufliche Stagnation nach der Rückkehr. Eine der zentralen Fragen war, wie man mehr Männer als Mitstreiter gewinnen kann. Die Antworten waren, dass man Männer von Anfang an adressieren müsse, Medien müssten Geschlechterstereotype aufbrechen und strukturelle Reformen seien notwendig. Denn Männer können durch Sorgearbeit persönlich viel gewinnen und wollen das auch, befürchten aber negative Auswirkungen auf die Karriere. Die Aufteilung von Sorgearbeit werde in Partnerschaften oft nicht besprochen, das müsse sich ändern. Es gelte, Care-Arbeit zur gesellschaftlichen Arbeit zu machen, denn nicht die Frau habe das individuelle Problem bei der Familienplanung, es ist ein gesellschaftliches Problem. Die Vorhaben im Koalitionsvertrag wie z.B. Zuschüsse für haushaltsnahe Dienstleistungen müssen noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden. Dies sei längst überfällig und wäre ein gutes Signal.

Hintergrund:
Die Fachtagung stand unter dem Motto „Familie, Sorgearbeit, Altersarmut - die CAREseite der Medaille“. Die Expertinnen, Experten und Entscheidungsträgerinnen und –träger beleuchteten die Auswirkungen von Sorgearbeit auf die Erwerbstätigkeit von Frauen und die Bedeutung von Care-Arbeit in unserer Volkswirtschaft und Gesellschaft heraus.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/dbb-frauen-sorgearbeit-ist-eine-unschaetzbare-leistung-fuer-unsere-gesellschaft.html


08.03.2024

Internationaler Frauentag - Jeden Tag für die Rechte und Würde aller Frauen kämpfen

Vielerorts ist Gleichstellung noch nicht erreicht – wie im Fall der Altersarmut, teils mit gravierenden Folgen. Gleichzeitig sägen rechte Kräfte an der Gleichstellungspolitik.

„Der Weltfrauentag dient uns nicht nur als Moment der Besinnung, sondern stellt ein kraftvolles Symbol für unseren gemeinsamen Einsatz für Gleichheit und Gerechtigkeit weltweit dar. Heute feiern wir nicht nur Errungenschaften, sondern erneuern auch unsere Verpflichtung, jeden Tag für die Rechte und die Würde jeder Frau und jedes Mädchens zu kämpfen. Frauenrechte sind ein zentraler Bestandteil der Demokratie und somit ist die Stärkung von Frauenrechten immer auch eine Stärkung der Demokratie. Es ist daher unsere Pflicht, als Bollwerk der Demokratie und Gleichheit klare Kante gegen Rechtsextremismus, Sexismus und Diskriminierung zu zeigen“, unterstreicht Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb Bundesvorsitzende, am 8. März 2024 auf der Sitzung der UN-Frauenrechtskommission in New York. Die Kommission befasst sich in diesem Jahr mit der Beschleunigung der Gleichstellung der Geschlechter und Teilhabe aller Frauen und Mädchen durch Armutsbekämpfung sowie durch die geschlechtergerechte Stärkung von Institutionen und Finanzpolitik.

Kreutz weiter: „Unsere Strategie für die Zukunft muss sowohl die Symptome als auch die Ursachen von Diskriminierung angehen. Wir müssen daher den Fortschritt der Geschlechtergleichstellung beschleunigen und gleichzeitig sozioökonomische Chancengleichheit fördern. Denn Rechtsextremismus nährt sich oft aus sozialen Ungleichheiten und verfestigten Vorurteilen.  Mehr wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Teilhabe von Frauen bedeuten nicht nur ein nachhaltiges Wachstum unserer Volkswirtschaft, sondern sind auch ein strategischer Schritt, um extremistischen Ideologien den Nährboden zu entziehen. Durch die Stärkung unserer Institutionen und die Ausrichtung unserer Finanzpolitik auf Geschlechtergerechtigkeit schaffen wir eine Gesellschaft, die weniger anfällig für die Spaltung durch extremistische Kräfte ist und in der jede Frau und jedes Mädchen die Chance hat, frei von Armut und Diskriminierung zu leben.“

Barrieren niederreißen
In Deutschland sind Frauen in allen Altersgruppen stärker armutsgefährdet als Männer. „Armut ist mehr als nur das Fehlen finanzieller Mittel. Sie ist eine Barriere, die Frauen von der vollen Entfaltung ihres Potenzials abhält. Diese Barriere muss niedergerissen werden – auch in Deutschland. Hierzulande stellt vor allem Altersarmut ein großes Problem für Frauen dar“, erklärt Kreutz. So waren 2021 ein Fünftel der Frauen über 65 armutsgefährdet, soweit sie ausschließlich von ihrer Rente leben. „Altersarmut ist das stille Echo einer Gesellschaft, die vergessen hat, die Brücken zu stärken, die ihren Ältesten ein würdevolles Leben im Alter ermöglichen. Und es sind überwiegend Frauen, die im Alter nicht über die Runden kommen.“ Die Wurzeln dieser geschlechtsspezifischen Rentenungleichheit verankern sich tief in den Arbeitsbiografien von Frauen, die oft ab dem 30. Lebensjahr, wenn nicht gar früher, aufgrund familiärer Pflichten in schlechter bezahlte Jobs oder Teilzeitarbeit gedrängt werden. Diese systembedingte Diskrepanz manifestiert sich dann in niedrigeren Rentenansprüchen. „Es ist höchste Zeit, dass politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger diese Missstände an der Wurzel packen“, macht Kreutz deutlich. „Die Förderung der beruflichen Teilhabe von Frauen, ihre Präsenz in Leitungspositionen und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf – für alle Geschlechter – ist essenziell. Nur durch eine gerechte Aufteilung von Care-Arbeit können wir dieses strukturelle Problem grundlegend angehen.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/jeden-tag-fuer-die-rechte-und-wuerde-aller-frauen-kaempfen.html


07.03.2024

Gleichstellungsindex 2023 - Tempo für Gleichstellung erhöhen

Die dbb frauen begrüßen die jüngsten Fortschritte bei der Besetzung von Führungspositionen in den obersten Bundesbehörden, sehen aber noch Nachholbedarf.

Zum Stichtag 30. Juni 2023 waren 43 Prozent der Führungspositionen in den obersten Bundesbehörden mit Frauen besetzt. Das bedeutet einen Anstieg um zwei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. "Diese Entwicklung ist ein Schritt in die richtige Richtung, zeigt aber auch, dass wir das Tempo erhöhen müssen, um unser Ziel der gleichberechtigten Teilhabe bis Ende 2025 zu erreichen", kommentiert Michaela Neersen, stellvertretende Vorsitzende der dbb frauen, die Veröffentlichung des Gleichstellungsindex 2023 am 7. März 2024. „Die Ampelkoalition will in diesem Jahrzehnt die Gleichstellung erreichen. Langsam nähern wir uns dem Mittelpunkt dieser Dekade, die Gleichstellung in den Bundesbehörden hinkt aber noch weit hinterher.“

Obwohl der Frauenanteil an Führungspositionen in den obersten Bundesbehörden und im nachgeordneten Bereich positive Entwicklungen zeige, mahnt die stellvertretende Vorsitzende, dass die Gesamtzahl der in Teilzeit arbeitenden Führungskräfte weiterhin ausbaufähig sei. „Es ist essentiell, dass wir Strukturen schaffen, die es allen ermöglichen, Führungsverantwortung zu übernehmen, unabhängig vom Umfang der Arbeitszeit. Teilzeit darf kein Karrierekiller sein." Die dbb frauen haben hierzu gemeinsam mit dem BMFSFJ das Modellprojekt „Führen in Teilzeit“ ins Leben gerufen. Das Projekt adressiert die zentrale Herausforderung bei der Förderung von Frauen in Führungspositionen, nämlich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Führen in Teilzeit ermöglicht sowohl Frauen als auch Männern in besonderen Lebensphasen, wie zum Beispiel in der ‚Rush Hour‘ des Lebens rund um die Zeit der Familienplanung, flexibel zu bleiben, und sowohl die beruflichen als auch die familiären Verpflichtungen erfüllen zu können. Das ist ein wesentlicher Baustein zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt.“

Darüber hinaus setzen sich die dbb frauen weiterhin für eine zügige Umsetzung der Maßnahmen ein, um die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Führungspositionen in der gesamten Bundesverwaltung zu gewährleisten. „Gemischte Teams sind die besten Teams. Ein hoher Frauenanteil in der Führung motiviert andere Frauen, sich mehr zuzutrauen und selbst Führung zu übernehmen. Ein geringer Frauenanteil wirkt dagegen als Hemmnis.“ Es gelte, die verschiedenen Barrieren für Frauen in Führungspositionen abzubauen. Dazu gehören die ungleiche Verteilung der Care-Arbeit, veraltete Rollen- und Aufgabenvorstellungen am Arbeitsplatz und eine unflexible Aufteilung der Arbeitszeit. „Unser Ziel ist klar“, betont Neersen, „Eine Bundesverwaltung, die dem gesamten öffentlichen Dienst mit gutem Beispiel vorangeht und zeigt, dass Fürsorgeverantwortung keine Rolle beim beruflichen Fortkommen spielt."

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/tempo-fuer-gleichstellung-erhoehen.html

06.03.2024

Equal Pay Day - dbb frauen: Mehr Frauensolidarität

Im Schnitt verdienen Frauen immer noch weniger als Männer. Ein Unding – mehr Initiative von Politik und Gesellschaft, diese Ungleichheit zu beseitigen, ist zwingend notwendig.

„Es ist höchste Zeit für Equal Pay – und zwar auch im öffentlichen Dienst!“, betonte Milanie Kreutz, stellvertretende dbb Bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung anlässlich des Equal Pay Day am 6. März. „Der Fokus muss auf der Schaffung von Rahmenbedingungen liegen, die Führung, Aufstieg und Beurteilungen neu definieren, während Care-Arbeit gerecht verteilt wird.“ Am Tag davor hatten die dbb frauen bereits in einem digitalen Live-Gespräch mit Astrid Siemes-Knoblich, der ehemaligen Bürgermeisterin der Stadt Müllheim und erfolgreicher Equal Pay Klägerin, wichtige Impulse zu Equal Pay und Frauensolidarität im öffentlichen Dienst gesetzt. Dabei wurde deutlich, wie entscheidend die Förderung von Frauen und die Schließung des Gender Pay Gaps sind.

Die Corona-Pandemie habe allen die gravierenden Unterschiede zwischen den ‚typischen‘ Frauenberufen, beispielsweise in der Pflege oder Erziehung, und den Männerberufen bewusstgemacht: „Gerade im Care-Bereich werden die Beschäftigten per se schlechter bezahlt als in den ‚Männerberufen‘“, erklärte Kreutz. Als Schlüsselfähigkeiten für die Männerberufe werden oft „Selbständigkeit“ und „Verantwortung“ angegeben. „Dabei tragen doch diejenigen, die in der Care-Branche arbeiten und für die frühesten, entscheidenden und verletzlichsten Phasen eines Menschen zuständig sind, eine riesige Verantwortung. Auf diese Diskrepanz wollen wir am heutigen Equal Pay Day aufmerksam machen und fordern mehr Maßnahmen seitens der Politik und mehr Courage von der Gesellschaft, den Gender Pay Gap zu schließen.“

Weiterhin große Hürden für Frauen in Führungspositionen

Für Frauen sei es immer noch schwierig, in Führungsetagen vorzudringen, die überwiegend von Männern besetzt werden. Dadurch ergebe sich ein Teufelskreis: „Ein geringer Frauenanteil ist für viele Frauen ein großes Hemmnis, sich zu bewerben, wodurch auch der Frauenanteil nicht wächst. Wir müssen diesen Teufelskreis in eine selbsterfüllende Prophezeiung umkehren: Ein hoher Frauenanteil motiviert mehr Frauen, sich in die Führungsebene zu begeben. Wir glauben auch, dass Führen in Teilzeit oder Führen im Tandem dazu führt, dass mehr Frauen sich in Führungspositionen begeben.“ Die dbb frauen haben gemeinsam mit dem BMFSFJ das Projekt „Führen in Teilzeit“ gestartet. „Leider sind insbesondere bei den älteren Generationen Geschlechterstereotype immer noch stark verankert“, beklagte Kreutz. Dies schlage sich bei den Frauen dann in den für sie vorgesehenen Tätigkeiten und insbesondere in der Bezahlung nieder. „Wir erleben häufig, dass Frauen von ihren männlichen Kollegen nicht für voll genommen werden, oder, dass Frauen zwar in Führungspositionen kommen, aber sich dort nicht lange halten – oder gehalten werden.“ Hier brauche es ein dringendes Umdenken in der Gesellschaft, um mit den antiquierten und schädlichen Rollenklischees zu brechen.

Die dbb frauen haben in ihrer Arbeit zu Equal Pay festgestellt, dass Bezeichnungen wie „zielstrebig“ oder „durchsetzungsstark“ eher männlichen Teamkolleginnen zugesprochen wurden, während „kommunikativ“ und teambewusst“ eher weiblich konnotiert wurde. „Schon in der Bewertung von Stellen oder Personen liegt eine Ungleichheit vor“, erklärte Kreutz, „‚zielstrebig‘ oder ‚durchsetzungsstark‘ bedeuten übersetzt mehr Belastbarkeit und Flexibilität. Wenn ich aber in Teilzeit arbeite und an die Öffnungszeiten des Kindergartens gebunden bin, dann bin ich nicht flexibel.“ Die dbb frauen versuchen, diejenigen, die für Stellenvergaben zuständig sind, für solche Fallstricke zu sensibilisieren. „Das ist einer der Gründe, warum wir uns für gemischte Führungsteams stark machen. So hat man unterschiedliche Perspektiven bei der Beurteilung. Wir würden uns auch wünschen, dass bei der Beurteilung gleichstellungsrelevante Aspekte im Team berücksichtigt werden. Das sind für uns wichtige strukturelle Rahmenbedingungen.“

„Wir dürfen die Kompetenzen der Frauen nicht verlieren“, machte Kreutz klar. Frauen sollen nicht in die Situation kommen, dass sie sich die Verantwortung und Selbstständigkeit für eine Stelle nicht zutrauen. „Der öffentliche Dienst steht natürlich mit beiden Beinen auf der Verfassung und dem Grundgesetz. Doch in der Ausübung geht es nicht immer so gerecht zu, was es Frauen oft schwermacht. Gleichzeitig haben wir es derzeit mit einer extremen Gefahr von rechts zu tun. Daher ist es an der Zeit, dieses Paket festzuzurren und mehr Frauensolidarität zu zeigen.“

Hintergrund:
Das statistische Bundesamt hat am 18. Januar 2024 die aktuellen Zahlen zum Gender Pay Gap in Deutschland vorgelegt. Der unbereinigte Gender Pay Gap ist seit Beginn der Messung im Jahr 2006 von 23 Prozent auf 18 Prozent gesunken, wo er seit 2020 unverändert verharrt. Der bereinigte Gender Pay Gap, welcher Unterschiede in Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien berücksichtigt, beträgt 6 Prozent.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/dbb-frauen-mehr-frauensolidaritaet-1.html

01.03.2024

Gemeinsam gegen Rechtsextremismus - Resolution der dbb frauen: Demokratie stärken und Frauenrechte verteidigen

Die dbb frauen haben auf ihrer Hauptversammlung in Bonn einstimmig eine Resolution gegen Rechtsextremismus verabschiedet.

„Wir appellieren an alle, sich klar gegen Rechtsextremismus zu positionieren und ihn in all seinen Formen und Handlungen zu bekämpfen“, stellte Milanie Kreutz, stellvertretende dbb Bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung auf der Hauptversammlung der dbb frauen am 1. März 2024 klar. Die dbb frauen hatten auf ihrer zweitägigen Tagung in Bonn eine Resolution gegen die Bedrohung durch Rechtsextremismus und für die Stärkung von Frauenrechten verabschiedet. „Die dbb frauen verurteilen jegliche Formen von Rechtsextremismus, Frauen- und Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus sowie jede Ideologie, die Frauenrechte und die Gleichberechtigung der Geschlechter in Frage stellen oder Geschlechterstereotype fördern. Diese Ideologien stehen im Widerspruch zu den Grundwerten unserer demokratischen Gesellschaft“, schreibt die bundesfrauenvertretung in ihrer Resolution.  

Kreutz weiter: „Wir wollen eine Gesellschaft, in der Solidarität und Demokratie im Vordergrund stehen. Rechte Bewegungen haben kein Interesse an diesen Werten, an Frauenrechten, Gleichstellung, Gleichberechtigung und Demokratie im Allgemeinen. Im Gegenteil, in ihren Wahlprogrammen und ihrer Rhetorik finden sich Punkte, diese mühsam erkämpften Rechte wieder zunichtezumachen. Sie stehen grundsätzlich im Widerspruch zu unseren freiheitlich-demokratischen Werten.“ Die Verteidigung der Demokratie sei unmittelbar mit der Verteidigung von Frauenrechten verbunden.

„Nie wieder ist jetzt. Warten bedeutet weitere Prozentpunkte für die AfD und ihre politisch Gleichgesinnten in den deutschen und europäischen Parlamenten“, erklärte Kreutz. Mit der Europawahl, drei Landtagswahlen und zahlreichen Kommunalwahlen im Blick dürfe niemand riskieren, dass dieses Jahr die Entscheidungsmacht an Autokraten geht. Kreutz betonte: „Das ist unsere Aufgabe als Beschäftigte im öffentlichen Dienst, die Aufgabe der Zivilgesellschaft, die Aufgabe der Politikerinnen und Politiker. Es ist die Aufgabe aller.“

Mehr zum Thema: https://www.dbb-frauen.de/fileadmin/user_upload/dbb_frauen/images/2024/240301_Resolution_gegen_Rechtsextremismus.pdf

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/resolution-der-dbb-frauen-demokratie-staerken-und-frauenrechte-verteidigen.html


29.02.2024

Equal Care Day - Pflege, Beruf und Familie wieder ins Gleichgewicht bringen

Vor allem Frauen reduzieren für die Pflege von Angehörigen ihre Erwerbstätigkeit, was das Risiko für Altersarmut erhöht. Doch das ist nur die Spitze des Care-Gap-Eisbergs.

„Wir sind leider noch weit davon entfernt, dass die Vereinbarkeit zwischen Pflege, Beruf und Familie für alle möglich ist“, machte Milanie Kreutz, stellvertretende dbb Bundesvorsitzende und Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung zum Equal Care Day am 29. Februar 2024 deutlich. „Die angestrebte Balance ist die Ausnahme. In der Regel kippt es in Richtung Pflege, was bedeutet, dass Beruf und Familie hintenangestellt werden. Pflegende Angehörige gehen in Teilzeit oder kündigen. Dadurch haben sie deutlich weniger Rente und können weniger bis gar keine Rücklagen ansparen. Die Folge ist vielfach Altersarmut. Dadurch, dass ca. 70 Prozent der pflegenden Angehörigen Frauen sind, sind vor allem sie dem Risiko der Altersarmut ausgesetzt.“

Eine Lösung für dieses Problem stellt eine steuerfinanzierte Entgeltersatzleistung dar, so Kreutz: „Wir empfehlen ein Modell, mit dem sich pflegende Angehörige freistellen lassen können und einen finanziellen Ausgleich erhalten, auf den Pflegehaushalte rasch und unbürokratisch zugreifen können. Der „Unabhängige Beirat für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“, in dem auch der dbb Mitglied ist, hatte dem Bundesfamilienministerium bereits vor über einem Jahr ein Konzept zur Ausgestaltung von Familienpflegezeit und -geld vorgelegt. „Jetzt ist die Politik am Zug. Leider gab es noch keine Bewegung bei diesem Thema, obwohl die Lohnersatzleistungen bei Pflege im Koalitionsvertrag stehen.“

Kreutz betonte, dass sich die Pflege von Angehörigen auch nicht einfach „outsourcen“ lasse: „Die Pflegeheime in Deutschland sind schon seit Jahren überlastet und haben kaum noch Plätze. Dies wird durch einen gravierenden Fachkräftemangel in der Pflege und eine alternde Bevölkerung in den kommenden Jahren noch weiter verstärkt. Auch bei der ambulanten und häuslichen Pflege ist das Personal knapp. Wir sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem das komplette deutsche Pflegesystem auf der kostenlosen Pflege durch Angehörige aufbaut. Ohne sie würde es kollabieren.“ Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben sei ein wichtiger Schritt, aber keine nachhaltige Lösung. „Diese Fachkräfte fehlen dann wiederum in ihren eigenen Ländern, wo sie ebenfalls gebraucht werden.“ Dem Gender Care Gap werde damit auch nicht geholfen, da die große Mehrheit der angeworbenen Pflegekräfte Frauen sind.

„Die Pflege ist zwar das prominenteste Beispiel für die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit und ihre Auswirkungen, ist aber nur die Spitze des Eisbergs“, erklärte Kreutz. Laut dem zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung verrichten Frauen eineinhalb Mal so viel Familien- und Sorgearbeit wie der Mann. Bei Familien mit Kind fallen damit häufig zweieinhalb Stunden mehr Arbeit für die Frau an, als für den Mann. Mehr Kinder oder Kinder mit Behinderung sorgen für eine Steigerung dieser Diskrepanz. Alleinerziehende Eltern, von denen Mütter knapp 84 Prozent oder 2,2 Millionen ausmachen, müssen die Sorgearbeit nahezu komplett allein verrichten. Diese zweieinhalb Stunden müssen irgendwo abgezogen werden, sei es vom Beruf, von Freizeit und Hobbies, von der Weiterbildung oder vom Schlaf. „Darum gilt es, antiquierte Geschlechterrollen aufzubrechen und gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine gerechte Verteilung der Care-Arbeit fördern und nicht – wie im Fall des Ehegattensplittings – hemmen.“

Hintergrund:

Der Equal Care Day ist ein Aktionstag, um auf die gravierenden Geschlechterunterschiede bei der bezahlten und unbezahlten Care-Arbeit aufmerksam zu machen. Das Datum des 29. Februars ist bewusst gewählt: Das „unsichtbare“ Datum steht symbolisch für die meist unsichtbare Sorgearbeit. Auf der zentralen ECD-Konferenz in Bonn 2020 gehörten die dbb frauen zu dem Erstunterzeichnerinnen und -unterzeichnern des gemeinsamen Manifests. Der Equal Care Day fand zeitgleich mit der Hauptversammlung der dbb frauen in Bonn statt. Die dbb Frauen nutzten die Veranstaltung, um mit einem Vortrag und anschließender Diskussionsrunde für das Thema zu sensibilisieren.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/pflege-beruf-und-familie-wieder-ins-gleichgewicht-bringen.html

 


02.02.2024

Tag der Frauenherzgesundheit - dbb frauen fordern bessere Gesundheitsprävention

Weltweit sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen die häufigste Todesursache. Anlässlich des Tages der Frauenherzgesundheit rücken die dbb frauen das Thema in den Fokus.

„Frauenherzen schlagen anders – es ist Zeit, dass wir genau hinhören“, sagte Milanie Kreutz, Bundesvorsitzende der dbb frauen, am 2. Februar 2024, dem Tag der Frauenherzgesundheit. „Mit genau hinhören meine ich, dass wir den spezifischen Risiken und Symptomen bei Frauen mehr Aufmerksamkeit widmen. Über allem steht eine Gesundheitsversorgung, die nicht diskriminiert und auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern Rücksicht nimmt. Mehr Fokus auf die Gendermedizin als festen Bestandteil der medizinischen Ausbildung könnte die Gesundheitsversorgung von Frauen deutlich verbessern.“
Kreutz sieht zudem Nachholbedarf bei den Beihilferegelungen für Beamtinnen und Beamte: „Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen zunehmend Kosten für Präventionsmaßnahmen“, erklärte sie. „Ganz entscheidend ist, dass wir die Präventionsmaßnahmen auch in den Beihilfekatalog bekommen. Was im Sinne der Frauengesundheit ist, gehört bezuschusst. Gute Vorsorge sollte nicht vom Status abhängen.“
Nicht zuletzt nimmt die Bundesvorsitzende der dbb frauen auch die Arbeitgebenden in die Pflicht. Stress sei ebenfalls ein Aspekt, der enorme Auswirkungen auf die Gesundheit haben könne. Das gelte insbesondere für Frauen ab dem 57. Lebensjahr. Kreutz: „In einer Welt, die sich immer schneller dreht, müssen wir den Wert regelmäßiger Auszeiten anerkennen. Pausen sind ein kraftvolles Instrument für langfristige Gesundheit und Produktivität. Sie ermöglichen es, Kraft zu schöpfen und mit neuer Energie an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Wenn Arbeitgebende diese Vision leben und im betrieblichen Gesundheitsmanagements verankern, profitieren wir alle davon.“

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/dbb-frauen-fordern-bessere-gesundheitspraevention.html

 


18.01.2024

Gender Pay Gap - Gleichstellung am Arbeitsmarkt: Arbeitgebende müssen dringend handeln

Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Frauen im Jahr 2023 in Deutschland durchschnittlich 18 Prozent weniger verdienten als Männer. Diese Lücke gehört geschlossen.

Michaela Neersen, stellvertretende Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung kritisiert den anhaltenden Lohnunterschied: „Trotz des Fortschritts in vielen Bereichen der Gleichstellung bleibt der unbereinigte Gender Pay Gap unverändert. Politik und Arbeitgebende müssen jetzt dringend handeln, wenn wir echte Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt erreichen wollen. Das erfordert konkrete Maßnahmen, um Berufe, in denen vorwiegend Frauen tätig sind, aufzuwerten und Frauen den Zugang zu höher bezahlten Positionen zu erleichtern.“ Ein wesentlicher Teil der Verdienstlücke sei darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Branchen, Berufen und Anforderungsniveaus arbeiten und häufiger in Teilzeit oder geringfügiger beschäftigt seien, erklärt Neersen. „Die dbb frauen setzen sich schon lange für mehr Frauen in Führungspositionen ein. Der öffentliche Dienst soll dabei ein Vorbild für die Privatwirtschaft sein.“ Erst einen Tag zuvor hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Zahlen veröffentlicht, wonach die Vorstände der 200 umsatzstärksten Unternehmen nur zu rund 18 Prozent von Frauen besetzt waren.

Im öffentlichen Dienst wie in der Privatwirtschaft spielten Tarifverträge eine wichtige Rolle bei der Förderung von Gerechtigkeit und Transparenz in der Bezahlung, macht Neersen deutlich. „Doch auch sie stoßen an ihre Grenzen, wenn es um die tieferliegende Frage der Gleichwertigkeit von Arbeit geht. Sie standardisieren zwar Gehälter und Arbeitsbedingungen, können aber die historisch gewachsenen Wertvorstellungen über 'Frauenberufe' und 'Männerberufe' nicht alleine überwinden. Es bedarf eines umfassenden kulturellen Wandels, um die tief sitzenden Vorurteile und Strukturen, die zu Ungleichheiten führen, zu beseitigen.“ Die dbb frauen betonen die Notwendigkeit, Berufe im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen aufzuwerten, um eine echte Gleichwertigkeit der Arbeit von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst zu erreichen. Neersen betont: „Eine Erzieherin, die tagtäglich die Verantwortung für die soziale und kognitive Entwicklung sowie das Wohlergehen von Kindern übernimmt, verdient oft weniger als viele andere Berufe im öffentlichen Dienst mit geringerer sozialer Verantwortung. Diese Diskrepanz in der Bezahlung zeigt, dass es noch viel zu tun gibt, um die monetäre Anerkennung dieser essenziellen Berufe an ihre gesellschaftliche Bedeutung anzupassen.“

Deutlicher Unterschied zwischen Ost und West

In Ostdeutschland ist der Gender Pay Gap mit 7 Prozent deutlich geringer als in Westdeutschland (19 Prozent). „Frauen haben in Ostdeutschland seit Jahrzehnten eine stärkere Präsenz in der Arbeitswelt als in Westdeutschland“, erklärt Neersen. „Ostdeutsche Frauen arbeiten deutlich seltener in Teilzeit: nur etwa 33 Prozent gegenüber rund 48 Prozent in Westdeutschland. Die geringere Lohnlücke in Ostdeutschland verdeutlicht, dass gleichberechtigte Arbeitsmarktintegration der wesentliche Faktor für die Verringerung der Einkommensunterschiede ist“, betont Neersen. Destatis hatte zwei Tage zuvor Zahlen zu den Geschlechterunterschieden bei Voll- und Teilzeit veröffentlicht. Demnach gaben 29 Prozent der in Teilzeit arbeitenden Frauen die Betreuung von Angehörigen als Grund für die Reduzierung der Arbeitszeit an. „Es ist unabdingbar, dass wir in unserer modernen Arbeitswelt die Türen für gleiche Karrierechancen sowohl für Teilzeit- als auch Vollzeitbeschäftigte weit öffnen“, hatte sich Neersen am 16. Januar zu den Zahlen geäußert. „Dies erfordert einen Wandel weg von der Präsenzkultur hin zu einer ergebnisorientierten Kultur.“

Hintergrund
Das Statistische Bundesamt hat am 18. Januar 2024 die aktuellen Zahlen zum Gender Pay Gap in Deutschland vorgelegt. Der unbereinigte Gender Pay Gap ist seit Beginn der Messung im Jahr 2006 von 23 Prozent auf 18 Prozent gesunken, wo er seit 2020 unverändert verharrt. Der bereinigte Gender Pay Gap, welcher Unterschiede in Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien berücksichtigt, beträgt 6 Prozent.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/gleichstellung-am-arbeitsmarkt-arbeitgebende-muessen-dringend-handeln.html


16.01.2024

Teilzeitarbeit - Ergebnisse statt Präsenzkultur: dbb frauen für neue Ära der Leistungsbeurteilung

Rund 24 Prozent der Teilzeitbeschäftigten haben laut Destatis ihre Arbeitszeit reduziert, um Angehörige zu betreuen - Frauen mit 29 Prozent wesentlich öfter als Männer (7 Prozent).

„Es ist unabdingbar, dass wir in unserer modernen Arbeitswelt die Türen für gleiche Karrierechancen sowohl für Teilzeit- als auch Vollzeitbeschäftigte weit öffnen“, machte Michaela Neersen, stellvertretende Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, am 16. Januar 2024 deutlich. „Dies erfordert einen Wandel weg von der Präsenzkultur hin zu einer ergebnisorientierten Kultur. Besonders im öffentlichen Dienst sollten wir ein Vorbild sein und zeigen, dass beruflicher Fortschritt und Erfolg nicht nur von der Arbeitszeit, sondern maßgeblich von Engagement und Leistung abhängen.“ Die dbb frauen setzen sich für gleiche berufliche Entwicklungschancen für Teil- und Vollzeitbeschäftigte ein. „Wir müssen Rahmenbedingungen in den Dienststellen und Behörden fördern, die Frauen und Männern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen, so beispielsweise digitale Arbeitsformen wie mobile Arbeit und flexible Arbeitszeitmodelle“, plädierte Neersen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes spiegeln nicht nur eine gesellschaftliche Realität wider, „sondern auch eine herausfordernde Dynamik im Berufsleben, die wir anerkennen und unterstützen müssen“, so Neersen. 

Dennoch bringe die Teilzeitarbeit finanzielle Schwierigkeiten im Alter mit sich, erklärte Neersen: „Frauen, die viel in Teilzeit arbeiten, haben einen geringeren Erwerbszeitraum und dadurch einen geringeren Rentenanspruch.“ Die Altersarmut unter Frauen, insbesondere Alleinerziehenden und geschiedenen Frauen, sei ein stilles, aber wachsendes Problem. „Leider ist diese Entwicklung eine direkte Folge von Teilzeitarbeit und Karrieren, die aufgrund von Lebensphasen und Angehörigenbetreuung unterbrochen wurden. Das dürfen wir nicht länger ignorieren." Zur Lösung dieses Problems seien auch die Männer gefragt: „Frauen leisten im Schnitt 1,5 Stunden mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer - das ist der sogenannte ‘Gender Care Gap’. Indem Männer mehr Verantwortung in der Betreuung übernehmen, können wir diesen Druck von den Schultern der Frauen nehmen. Das hätte nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeitsverteilung, sondern auch langfristige positive Effekte auf die Altersvorsorge von Frauen”, erläuterte Neersen.

Führen in Teilzeit

Neersen weiter: „Führen in Teilzeit, sei es durch Jobsharing, Topsharing oder andere flexible Modelle, ist kein vages Zukunftsszenario mehr, sondern eine Notwendigkeit der Gegenwart. Wir müssen diese innovativen Arbeitsmodelle aktiv fördern, um zu zeigen, dass Verantwortung und Führungsrollen nicht an traditionelle Vollzeitstrukturen gebunden sind. Durch diese Flexibilität eröffnen wir nicht nur neue Karrierewege, sondern stärken auch die Diversität und Kreativität in Führungspositionen.“ Die dbb frauen haben gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Modellprojekt „Führen in Teilzeit“ gestartet. Jetzt seien die Arbeitgebenden am Zug. „Arbeitgebende müssen die traditionellen Beurteilungssysteme im öffentlichen Dienst überdenken. „Eine gerechte und faire Bewertung im Arbeitsumfeld kann nur durch ein geschlechtergerechtes Beurteilungssystem erreicht werden. Es ist höchste Zeit, dass wir die Leistungen von Frauen und Männern gleichermaßen würdigen, ohne durch traditionelle Arbeitszeitmodelle oder Rollenstereotype beeinträchtigt zu werden. Eine moderne und gerechte Beurteilung muss die Vielfalt der Erwerbsbiografien und die unterschiedlichen Formen beruflicher Leistung anerkennen.“

Hintergrund
Das Statistische Bundesamt hat am 16. Januar 2024 Zahlen zur Teilzeitarbeit in Deutschland veröffentlicht. Demnach arbeiteten im Jahr 2022 24 Prozent der Teilzeitbeschäftigten in reduziertem Umfang, um Kinder, Menschen mit Behinderungen oder pflegebedürftige Personen zu betreuen. Die Übernahme der Betreuung geschah in ca. zwei Drittel der Fälle auf eigenen Wunsch.

Quelle: https://www.dbb-frauen.de/artikel/ergebnisse-statt-praesenzkultur-dbb-frauen-fuer-neue-aera-der-leistungsbeurteilung.html